B 76 : Die Düne an der Straße

Sylvia Bent ist überzeugt: Das neue Konzept entlastet die Stadtgärtnerei und bietet eine naturnahe heimische Beplanzung.
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Sylvia Bent ist überzeugt: Das neue Konzept entlastet die Stadtgärtnerei und bietet eine naturnahe heimische Beplanzung.

Neues Bepflanzungskonzept für die Rabatte an der B 76 zeigt Blüten – kostengünstiger, pflegeleichter und naturnaher als Rosenbeete.

shz.de von
23. Juni 2017, 06:03 Uhr

Eckernförde | Irgendwann sahen sie nicht mehr gut aus: Wer mit dem Auto von Kiel nach Eckernförde fuhr, erlebte vor vielen Jahren noch ein Blütenmeer in den Rosenbeeten am Wegesrand, doch mit der Zeit wurde das immer weniger, den Blumen setzte der salzhaltige Ostwind, Streusalz und Schnee zu, dem Unkraut dagegen nicht. Es musste eine Entscheidung her: entweder rausreißen und neu pflanzen oder eine Alternative suchen. Doch mit dem Neupflanzen allein wäre es nicht getan: Bodenproben ergaben extrem hohe Salzwerte, also hätte auch die Erde ausgetauscht werden müssen in dem Wissen, dass sich das Schauspiel immer wiederholen wird.

Die Stadtgärtnerei unter der Leitung von Sylvia Bent hat deshalb etwas Neues ausprobiert: Vor zwei Jahren hob sie die Erde in den Rabatten zwischen Kiekut und Südstrand 40 Zentimeter tief aus und füllte schließlich Seegras und Sand nach. Darin pflanzte sie typische Strand- und Küstenpflanzen, die an Salz gewöhnt sind.

Die Pflanzen, wie Wegwarte, Strandroggen, Malven und Grasnelken haben sich gut entwickelt, Sylvia Bent wertet die Umsetzung des neuen Konzeptes als Erfolg. Im Frühjahr ist ein weiterer Abschnitt zwischen Südstrand und WTD 71 umgestaltet worden, und auch die lange Rabatte bis zum Mangos soll in den kommenden Jahren folgen – insgesamt sind dann 2,2 Kilometer abgängige Rosenbeete durch Dünenbewuchs ersetzt. „Wenn man ein solches Beet mit Rosen repräsentativ sauberhalten will, ist das sehr pflegeintensiv“, sagt Sylvia Bent. „Wir haben alles versucht, aber das Erfolgserlebnis ist zweifelhaft und teuer.“ Die neue Pflanzung dagegen sei weniger aufwändig, naturnah, kostengünstiger und insektenfreundlicher. „Hinzu kommt, dass die Kollegen nicht mehr fünfmal im Jahr für eine Woche direkt an und auf der Bundesstraße arbeiten müssen. Der hohe Verkehrsdruck macht einen richtig fertig.“

Anfängliche Bedenken von Bürgern, dass der Sand auf den Fahrradweg fliegen würde und Radfahrer deshalb stürzen könnten, haben sich nicht bewahrheitet. „Wir haben keinen feinen Strandsand verwendet, sondern Sand aus einer Kiesgrube, der nicht so leicht fliegt“, sagt Sylvia Bent. „Sobald der erste Regen fällt, setzt sich der Sand auch schon.“ Die Pflanzen halten den Sand zudem mit ihren Wurzeln fest. Schließlich bilden sich aufgrund der Witterung auch Flechten und Algen, die sich mit den Sandkörnern verbinden und eine feste Oberfläche bilden.

Und auch die Pflanzen selbst sind robuster und an den hohen Salzgehalt gewöhnt: Zurzeit blühen der blaue Natternkopf, die rosafarbene Grasnelke und Malven. Strandhafer und -roggen, Dünenschwingel, Rosa pimpinellifolia, Natternkopf, Hauhechel und Strandflieder – die Liste der Pflanzen in den Beeten ist lang. „Viele davon sind nicht mehr so häufig verbreitet. Wir bringen sie jetzt in die Beete zurück.“ Das Konzept hat auch andere neugierig gemacht. Bent: „Wir haben Anfragen dazu von Gemeinden an der Nordseeküste und von Privatleuten, die ähnliche Probleme mit salzhaltigem Boden haben.“

Einige Disteln finden sich auch in den neu angelegten Beeten. „Wir gehen erst nach einigen Monaten zum ersten Mal mit dem Hacker durch die Beete. Erst soll die Dünenbepflanzung Wurzeln entfalten und den Sand festhalten. Noch türmt sich der Sand in den Beeten wie eine Düne auf. Doch sie dürfte mit der Zeit etwas in sich zusammensacken. Dann nämlich, wenn das als Dünger darunterliegende Seegras verrottet. An einer Stelle hat die Stadtgärtnerei ganz auf eine Düne verzichtet: an der Ampel zum Domstag. „Hier sollen auch Kindern und Rollstuhlfahrer für die Autofahrer gut zu sehen sein.“

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