zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 08:07 Uhr

50 Jahre alt : Die Dinosaurier der Marine

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die letzten Mehrzwecklandungsboote der Marine werden in diesem Jahr 50 Jahre alt – und immer noch gebraucht. Ihr Heimathafen ist Eckernförde.

Eckernförde | Nur noch die „Gorch Fock“ ist älter: Die Mehrzwecklandungsboote „Schlei“ und „Lachs“ mit Heimathafen in Eckernförde sind mit ihren 50 Jahren die ältesten maschinengetriebenen, noch im Einsatz befindlichen Boote der Deutschen Marine. Und ein Ende ist nicht absehbar: Während die insgesamt 20 Schwesternboote im Laufe der Jahre ausgemustert wurden, ist davon bei den letzten beiden Exemplaren der Barbe-Klasse noch keine Rede. Deshalb kann sich Daniel Kakuk (39) auch freuen: Der Stabsbootsmann hat gestern das Kommando über die „Schlei“ erhalten. Er hat damit seinen Vorgänger Hauptbootsmann Jan Schmidt (39) abgelöst, der über acht Jahre lang das Kommando führte.

Und auch das ist eine Besonderheit: Normalerweise können nur Offiziere das Kommando über ein Schiff übernehmen. Bei den Mehrzwecklandungsbooten übernehmen von jeher Unteroffiziere diese Aufgabe. „Das ist wohl geschichtlich bedingt“, erklärt Jan Schmidt. „Ursprünglich hatte ein Offizier das Kommando auf dem Führungsschiff und alle anderen Kommandanten waren Unteroffiziere.“ Die sind dann im Laufe der Zeit übriggeblieben und entsprechend immer neu nachbesetzt worden.

Die Mehrzwecklandungsboote wurden für Landungsoperationen in Nord- und Ostsee konzipiert und waren für den Transport von Soldaten und militärischem Material im küstennahen Bereich vorgesehen. Die 40 Meter langen und 8,80 Meter breiten Boote haben einen Tiefgang von nur 2 Metern, womit sie auch in Flüssen fahren können.

Mit dem Ende des Kalten Krieges änderten sie ihre Bestimmung. Sie werden mittlerweile als Taucherplattformen für die Ausbildung der Minentaucher und Kampfschwimmer eingesetzt, dienen den Soldaten des Seebataillons als Übungsplattform und erledigen größere Transporte wie die von großen Schiffsschrauben, Hubschraubern oder Fahrzeugen. Und auch, wenn ein Schiff im Alter von 50 Jahren reparaturanfälliger wird, sieht Jan Schmidt einen Vorteil: „Es ist wie bei einem alten Auto. Da kann man viel selbst machen, weil noch nicht alles voller Elektronik ist.“

Die Kommandoübergabe von Jan Schmidt an Daniel Kakuk nahm der Stützpunktkommandeur Fregattenkapitän Bernd Ufermann vor. Er hob hervor, dass die Mehrzwecklandungsboote trotz ihres Alters wegen ihrer vielseitigen Einsetzbarkeit immer größere Bedeutung gewinnen – gerade in Zeiten, in denen die Aufgaben der Marine bei immer geringeren Mitteln stetig wachsen.

Nach knapp 11  000 gefahrenen Seemeilen und 47 Landungen mit der „Schlei“ wird Jan Schmidt im Rahmen eines Austauschprogramms als Navigationsmeister auf dem US-amerikanischen Lenkwaffenkreuzer „USS Mobile Bay“ arbeiten. Der Kreuzer hat 390 statt 17 Mann Besatzung, 173 statt 40 Meter Länge und 80  000 statt 1024 PS. Schmidts Nachfolger Daniel Kakuk hat als Kommandantenschüler auf der „Schlei“ unter ihm gedient, kennt das Boot also schon in- und auswendig.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 06:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen