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Der Überlebenskampf einer Eckernförder Stubenfliege

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Leben in einer Stadtwohnung mal aus einem ganz anderen Blickwinkel / Lieber drinnen als draußen

von
erstellt am 18.Sep.2013 | 00:32 Uhr

Also, sie wedelt ja reichlich ungeschickt mit diesem Stiel mit bunter Blume vor meinen Augen herum. Und sie nennt ihn auch noch Fliegenklatsche - dabei weiß sie, dass ich tausend Augen habe. Und wenn sie dann auch noch ab und zu meint, mich mit der bloßen Hand erwischen zu können – na, da lach‘ ich doch drüber. Letztens jagte sie tatsächlich nicht nur mich, sondern auch noch eine andere Mitbewohnerin, eine Mücke. Gott sei dank sind Mücken nur um fünf Ecken mit mir verwandt, denn die finde ich hinterhältig. Wir gehören zwar beide zu den Zweiflüglern und haben tatsächlich etwas gemeinsam: Wir sind meistens reaktionsschneller als diese ungelenken Zweibeiner. Manchmal muss trotzdem jemand aus meiner großen Familie dran glauben, dann triumphiert diese Riesin natürlich. Dabei leben wir doch sowieso gar nicht so lange. Mal ehrlich, nerven wir wirklich so? Zum Beispiel sitze ich ganz ruhig auf ihrer Schlafzimmerlampe aus weißem Glas, ich liebe diese Farbe - allerdings bin ich darauf auch gut zu sehen. Fast jeden Morgen sitze ich da. Sie schlägt ihre lächerlich geringe Anzahl von Menschenaugen, sie hat nur zwei, auf und beobachtet mich, ich weiß es. Aber wir sind beide noch ein wenig schlaftrunken — mein Glück. Ha, und außerdem wird sie nie mit dieser Klatsche gegen ihre Lampe schlagen.

Kurios ist es ja, wenn sie mit mir, ihrer Stubenfliege, spricht ... kommt schon mal vor, so im Vorbeigehen - ich summe dann leise. Stellen Sie sich vor, sie spricht auch mit großen weißen Vögeln, deren Antwort ist unangenehmes Kreischen. Ich belagere sie meistens gar nicht, in der Wohnung ist doch wirklich Platz für beide. Okay, manchmal, wenn sie ruhig im Sessel sitzt mit einem Buch in der Hand, kann ich nicht widerstehen und setze mich auf ihren Arm, krabble ihn entlang – und schwups, wird sie aggressiv und schlägt, na klar, vorbei.

Jetzt bereitet sie ihr Frühstück vor, vielleicht kann ich da mal ... oh je, jetzt aber nichts wie weg. Sie mag es gar nicht, wenn ich Wurst und Käse zu nahe komme. Gut, dass ich, im Gegensatz zu ihr, fast rundum sehen kann mit meinen Facettenaugen. Keine einzige ihrer Bewegungen entgeht mir. In einer Sekunde entstehen vor meinen vielen Einzelaugen 250 Bilder, leider etwas unscharf. Was macht es aber, wenn ich diese Fliegenklatsche — schreckliches Wort für ein so albernes Ding – nur unscharf heran sausen sehe. Schon bin ich weg und warte in sicherer Entfernung, dass mein Mensch sich beruhigt. Manchmal bleiben nach dem Abräumen ein paar Brotkrümel oder ein Tomatenstückchen zurück – ich bin nicht wählerisch. Ich bin auch keine Eintagsfliege, die nur ein paar Tage, tja, manchmal nur ein paar Minuten überlebt und die übrigens trotz des Namens nicht wirklich mit mir verwandt ist. Ich will einfach überleben und ein bisschen Spaß haben, siehe mein sanftes Armkrabbeln oder mal ein Flugmanöver.

Ich möchte einen schönen aufregenden Sommer hier bei meiner zweibeinigen Mitbewohnerin verleben. Die täglichen sportlichen Herausforderungen halten mich außerdem fit. Vielleicht kann ich mich zwischendurch unsichtbar machen, um sogar noch ein paar herbstliche kühlere Tage bei ihr zu verbringen. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass sie mich inzwischen mag, denn meistens lässt sie mich jetzt in Ruhe – oder nerve ich nicht mehr so? Heute hätte sie es allerdings fast geschafft, mich aus der offenen Balkontür zu jagen, wenn ich nicht im letzten Moment die Kurve gekriegt hätte. .. was für ein schöner Tag.

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