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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 10:03 Uhr

Windkraft : Der Windpark vor der Haustür

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Anwohner in Holtsee klagen schon jetzt über Lärmbelästigung durch den Bürgerwindpark. Bis Ende des Jahres werden alle zehn Mühlen stehen

von
erstellt am 05.Feb.2014 | 07:04 Uhr

Besorgt blickt Birgit Sass durch die große Panoramascheibe ihres Hauses im Strijord in Holtsee. Drei der geplanten zehn Windkraftanlagen stehen bereits, zwei davon sind in Betrieb. Ein dumpfer Brummton liegt in der Luft. „Und das ist noch leise“, sagt sie, denn es ist nahezu windstill. Selbst bei geschlossenen Fenstern seien die Geräusche der Mühlen zu hören. Teilweise komme sie sich vor, wie in einer Einflugsschneise. Birgit Sass ist eine von zahlreichen Anliegern im Bereich Strijord und Harfe, die in unmittelbar Nähe zu dem Windpark Holtsee-Altenhof wohnen. Aber so dicht wie sie, gut 500 Meter, wohnt niemand an den drei Windkraftanlagen, die bereits stehen. Ihre Gesamthöhe beträgt 150 Meter. Auf der Einwohnerversammlung am Montagabend teilte Matthias Vogel, Projektleiter des Sehestedter Windparkbetreibers Denker & Wulf mit, dass bis Ende Mai drei weitere Anlagen gleichen Ausmaßes errichtet werden. Bis zum Jahresende werden vier weitere folgen, von denen drei 180 Meter hoch sind. „Wie wird es dann erst, wenn alle Anlagen stehen“, fragt sich Sass.

Die Bedenken von Birgit Sass und anderen Einwohnern, die sich durch den Schattenwurf und Lärm gestört fühlen, wolle Vogel ernst nehmen, versicherte er. „Es wird Nachvermessungen geben“, sagte er und betonte: „Die gesetzlichen Richtwerte von 45 dba werden eingehalten.“ Der Hersteller garantiere die Schallwerte. Sollte es dennoch Abweichungen von den Werten geben, so sei der Hersteller gefordert, anderenfalls müsse die Anlage in ihrer Leistung gedrosselt werden, um die Geräuschemission zu reduzieren. Aber, so sagte Vogel auch auf der Versammlung, ganz geräuschlos werden die Anlagen nie sein.

Auf ein erneutes Gutachten, das womöglich nur einen kurzen Zeitraum erfasst, will sich Birgit Sass nicht verlassen. Sie hält eine dauerhafte Installation eines Schallmessgerätes gerade aufgrund der direkten Nähe ihres Haues zu den 32-Megawatt-Anlagen, für erforderlich. Sie habe auch schon überlegt, selber ein Gerät zu kaufen, eventuell in Kooperation mit anderen Betroffenen.

Auch für Sabine Höhl aus dem Ortsteil Harfe sind die Windräder fast permanent zu hören. „Wir haben gut gedämmte Fenster, dennoch dringt der Ton der Windkraftanlagen hindurch, sagte sie gestern unserer Zeitung. Als die ersten Simulationen über den Bürgerwindpark vorgestellt wurden, sei das Projekt noch in weiter Ferne gewesen und die räumlichen Dimensionen nur schwer vorstellbar, erinnert sich Höhl an die Anfänge der Planung. Nach Fukushima etwas gegen Windkraftanlagen zu sein, war zudem nicht sehr populär. Vielen sei jetzt erst beim Bau der Türme das eigentliche Ausmaß der Anlagen bewusst geworden.

Neben der Geräuschbelästigung ist es aber auch der Wertverlust der Immobilie, mit der Sass und Höhl rechnen. „Wir haben erst vor zwei Jahren gebaut“, sagt Höhl, die von einem Wertverlust von bis zu 30 Prozent ausgeht. Der Blick auf die Hüttener Berge vom Haus von Birgit Sass war einmalig. Bis zum Jahresende stehen dort zehn Windräder. „Dieses Paradies existiert so nicht mehr“, bedauert sie den Verlust ihres Kleinodes.

Während einige Holtseer den Windpark vor ihrer Tür als störend empfinden, hoffen andere Bürger auf mächtig Wind und ordentlich Rendite. Wie Kristina Fehrmann von Denker & Wulf auf EZ-Nachfrage mitteilte, hätten sich 52 Bürger aus Altenhof und Holtsee an einer Bürgerwindanlage beteiligt und Anteile gezeichnet. „Die weiteren neun Anlagen betreibt Denker&Wulf“, so Fehrmann. Der Mindestanteil beträgt 2500 Euro, die Maximalzeichnung 70 000 Euro. Der überwiegende Teil der Bürger hätten zwischen 2500 und 10 000 gezeichnet. Die Genehmigung aller zehn Anlagen liegt seit dem 16. Januar der Firma Denker&Wulf vor, teilte Matthias Vogel auf der Einwohnerversammlung mit. Punktlandung, denn alle Anlage, die bis zum 22. Januar genehmigt und bis Jahresende ans Netz gehen, erhalten die Vergütung unter den alten EEG-Voraussetzungen, also 9,13 Cent pro Kilowattstunde.

 

 

Mehr über die Einwohnerversammlung Holtsee lesen Sie in der morgigen Ausgabe der EZ

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