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Eckernförder Zeitung

22. September 2017 | 15:44 Uhr

Der Zauber der Flaschenpost

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sehr zur Freude der Zuhörer hat Oliver Lück am Mittwochabend sein neues Buch in der Stadtbücherei vorgestellt. Es heißt „Flaschenpostgeschichten“ und berichtet in 26 Kapiteln von den vielfältigen Erfahrungen, spannenden Begegnungen und bunten Abenteuern, die der Autor, Journalist und Fotograf auf seiner Ostsee-Tour sammelte. Gemeinsam mit Hovawarthündin Locke hatte er sich auf Spurensuche begeben: Wo und wann war Flaschenpost im Ostseeraum abgeschickt worden, wo und wie viel später landete sie? Wer hatte Flaschenpost gefunden, aufbewahrt, vielleicht sogar beantwortet?

Die betagte Beruta mit ihren kurzen weißen Haaren lebt alleine in Lettland am Meeresstrand und sammelt alles, was das Meer vor ihrer Tür anschwemmt. Daraus hat sie eine kunterbunte Ausstellung mit „trash art“ im Garten zusammengestellt, von zahlreichen Besuchern fröhlich beachtet. Auch Flaschenpost war angeschwemmt, wurde von Beruta zwar gesammelt, aber nie geöffnet oder beantwortet, bis der Autor sich ihrer annahm. Liebesbriefe, Gedichte, Freundschaftsanfragen – vieles findet sich in den Flaschen – mit und ohne Absenderangabe und oft schon lange oder gar viele Jahre unterwegs. Inzwischen sind Flaschen mit Nachrichten angelandet, die über 100 Jahre durch die Ostsee reisten – zeitlose Nachrichten, Wind, Wellen, Strömungen anheim gegeben. Der Zauber des Zufalls greift in die wohlgeordnete Welt. Geschichten, die das Meer schrieb, eine unerwartete Post, die sich Zeit lässt – das berührt. Und der Autor versteht es, in einer höchst lebendigen, fröhlichen Mixtur aus Erzählen, Lesen, Fotos und Seekartenzeigen, die Zuhörer in den Zauber solcher Flaschenpostgeschichten mit hineinzuziehen. Oft humorig und mit lustigen Vergleichen kommt er herüber, mit farbenreicher Erzählweise und häufig überraschender Sprachgewandtheit, mit übermütiger Formulierfreude. So fesselt er seine Zuhörer vom ersten bis zum letzten Augenblick der Veranstaltung.

Intensive Begegnungen ergeben sich mit vielen Flaschensammlern und -findern, so auch mit Arne, dem Fischer. Arne ist ein unverwechselbarer Mann, riesengroß, bald 70. Mit weißem Bart und roter Wollmütze prägt er das Leben der winzigen Schäreninsel Ungskär mit: „Arne ist einfach da, er ist immer da.“ Er übernimmt auch schon mal den Part des Weihnachtsmanns, als er eine Flasche mit Wunschzettel findet.

Oliver Lück hat inzwischen einen Flaschenpostautomaten erfunden – der steht blau angestrichen am Strand, und für kleines Geld lässt sich alles ziehen, was man für eine Flaschenpost braucht: Flasche, Korken, Papier, Stift. Manche Feriengäste staunen, viele nehmen das Angebot gerne an. So kann man demnächst wieder neue, frische Meerespost an den Ostseestränden finden. Zunächst aber dreht der NDR einen Film über das Buch und sendet ihn am 30. September um 20 Uhr unter „Nordstory“.


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