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Betrüger unterwegs : Die falschen Telekom-Mitarbeiter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die angeblichen Techniker wollen wahrscheinlich Wohnungen auskundschaften.

Eckernförde | Sie müssen angeblich ein Glasfaserkabel überprüfen oder einer Störung nachgehen: In letzter Zeit häufen sich die Berichte über angebliche Telekom-Mitarbeiter, die in Eckernförde ohne Anmeldung an Türen klingeln und unter einem Vorwand in die Wohnungen eingelassen werden wollen. Bislang scheint das aber kaum gelungen zu sein. „Gut so“, sagt Polizeisprecher Rainer Wetzel. „Wir raten zu einem gesunden Misstrauen.“ Anzeigen liegen der Polizei in Eckernförde nicht vor.

Das Misstrauen hatte auch Nadine Krzoska aus der Dortheenstraße. Die 37-Jährige beschreibt die beiden Männer, die am Mittwoch vor ihrer Tür standen, als sehr nett und sehr jung. Angeblich habe es eine Störung in einem Glasfaserkabel gegeben, weshalb sie nun zur Überprüfung in die Wohnung müssten. „Der eine zückte auch gleich einen Ausweis, der aber wie ein gerade zusammengebasteltes Pappding aussah“, erzählt Nadine Krzoska. Sie verweigerte den Männern den Zutritt. Dass sie gar kein Telekomkunde ist, interessierte die beiden gar nicht, die schnell von ihr abließen.

Bei den vermeintlichen Betrügern scheint es sich um eine ganze Gruppe zu handeln. Einige Betroffene sprechen von zwei jungen Frauen, andere von Männern im mittleren Alter. Sie scheinen in ganz Eckernförde unterwegs zu sein – auch im Domsland.

Dort hatte die Mutter von Kerstin Paar eine entsprechende Begegnung. Nur waren die beiden Männer im Alter von etwa Mitte 40 und Anfang 20 gar nicht nett. Auch sie zückten einen Ausweis, auf dem das Wort „Telekom“ stand und sprachen von einem Schaden im Glasfaserkabel. Doch die ältere Dame war auf Zack und bat die Männer, später wiederzukommen, wenn ihre Tochter wieder zu Hause sei. Als die Männer darauf bestanden, sofort in die Wohnung zu gelangen, wurde die Dame resolut, ebenso die beiden Männer. Schließlich baute sich der 14-jährige Enkel neben ihr auf und verlangte eine Visitenkarte, woraufhin die Männer aufgaben.

Wie eine Nachfrage bei der Telekom ergab, sind zurzeit in Eckernförde keine Mitarbeiter unterwegs. Und selbst wenn: „Der Kunde wüsste Bescheid, denn ein Mitarbeiter kommt nur angemeldet, wenn er in die Wohnung muss“, sagt Telekomsprecherin Stefanie Halle. Mitarbeiter trügen außerdem stets einen Ausweis bei sich, auf dem eine Rückrufnummer abgebildet ist, unter der man sich vergewissern könne, dass es sich tatsächlich um jemanden von der Telekom handelt. Für Stefanie Halle ist die Telekom nur eine von vielen Firmen, die für einen Vorwand herhalten muss. „In anderen Fällen geben sich die Leute als Mitarbeiter des Stromanbieters aus.“

Das weiß Polizeisprecher Rainer Wetzel nur zu gut. Er berichtet von einem Fall, in dem der Mitarbeiter eines Paketdienstes einem Anwohner ein Paket für den Nachbarn gab. Der Angesprochene legte die noch offenen 39 Euro aus und gab dem vermeintlichen Paketzusteller sogar noch ein eigenes Paket mit auf den Weg – wofür er auch bezahlte. Am Ende stellte sich der vermeintliche Mitarbeiter als Betrüger heraus.

Im Falle der angeblichen Telekom-Mitarbeiter vermutet Rainer Wetzel, dass die Betrüger die Wohnung für einen eventuellen Einbruch auskundschaften wollen. Das bestätigt ein Mitglied der Facebookgruppe „Neues Eckernförde“. Es schreibt: „Waren bei mir vor einem Monat auch und Freitagabend wurde bei mir eingebrochen... Also aufpassen.“ Andere vermuten hinter dem Trick Werbefirmen, die als Subunternehmer für die Telekom neue Verträge abzuschließen versuchen.

Wie auch immer – für Rainer Wetzel steht fest: „Der Variantenreichtum der Betrüger wird immer größer.“ Er empfiehlt, gleich an der Tür zu sagen: „Ich kaufe nichts an der Tür. Wenn Sie was wollen, schreiben Sie mich offiziell an.“

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erstellt am 03.Jun.2016 | 06:00 Uhr

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