Spannende Lesung : „Dezemberkälte“ im Juni

Simon Voß, Autor und Lehrer – nach den Sommerferien in Gettorf.
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Simon Voß, Autor und Lehrer – nach den Sommerferien in Gettorf.

Verein Wohlder Kultur organisiert Autorenlesung in der Gettorfer Mühle mit Simon Voß

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14. Juni 2014, 06:00 Uhr

Draußen zwitschern die Vögel und die Sonne senkt sich langsam am Ende dieses Junitages. Drinnen aber, in der Mühle Rosa in Gettorf, herrscht Kälte, „Dezemberkälte“. So lautet der Titel des Erstlingswerkes von Simon Voß. Der Lehrer aus Ahrensburg liest mit an unterschiedliche Personen angepasster Stimme sowie ausdrucksstarker Gestik und Mimik. Deutlich hörbar amüsiert sich das Publikum über die lebhaft dargestellten Szenen, obgleich es sich bei „Dezemberkälte“ um einen Krimi handelt. Genauer gesagt um einen historischen Krimi, der zur Zeit des Matrosenaufstands von 1918 in Kiel spielt. Ein, wie Voß findet, unterschätztes historisches Ereignis, hatte es doch letztendlich die Demokratisierung Deutschlands zur Folge.

Doch Voß liest nicht nur aus seinem Buch vor, er ergänzt die Lesung durch Erläuterungen und Erklärungen zur politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation des damaligen Deutschland. Die intime Atmosphäre der leider nur spärlich besuchten Lesung führt zu einem interaktiven Austausch mit dem Publikum. So werden allgemeine Fragen zu der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gestellt. Aber auch tiefergehende Informationen zum Buch werden gewünscht. Dadurch erfahren die Zuhörer, dass, bis auf einige wenige historisch belegte Persönlichkeiten, alle im Buch erwähnten Personen rein fiktiv sind. Auch die Geschichte des Buches ist frei erfunden. Davon abgesehen hat Voß aber intensiv in alten Zeitungen und Reiseführern recherchiert, um die handelnden Personen und die erwähnten Lokalitäten dem damaligen Zeitgeist entsprechend darzustellen. Deutlich ist sowohl den Zuhörern als auch dem Autor der Spaß an diesem Austausch anzumerken. Daher nimmt das Publikum auch begeistert auf, dass Voß bereits an einem zweiten Buch arbeitet. Auch diesmal handelt es sich um einen Krimi. Der soll aber in der heutigen Zeit spielen. Wie bei „Dezemberkälte“ soll die Geschichte auch in Kiel beziehungsweise im Kieler Umland spielen.

Allen Anhängern von August Guerin, dem Helden von „Dezemberkälte“, stellt Voß eine Fortsetzung der Geschichte über den Kieler Werfttischler in Aussicht. Ab August dieses Jahres wird Voß, vor allem durch die Elternzeit mit seiner Tochter zum Schriftsteller avanciert, übrigens eine Stelle im Gettorfer Schulzentrum antreten. Denn wie der Ahrensburger erzählt, war für ihn immer Kiel die eigentliche Heimat, da er dort aufgewachsen ist und auch studiert hat.

Am Ende stimmt das übrige Publikum Monika Leippe vom ausrichtenden Verein Wohlder Kultur zu: „Es war sehr schön. Simon Voß hat sehr lebendig vorgetragen.“ So verwundert es nicht, das die meisten Zuhörer an einem bereit gestellten Tisch sich sofort eine Ausgabe von „Dezemberkälte“ kaufen und viele von ihnen den Autor um eine Signierung ihres Exemplars bitten.

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