Designmöbel made in Birkenmoor

Fertig: In Grau hochglänzend lackiert präsentiert sich 'Mediamorph'. Foto: ez
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Fertig: In Grau hochglänzend lackiert präsentiert sich "Mediamorph". Foto: ez

Auftragsarbeit eines Kieler Architekten soll gleichzeitig Start für einen Webshop sein / Einzigartiges Möbel in 150 Stunden gebaut

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06. Juni 2012, 06:40 Uhr

Birkenmoor | Die Aufgaben, denen sich Tischlermeister Jörn Göppert mit Vorliebe widmet, sind nicht nur vom Gewicht her schwer. Seine Kunden verbinden damit besondere Anforderungen und höchste Ansprüche. Sein jüngstes Unikat, das er gemeinsam mit Kollege Christian Koehl nach Entwürfen des Kieler Architekten Rainer Gröschl gebaut hat, soll jedoch kein Einzelstück bleiben.

In der Tischlerei Koehl ist Göppert seit ein paar Monaten tätig und genau richtig. "Wir sind spezialisiert auf den besonderen Innenausbau und erstellen vor allem Empfangstresen für Büros und Arztpraxen in Schleswig-Holstein und Hamburg", erklärt der Chef, Christian Koehl. Doch auch für private Räume entwickelt er individuelle Lösungen und hat schon Küchen, Bibliotheken, Badmöbel und begehbare Kleiderschränke im umgebauten Schweinestall auf dem Gewerbehof Birkenmoor gefertigt, wo er seit der Betriebsgründung vor neun Jahren ansässig ist. In den beiden Tischlern fand Architekt Gröschl diejenigen, die seine Idee für ein TV-Möbel realisieren sollten. "Das kann und macht nicht jeder", weiß der Kieler, der sich nicht nur mit Neu- und Umbauten, sondern auch mit der Innenraumgestaltung beschäftigt. Schon eine kleine Herausforderung für Göppert und Koehl. Denn die Vorgabe des Auftraggebers aus Schönberg lautete: "Es mus perfekt werden."

Die Skizze verwandelten die beiden Handwerksmeister zunächst in ein Pappmodell. Aus biegbaren MDF-Platten entstand schließlich das an einen Bumerang erinnernde Schränkchen, das mit einem Gewicht von rund 150 Kilogramm fast so schwer ist wie das Bett, das Göppert vor vier Jahren für einen Kunden gebaut hatte und das sich durch seine Edelstahlstäbe und die in den Seitenteilen versteckte Lichtleiste als raffinierter Hingucker erwies. Auf Knopfdruck wird ein etwa 85 Zentimeter breiter Flachbildschirm in dem Fernsehschrank, den seine Macher "Mediamorph" genannt haben, nach oben oder unten gefahren werden können. In den Schenkeln findet sich Stauraum für Geräte und Kabel. Im letzten Arbeitsschritt wurde "Mediamorph" hoch glänzend lackiert. Der Kunde hat sich aus 7500 Designtönen für Grau entschieden.

"Es war knifflig umzusetzen", verrät Göppert, der vom ersten Moment an Feuer und Flamme für das Projekt war und sich vier Tage am Stück nur damit beschäftigte. Mit dem Ergebnis sind sowohl er als auch sein Chef zufrieden. Koehl: "Optik, Haptik, Ergonomie und Technik entscheiden über den Erfolg eines Möbels." Das sei bei "Mediamorph" gegeben, das deshalb auch kein Unikat bleiben soll. "Wir wollen es über einen Webshop bundesweit vertreiben", kündigt Koehl an. Mit rund 150 Arbeitsstunden, die in dem TV-Schrank stecken, hat das Möbel aber auch seinen Preis: etwa 10 000 Euro.

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