Open Ship auf der Alexander von Humboldt 2 : Die „Alex 2“ und der „grüne Virus“

Imposantes Bild: Die stolze Dreimast-Bark „Alexander von Humboldt 2“vor der Kulisse der Hafenspitze. Mit an Bord. Kapitän Tilman Hebekus, Toppsmatrosin Ikla Erichsen, Leichtmatrosin Andrea Koch und der Öffentlichkeitsbeauftragte Jirka Menke (kleines Foto v. l.).  Fotos: Hoy
Foto:
1 von 2
Imposantes Bild: Die stolze Dreimast-Bark „Alexander von Humboldt 2“vor der Kulisse der Hafenspitze. Mit an Bord. Kapitän Tilman Hebekus, Toppsmatrosin Ikla Erichsen, Leichtmatrosin Andrea Koch und der Öffentlichkeitsbeauftragte Jirka Menke (kleines Foto v. l.).

Die Dreimast-Bark „Alexander von Humboldt 2“ war am Wochenende auf Stippvisite im Eckernförder Hafen. 700 Besucher beim „Open Ship“.

shz.de von
11. Juni 2018, 06:58 Uhr

Eckernförde | Mit ihren grünen Segeln und ihren drei Masten, von denen der höchste über 37 Meter misst, ist sie ein echter Hingucker. Die Bark „Alexander von Humboldt 2“ war am Wochenende zu Gast im Eckernförder Hafen und beeindruckte schon durch ihr Äußeres und ihre schiere Größe, die selbst die Gebäude der Hafenspitze zu überragen schien. Wem der Anblick von außen nicht genügte, hatte am Sonnabend beim „Open Ship“ Gelegenheit, sich den Dreimaster ganz genau anzusehen. Wie schon ihr Vorgänger, die „Alexander von Humboldt“, ist die Bark Deutschlands größtes ziviles Segelschulschiff und wird von der gemeinnützigen Stiftung Sail-Training betrieben. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, traditionelles Hochseesegeln und die Werte traditioneller Seemannschaft an Interessierte zu vermitteln. Wer als Fahrgast, auch Trainee genannt, mitsegeln möchte, muss zwischen 14 und 75 Jahre alt sein und Lust haben, fest mitanzupacken.

Alle 25 Mitglieder der Stammcrew fahren ehrenamtlich und aus Liebe zur Seefahrt. Einige von ihnen kommen aus der beruflichen Seefahrt oder haben sich über mehrere Törns als „Trainee“ für die Stammbesatzung qualifiziert. So auch Ilka Erichsen aus Husum. Die 46-Jährige ist eingefleischter Fan des Schiffes und hat seit 2000 jeden einzelnen Urlaubstag auf der „Alex 2“ verbracht. Die Toppsmatrosin war mit dem Segelschulschiff schon vor Galapagos und den Kapverden. Viele Trainees fangen wie Ilka Erichsen sofort Feuer und segeln immer wieder mit. Ilka Erichsen nennt es den „grünen Virus“.

Auch Kapitän Tilman Hebekus (58) ist ihm erlegen. Er ist einer von 17 ehrenamtlichen Kapitänen der „Alexander von Humboldt 2“. Der Seefahrer von der Insel Fehmarn fährt eigentlich große Kreuzfahrtschiffe für Hapag Lloyd. 1998 hat er auf der alten „Alexander von Humboldt“ angefangen und in den letzten 20 Jahren viele Erfahrungen mit der alten und neuen „Alex“ sammeln können. „Das ist schon die Königsklasse für einen Seemann.“, erzählt Hebekus. Schon zwei Mal hat er das Schiff ausschließlich mit den Segeln aus dem Eckernförder Hafen bugsiert. Etwa 4 Wochen verbringt der Kapitän jährlich auf dem Schiff. Glücklicherweise muss er seinen Urlaub nicht alleine verbringen. Seine Frau Barbara ist mit an Bord und teilt seine Leidenschaft. Die Leichtmatrosin Andrea Koch aus der Schweiz muss unterwegs auch nicht auf ihren Partner verzichten. Sie hat die Liebe sogar an Bord gefunden.

Trotz der 24 einzelnen Segel und der 200 Tampen verfügt die „Alexander von Humboldt 2“ auch über eine leistungsstarke Maschine mit 550 kW, die das Schiff auch bei Flaute mit 10 Knoten voranbringen kann. 90 ehrenamtliche Maschinisten sorgen abwechselnd dafür, dass die Technik unter Deck einwandfrei funktioniert. Der zuständige Maschinist auf dieser Fahrt ist Peter Schubert (76) aus Cuxhaven. Als ehemaliger Schiffsingenieur bringt er alle erforderlichen Kenntnisse mit und kennt die Hauptmaschine in- und auswendig. Unterstützt wird er vom Elektriker Wolfgang Klemmer (61) aus Hameln.

Wie der Maschinenraum laufen auch die zwei Köche außer der Reihe. Oskar Maurer (58) aus Kaiserslautern ist Bäckermeister und ergänzt sich zusammen mit dem ehemaligen Koch Jürgen Eckemann aus Lübeck ausgezeichnet. Gemeinsam sorgen sie mit guter Hausmannskost dafür, dass keines der maximal 79 Besatzungsmitglieder hungrig bleibt.

Wer traditionelle Seefahrt hautnah erleben möchte, ist als Trainee auf der „Alexander von Humboldt 2“ goldrichtig. Auch viele Eckernförder schienen an der „Humboldt“ sehr interessiert. Während des „Open Ship“ besuchten über 700 Menschen das Segelschulschiff.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen