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Stromverbrauch : Die Energiewende in den eigenen vier Wänden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Helge Lienau produziert Strom mit einem Mix aus Blockheizkraftwerk, Photovoltaik und Mini- Windkraftanlage. Insgesamt hat er damit in den vergangenen vier Jahren 435 000 Kilowattstunden an Strom erzeugt.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 06:10 Uhr

Bei den Diskussionen um Windkraft und Ökostrom zuckt Helge Lienau nur mit den Schultern. „Jeder redet über die Energiewende, aber keiner macht was“, sagt er. „Windkraftanlagen sind nicht schön, aber das ist der Schornstein auch nicht, und trotzdem hat ihn jeder.“ Sein Vorschlag: Es müssen nicht immer die großen Anlagen sein, für manche Menschen lohnt sich auch die Anlage auf dem eigenen Grundstück.

Bei ihm tut es eine Kombination aus Photovoltaik-Modulen, Blockheizkraftwerk und Mini-Windkraftanlage. „Mein Ansatz war es, die Energiekosten zu reduzieren“, so Helge Lienau, der mit seinem Stahl- und Nirobau im Goldammerweg ein recht energieintensives Unternehmen führt. Deshalb investierte er im Frühjahr 2011 rund 200  000 Euro für eine 100-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf seinem Hallendach. 85  000 Kilowattstunden produziert sie im Jahr. „Die Einspeisevergütung läuft über 20 Jahre“, erklärt Lienau. „Dabei bekomme ich 15 Cent für jede Kilowattstunde, die ich produziere und 12 Cent zusätzlich für jede Kilowattstunde, die ich ins Netz einspeise.“ Lienau rechnet damit, dass die Investitionskosten nach zehn Jahren bezahlt sind. „Ab dann mache ich Gewinn für meine Rente.“ So die Theorie. Dabei speist er nicht den ganzen eigenen Strom ein. Zunächst verbraucht er ihn selbst. Erst, wenn er mehr produziert als er selbst verbraucht, wandert der Rest ins Netz.

Ende 2011 baute sich der Geschäftsmann noch ein Blockheizkraftwerk (26 KW elektrisch, 60 KW thermisch) ein, das er für 20  000 Euro über die Internetplattform Ebay gekauft hatte. Die Anlage hatte vorher in einem Klärwerk in der Schweiz seinen Dienst versehen und in den vergangenen drei Jahren 100  000 Kilowattstunden in Lienaus Unternehmen im Goldammerweg produziert.

Zunächst verbraucht er also den Strom aus seinem BHKW, das quasi als Abfallprodukt noch die Wärme für seine Gebäude liefert und zusätzlich 5000 Liter Wasser als Wärmespeicher erhitzt. Diese Energieproduktion ist zwar nicht förderfähig, aber bei einem aktuellen Strompreis von ca. 26 Cent pro Kilowattstunde immer noch günstiger als der Bezug von einem Anbieter. Einzig das Gas muss Helge Lienau bezahlen. „Normalerweise bezahle ich 2000 Euro an Energiekosten pro Monat für meinen Betrieb mit 1700 Quadratmetern Gewerbefläche und meinen Vier-Personen-Haushalt“, rechnet er vor. „Jetzt sind es 980 Euro.“

Zusätzlich zu seinen Energiequellen hat sich Helge Lienau eine kleine Windkraftanlage auf das Dach seiner Halle geschraubt – selbstgebaut. Zwei Meter hoch und einen Meter breit, speist sie einen Akku, mit dem der 42-Jährige die Außenbeleuchtung seines Betriebes beleuchtet. 2000 Euro hat er für die 300-Watt-Anlage ausgegeben. Ob sich das lohnt? „Je nach Standort amortisiert sich so eine Anlage nach zehn bis 20 Jahren“, sagt Helge Lienau. „Aber den meisten Leuten, die sich für so eine Anlage interessieren, geht es gar nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, möglichst autark zu sein.“ Besonders für Firmen in Gewerbegebieten seien die Anlagen, die er in verschiedenen Größen bauen kann, geeignet. „Das ist ein Hingucker.“ Auf Eigenheimen dürfte die Installation schwierig sein. In Baugebieten aus rechtlichen Gründen erst recht. „Dabei wären Mehrfamilienhäuser wie in der Rendsburger Straße prädestiniert dafür.“

In seinem Mix fehlt dem Eckernförder nur noch eine Biogasanlage für den Hausgebrauch. „Darüber habe ich auch schon mal nachgedacht, aber wieder verworfen.“ Noch sei das zu aufwändig.

Insgesamt hat Helge Lienau in den vergangenen vier Jahren 435  000 Kilowattstunden an Strom selbst produziert – umweltfreundlich. Damit hätte er in dieser Zeit auch knapp 100 durchschnittliche Einfamilienhäuser mit einem Jahresverbrauch von 4350 Kilowattstunden mit Strom versorgen können.

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