Zukunft : Der Tourismus sorgt für Leben im Dorfgasthof

Vier Generationen hinter oder vor dem Tresen im Gasthof Blumenthal (v. l.): Restaurantfachfrau Imke Marten mit Söhnchen Kennet, Inhaber Kirsten-Fritz Schultze, Senior-Chefin Adelgunde Schultze und Service-Chefin Astrid Marten.
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Vier Generationen hinter oder vor dem Tresen im Gasthof Blumenthal (v. l.): Restaurantfachfrau Imke Marten mit Söhnchen Kennet, Inhaber Kirsten-Fritz Schultze, Senior-Chefin Adelgunde Schultze und Service-Chefin Astrid Marten.

Seit 1957 befindet sich der Gasthof Blumenthal im Besitz der Familie Schultze. Zwar ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle, aber ganz ohne die Stammtischkultur kommt auch ein moderner Gasthof heute nicht aus.

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30. Juni 2015, 04:23 Uhr

Blumenthal | Die Gäste bleiben weg, die Tische sind leer – überall im Land sieht man geschlossene Gaststätten. Den traditionellen Krug, der früher Mittelpunkt eines jeden Dorflebens war, gibt es nicht mehr – das Landgasthofsterben hat eingesetzt (wir berichteten). Auch der Gasthof in Blumenthal ist ein alteingesessener Betrieb mit einer Gaststube, einigen kleinen Räumen und einem großen Saal, der in dieser Form original aus dem Jahr 1913 stammt. Im Unterschied zu vielen anderen Gasthöfen im Land leben auch heute noch mehrere Generationen von der Arbeit im Gasthof.

Vor dem Eingang macht sich eine sechsköpfige Fahrradgruppe für die Tagestour fertig. Ihrem Organisator Jochen Himmelskamp ist es zu verdanken, dass die Gäste aus Bremen in Blumenthal ihren Urlaub verbringen. Der ehemalige Elektroningenieur angelt zwar vor Damp, schätzt aber seit 15 Jahren den Service im Gasthof Blumenthal. „Hier wird sich gekümmert. Egal, ob ich mein Boot unterstellen oder meine Fische einfrieren will“, erklärt Himmelskamp.

Bis zur Abschlachtprämie 1972 gehörte zum Gasthof auch noch Landwirtschaft. Die Kühe wurden verkauft, Scheune und ein Teil des Kuhstalles für die Unterbringung von Urlaubern umgebaut. „In diesem Moment haben wir uns für den Tourismus entschieden“, erklärt Astrid Marten (59). Dieser ist auch heute mehr denn je die Haupteinnahmequelle. Sieben Doppelzimmer und ein Einzelzimmer mit Dusche und WC stehen den Gästen das ganze Jahr über zur Verfügung. Bereits ihre Eltern, Heinz und Adelgunde Schultze, hatten während des Baus der B  203 in den 60er Jahren mit den Bauarbeitern die ersten Übernachtungsgäste. Ende der 60er kamen die ersten Urlauber aus Berlin nach Blumenthal.

Astrid Marten ist als Geschäftsführerin für die Organisation und den Service im Gasthof zuständig. Ihr Bruder Kirsten-Fritz Schultze (58) ist als der Küchenmeister für die Verköstigung der Gäste zuständig. Imke Marten ist Restaurantfachfrau. Die 29-jährige Tochter von Astrid Marten ist im Service tätig. Selbst Senior-Chefin Adelgunde Schultze ist aus dem Betrieb nicht wegzudenken. 1957 übernahm die heute 80-Jährige gemeinsam mit Ehemann Heinz den Dorfkrug.

Auch heute noch gibt es Stanmtischkultur im Gasthof. Da treffen sich jeden Montag ältere Herren aus der Umgebung und den benachbarten Gemeinden, es gibt den Jägerstammtisch, das örtliche DRK kommt hier zusammen. „Wo hat man das heute noch, dass an den Tischen Karten gespielt wird, wenn der Urlauber die Gaststube betritt“, sagt Astrid Marten. Da könne es schon vorkommen, dass sich der eine oder andere Gast bereits am zweiten Abend unter die Kartenspieler mischt. Überhaupt schätzten die Gäste die familiäre Atmosphäre im Haus. „Ältere legen großen Wert auf ein Gespräch“, so die Geschäftsführerin. Viele der Stammgäste kommen bereits seit über 20 Jahren nach Blumenthal.

Bälle finden auch in Blumenthal nicht mehr statt. Mit dem Aufkommen der Discokultur sei das Interesse der Dorfbewohner verschwunden, erinnert sich Adelgunde Schultze. Acht öffentliche Tanzveranstaltungen seien früher angeboten worden. Einzig die Theateraufführungen der Spielgruppe Söby-Holzdorf sorgen für einen vollen Saal.

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