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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 17:17 Uhr

Die Biotonne wird zur Pflicht für alle

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rund 50 000 Tonnen will die AWR im kommenden Jahr an Haushalte verteilen / Übergangszeit bis zum 1. Januar 2015 /Entgelte bleiben konstant

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde landet noch viel zu viel Bioabfall im Restmüll. 1995 ist die „braune Tonne“ eingeführt worden – doch die Nutzung könnte „noch besser und effektiver“ sein, davon ist der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR), Ralph Hohenschurz-Schmidt, überzeugt. Sortieranalysen auf der Anlage der AWR hätten ergeben, dass der Bioanteil in der Restmülltonne immer noch erheblich – bis zu 40 Prozent – ist. Der hohe Anteil sei dadurch zu erklären, dass Küchenabfälle und Pflanzenreste wie Ambrosia oder Riesenbärenklau nicht auf dem eigenen Kompost landen.

Eine grundsätzliche Pflicht zur Biotonne besteht bislang nicht. Wer auf dem Grundstück eine Kompostierung aller dort anfallenden kompostierbaren Abfälle vornehmen kann, ist davon laut Satzung des Kreises befreit. „Eine Kontrolle der tatsächlichen Eigenkompostierung als Alternative zum Sammeln seitens der AWR gibt es aber nicht“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Etwa die Hälfte der Haushalte im Kreisgebiet verzichtet auf eine Biotonne und müsste demnach selbst kompostieren. Eine einfache Faustregel für den Platzbedarf einer sachgerechten Kompostierung lasse ihn aber daran zweifeln: Pro Jahr fallen etwa 90 Kilogramm Bioabfall bei einer Person an, sollte nur die Hälfte kompostiert werden, wäre eine etwa 50 Quadratmeter große Fläche erforderlich.

Die AWR will zum 1. Januar 2015 die 120-Liter-Biotonne für alle Haushalte einführen. Es werde nur einige wenige Ausnahmen geben. Hintergrund ist, dass nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und der Bioabfallverordnung spätestens ab diesem Zeitpunkt Bioabfälle getrennt zu sammeln sind. Der Umweltausschuss des Kreistages wird sich mit einer entsprechenden Satzung am Donnerstag, 24. Oktober, in seiner Sitzung in Rendsburg befassen.

Vor allem aus ökologischer Sicht sei dieser Schritt absolut sinnvoll. Denn in der Bioabfallbehandlungsanlage in Borgstedt wird aus Bioabfällen der Kreise Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg und Plön Strom und Wärme gewonnen. Insgesamt gut 40 000 Tonnen Bioabfalll werden pro Jahr in Borgstedt verarbeitet. Daraus entstehen nicht nur rund 17 000 Tonnen Kompost, sondern auch in einem Trockenfermentationsverfahren für Biomasse etwa fünf Millionen Kilowattstunden Strom und sieben Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr. Damit könnten jährlich 1250 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden.

Würde die Biotonne – vielmehr die Energietonne – richtig genutzt werden, könnte das Endergebnis bei Weiten besser ausfallen, sagt Hohenschurz-Schmidt. Denn sowohl Eigenkompostierer als auch Biotonnennutzer entsorgen über die Restmülltonne auch vergär- und kompostierbaren Abfall. Damit gingen große Mengen an nachhaltiger Energieerzeugung, aber auch Kompost für die Landwirtschaft verloren. Nach Einführung der Biotonne rechnet Hohenschurz-Schmidt, dass bis zu 10 000 Tonnen mehr Bioabfälle in Borgstedt verarbeitet werden können. Gleichzeitig sei eine Reduzierung der Restmüllmenge von derzeit 43 000 auf 33 000 bis 35 000 Tonnen zu erwarten.

Rund 50 000 neue Abfallbehälter sollen ab 1. Juli 2014 zur Verfügung gestellt und verteilt werden. Dies würde zu Mehrkosten von rund 400 000 Euro in 2014 führen. Die laufenden Kosten für die Leerung der Tonnen und die Verwertung schlagen nochmal mit rund einer Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Sollten die Bürger ihr Trennverhalten verbessern, würde es aber im Gegenzug zu Einsparungen bei der Restmüllentsorgung kommen. Die Entsorgung des Restabfalls bei der mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage in Neumünster ist doppelt so teuer wie die Verwertung des Bioabfalls.

Trotz der Investitionen rechnet Hohenschurz-Schmidt nicht damit, dass die Gebühren für den Zeitraum 2015 bis 2017 steigen werden. Grund seien vor allem die hohen Rückstellungen der AWR in Höhe von etwa 3,2 Millionen Euro.

Für die Bürger, die bislang keine Biotonne nutzen, komme ein zusätzliches Entgelt von maximal monatlich 2,50 Euro für 120 Liter Abfallvolumen. Geleert wird alle 14 Tage. „Im Gegenzug kann der Kunde bei optimaler Trennung des Abfalls seine Restmüllmenge reduzieren und dann ein geringeres Entgelt zahlen“, betont der AWR-Geschäftsführer.

Den Umstieg auf die Biotonne will die AWR den Bürgern im Kreis so einfach wie möglich machen, versichert Hohenschurz-Schmidt. Wer aus Platzgründen einer weiteren Tonne eher skeptisch gegenübersteht, der kann, wenn sich sein Restabfall reduziert, seine schwarze Tonne gegen einen 40-Liter-Restmüllsack eintauschen. Mitte des Jahres werden die ersten Biotonnen verteilt, bezahlt werden muss aber erst ab 2015. Das soll auch für die Kunden gelten, die bereits eine Biotonne haben.


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erstellt am 21.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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