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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 20:35 Uhr

Der Wolf ist wieder da: Fluch oder Segen?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hochkarätige Podiumsdiskussion bei den „Eckernförder Gesprächen“ über die Rückkehr des Wolfes

von
erstellt am 11.Sep.2015 | 06:48 Uhr

Ist die Rückkehr des Wolfes Segen oder Fluch? Ob sich diese Frage überhaupt beantworten lässt? Das Podium der „Eckernförder Gespräche“ am Vorabend der Green-Screen-Eröffnung am Mittwochabend war zumindest hochkarätig besetzt: Neben Festivalsprecher und Moderator Michael van Bürk hatten der schleswig-holsteinische Umweltminister Dr. Robert Habeck, die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Schaf- und Ziegenzüchter Janine Bruser, der Zoologe und Autor Dr. Peter Borkenhagen, der Vertreter des Landesjagdverbandes Hans-Jürgen Langbehn, der Geschäftsführer des Wildparks Eekholt Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck und der Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau Platz genommen. Der gut besetzten Stadthalle wurden einleitend Sequenzen aus der Dokumentation „Raubtiere vor unserer Haustür“ von Holger Vogt, Preisträger des Green-Screen-Festivals 2014, gezeigt.

Für Robert Habeck ist „der Wolf willkommen und ein gutes Zeichen, dass vorher bei uns ausgerottete Tierarten wieder auftauchen“. Er betonte aber auch, dass Wölfe Raubtiere sind, die durchaus Unheil anrichten können. Panikmache sei jedoch fehl am Platze.

Laut dem Zoologen Peter Borkenhagen leben deutschlandweit etwa 300 Wölfe, vorrangig in Sachsen und Brandenburg, in Schleswig-Holstein werden drei bis fünf Wölfe vermutet.

Wie man bei einer Begegnung mit einem Wolf reagieren soll, wollte Green-Screen-Sprecher und Moderator Michael van Bürk wissen. „Sich freuen“, so Borkenhagen. „Auf einen Wolf zu treffen, ist eher unwahrscheinlich, denn Wölfe meiden den Menschen. Auf jeden Fall aber sollte man Distanz wahren und sich gegebenenfalls bemerkbar machen.“

Wolfsforscher Ulrich Wotschikowsky ergänzte, dass „die Ängste des Menschen vor dem Wolf noch alte, überlieferte Ängste sind.“ Falls überhaupt Wölfe Menschen angegriffen haben, handele es sich dabei um an Menschen gewöhnte oder an Tollwut erkrankte Tiere – in Europa seien nur neun Fälle nachprüfbar bekannt.

Hier ergriff Janine Bruser das Wort und verwies auf die Schaf- und Ziegenzüchter, die ihre Existenz durch das Auftauchen des Wolfes durchaus gefährdet sähen. Der Einsatz von Herdenschutzhunden, lasse sich an der Westküste, wo die Schafe zur Deichpflege eingesetzt werden, nicht wie in Sachsen umsetzen.

Aus dem Publikum meldete sich Antje Eismann aus Nordfriesland: „Wir haben das erste von einem Wolf gerissene Schaf am Deich gefunden – nun haben wir Schafzüchter die Befürchtung, dass die Wölfe die Tiere in die Priele treiben, wo sie ertrinken könnten. Wie sieht hier die Hilfe des Landes aus?“ Habeck erläuterte, „dass das Land Schäden am Tier großzügig und sogar in Zweifelsfällen erstattet.“ Im Lauenburgischen bezahlt das Land zu 75 Prozent die Kosten für die Errichtung von Schutzzäunen. Er ergänzte, dass „Kultur und Natur in einen vernünftigen Einklang“ gebracht werden müssten. „Wollen wir Natur? Oder sollen wir die Seeadler und Kormorane, die den Fischern die Fische wegfressen, abknallen?“ Der Beifall beantwortete die Frage.

Damit war der Übergang zu Hans-Jürgen Langbehn vom Landesjagdverband geschaffen. Er verwies auf die vordringliche Aufgabe, die Bevölkerung über ein mögliches Zusammenleben mit dem Wolf aufzuklären. Der Wolf ist in Schleswig-Holstein geschützt und nicht im Jagdrecht aufgeführt. „Der Landesjagdverband beteiligt sich aktiv am von der EU vorgegebenen Monitoring, einer wissenschaftlichen Beobachtung, und dem Wolfsmanagement durch beispielsweise Wolfsberater“, so Langbehn, der das Mikrofon an Freiherrn von Schenck überreichte, der die Aufgabe des Wildparkes Eekholt darlegte. In dem Beratungs- und Bildungszentrum gibt es seit 22 Jahren ein Wolfsgehege und ein Angebot zur Aufklärungsarbeit der Bevölkerung, um die Angst des Menschen vor dem Wolf zu nehmen.

Die Frage des Moderators „Brauchen wir den Wolf in Schleswig-Holstein?“ bildete den Abschluss der zweistündigen Diskussion und wurde vom Wolfsexperten Wotschikowsky beantwortet. Er wolle keine „schwarze Liste“, auf der der Wolf als bereits ausgestorbene Tierart enthalten sei. „Deutschland als ausgesprochen reiches Land sollte es doch hinbekommen, die Natur zu erhalten.“ Der Applaus des Publikums gab ihm Recht.

Habeck ergänzte, dass er sich darüber freue, dass die Artenvielfalt in Schleswig-Holstein wieder gewachsen sei. So kämen Seeadler, Biber und Fischotter zurück, und trotz der dadurch härter werdenden Konflikte gebe es deutliche Erfolge für Arten- und Naturschutz. „Nur“, so Habeck, „miteinander reden muss man, das ist wichtig.“




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