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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 09:39 Uhr

Ausleihe : Die Bücherei im Umbruch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Bücherei in Eckernförde verzeichnet leicht gesunkene Ausleihzahlen. Die Online-Ausleihen über E-Reader, iPads oder Smartphones sind dagegen massiv auf dem Vormarsch.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 06:23 Uhr

Eckernförde | Die digitale Revolution macht auch vor der Stadtbücherei nicht Halt: Das zweite Jahr in Folge ist die Zahl der Ausleihungen zurückgegangen. Wie Büchereileiter Hans-Jürgen Simon mitteilt, betrug sie 2012 noch rund 216 000 Ausleihungen, 2013 waren es rund 211 000, etwa 2,3 Prozent weniger. Die Printmedien machen dabei den Löwenanteil mit rund 119 000 Ausleihen aus – 2,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Aber auch die Entleihungen von digitalen Medien haben zu 3,8 Prozent abgenommen (2013: 81 000). „Besonders Musik-CDs und CD-Roms sind kaum noch gefragt“, sagt Büchereileiter Hans-Jürgen Simon. Kein Wunder, sind Computerprogramme und Musik doch immer leichter über das Internet herunterzuladen. Dabei spielen mobile Endgeräte wie E-Reader, iPads und Smartphones eine immer größere Rolle.

Das verdeutlicht auch die Zahl der „Onleihe“. Seit 2011 haben die Inhaber eines Bücherei-Leseausweises die Möglichkeit, sich über die Homepage der Bücherei virtuelle Medien auszuleihen, ohne dafür einen Fuß vor die Tür setzen zu müssen. Dazu gehören eBooks, Zeitungen und Zeitschriften, Hörbücher und Musik. Eckernförde gehörte damit zu den Vorreitern in Schleswig-Holstein. Die Ausleihzahl betrug Ende 2013 mit knapp 9000 mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor (4200). Das Überraschende dabei: Nicht die jungen Menschen nehmen die virtuelle Ausleihe in erster Linie wahr. „Die größte Interessensgruppe sind die ab 50- bis 60-Jährigen“, sagt Bibliothekarin Marie-Therese Fritzen-Einfeldt. Von den insgesamt 4577 aktiven Nutzern der Bibliothek (minus 5 Prozent zum Vorjahr) nehmen etwa 9 Prozent die Onleihe in Anspruch.

Mit dem Wachstum der virtuellen Bibliothek gehen auch die Besucherzahlen in der realen Bücherei zurück: Sie ist um 4,2 Prozent auf rund 73 000 gesunken, was Hans-Jürgen Simon auch auf ein verändertes Benutzerverhalten zurückführt – besonders bei Schülern und Jugendlichen. Dem Rückgang bei den Entleihern unter zwölf Jahren (fast 50 Prozent) versuchen die Bibliothekare mit der Lesestart-Initiative und dem Ferienleseclub entgegenzuwirken. Die Entwicklung sieht das Team um Hans-Jürgen Simon nicht negativ, sondern als Reaktion auf die digitale Entwicklung der Gesellschaft. „Interpretationen von Klassikern leihen Schüler heute nicht mehr aus, sondern lesen sie im Internet“, sagt Simon.

Der Bücherei steht ein Umbruch bevor, dem sich auch die neue Kollegin Verena Leonhardt widmen will. Die 31-jährige Bibliothekarin hat die Nachfolge des stellvertretenden Büchereileiters Rainer Beuthel angetreten, der in den Ruhestand gegangen ist. Die gebürtige Osnabrückerin stimmt mit Hans-Jürgen Simon überein, dass sich die Bücherei zu einem regen Erlebnisraum und Treffpunkt entwickeln sollte, in der die Kommunikation im Vordergrund steht – ein Ort, um Medien zu erfahren. Der Blick von Verena Leonhardt schweift daher nach Skandinavien: „Im dänischen Hjørring zum Beispiel hat die Bücherei eine ganze Ebene in einem Einkaufszentrum. Dort gibt es eine Kinderspielecke und ein Labyrinth aus Bücherregalen, aber auch Lernräume und Bereiche für VIPs – Very Important Parents.“ Für derartige Ideen benötige man allerdings viel Geld. Und viel Platz, womit die Willers-Jessen-Schule als Büchereistandort interessant wird. Hans-Jürgen Simon findet den Gedanken zumindest verlockend. Die Zukunft muss zeigen, ob er weiterverfolgt wird oder nicht.

Bis dahin will Verena Leonhardt schonmal neue Ideen entwickeln. Als erstes Projekt möchte sie einen Leselaufkreis ins Leben rufen: Menschen, die sich regelmäßig zum Joggen treffen und dabei über Literatur reden.

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