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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 00:47 Uhr

Der Vogel mit dem Rasenmäher

vom

Willi Hübscher kreist gern mit seinem Ultraleichtflugzeug in 600 Metern Höhe über Eckernförde

Eckernförde | Besonders an lauen Sommerabenden kann man den Rasenmäher gut hören. Aber nicht aus Nachbars Garten kommt das Tuckern, sondern direkt von oben. Ein riesiger Vogel zieht dann über Eckernförde seine Bahnen: ein Flugdrachen mit einem Motor und einem Sitz. Darin: Willi Hübscher. Der 62-Jährige aus Borby nutzt an den Wochenenden jede Gelegenheit, um in die Luft zu gehen.

Sein Ultraleichtflugzeug wiegt 160 Kilogramm. Wenn er sich hineinsetzt und schon kurz darauf abhebt, erlebt er das Fliegen so nah wie kaum ein anderer Pilot. Der Wind weht ihm ins Gesicht, jede Boe, jedes Luftloch spürt er am eigenen Körper. Ob kalt, ob warm - Willi Hübscher verschmilzt mit den Elementen. Nichts liegt zwischen ihm und der Landschaft in einigen hundert Metern Tiefe. An seinen Sitz gegurtet, stellt er die Füße auf zwei Schienen. Fertig. Die einzigen Hilfsmittel sind der Sprechfunk, Höhen- und Geschwindigkeitsmesser und natürlich der Motor. Gibt er Gas, gewinnt das Ultraleichtflugzeug an Höhe, wird es langsamer, fällt es wieder. Mit dem Bügel vor seiner Brust lenkt Willi Hübscher nur nach links und rechts.

"Das Fliegen ist ein Traum, den man rauslassen muss", sagt der 62-Jährige. "Den wird man nicht mehr los." Zunächst war er Modellflieger, der zwei Kilometer von dem Flugplatz in Kropp entfernt seine ferngesteuerten Flugzeuge starten ließ. Eines Tages im Jahr 1994 sah er seinen Bekannten Heinrich Hudemann mit einem Ultraleichtflugzeug aufsteigen und beschloss, sich den Flugplatz aus der Nähe anzusehen. Hudemann fragte ihn, ob er mitfliegen wollte. Da packte es ihn: "Zwei Wochen später habe ich meinen Flugschein gemacht." Seitdem ist er Mitglied im Aero Club Kropp.

Mit seinem Schein darf der Industrie elektroniker nur Ultraleichtflugzeuge fliegen, so eines wie sein Trike mit drei Rädern. Bis zu 130 km/h kann er erreichen. Die Tankfüllung reicht für einen Flug nach Hannover und zurück.

An diesem Tag ist es bewölkt. Gerade hat es einen Schauer gegeben, doch Willi Hübscher schwingt sich auf seine Maschine und wirft den 65-PS-Motor an. Ein kurzer Wortwechsel über Funk mit dem Tower und nach 100 Metern hebt der Flieger ab. 600 Meter hoch muss er über bewohntem Gebiet fliegen. "Falls der Motor ausfällt, muss ich weit genug zu einem geeigneten Landeplatz gleiten können", sagt Hübscher. Dreimal sei das bislang passiert - jedesmal konnte er entspannt landen. Auch 4000 Meter hoch ist er schon geflogen. Kalt sei es dort oben, aber schön. Schon bei 1000 Metern sieht man von Eckernförde aus die Nordsee und die Insel Pellworm.

Aber erst, wenn er richtig schnell aufsteigt und dann den Fuß vom Gas nimmt, zeigt sich, was ein echter Pilot ist: Wie in einer Achterbahn rast der Flieger in die Tiefe und scheint ein Ameisenhaufen in seinem Bauch zu explodieren - nichts für schwache Nerven.

So entspannt und schwerelos das Gleiten mit dem Ultraleichtflugzeug auch scheint - ruhig ist es nie. Der Wind bei 90 km/h lärmt so sehr um den Helm, dass sich Willi Hübscher mit Fluggästen nur über Sprechfunk unterhalten kann. Denn auch das bietet der Aero Club Kropp an: Interessierte können gegen Bezahlung auf dem Sitz hinter dem Piloten mitfliegen.

Wer an einem Rundflug interessiert ist, kann sich bei Willi Hübscher unter Tel. 889888 melden, www.aeroclubkropp.de

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erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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