Interview : Der tägliche Kampf gegen Schnee und Eis

dsc_0295
1 von 3

Die Stadt verfährt bei der Schneeräumung nach dem differenzierten Winterdienst: Priorität haben die Hauptverkehrswege, Spielstraßen werden nicht geräumt.

von
31. Januar 2015, 06:37 Uhr

Eckernförde | Schnee und Eis sorgen für Probleme auf den Straßen und Wegen. Der Winter war bislang gnädig, doch das kann sich bis in den April hinein auch noch ändern. Allein am Freitag hat die Stadt 70 Tonnen Streusalz ausgebracht. Wie hat sich die Stadt auf den Winter eingestellt, welchen Vorgaben folgt der Räumdienst? Uwe Winkelmann, Leiter des Baubetriebshofs und Leiter der Bauverwaltung im Rathaus, beantwortet diese und andere Fragen.

Herr Winkelmann, wie ist bei der Stadt der Winterdienst organisiert?

Der Winterdienst erfolgt nach einem festen Räum- und Streudienstplan, die eine Rangfolge ist gekoppelt an die Verkehrswichtigkeit. Wir haben etwas über 30 Mitarbeiter, die im Rahmen des Winterdienstes tätig sind und setzen 16 Fahrzeuge ein. Einigen Mitarbeitern ist ein eigener Handbezirk zugeordnet.

Es gibt bei der Stadt den differenzierten Winterdienst. Was hat es damit auf sich?

Es ist belegt, dass die Streuung abstumpfender Stoffe auf Straßen wirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll ist: wenig Wirkung bei Schneeglätte, hohe Entsorgungskosten, hohe Staubbildung bei der Straßenreinigung. Die daraufhin 1997 in Eckernförde eingeführte Feuchtsalzstreuung hat sich sehr gut bewährt und große Mengen an Sand und Streusalz eingespart.

Es hat sich aber gezeigt, dass auf Straßen mit wenig Verkehr eine Schneedecke sehr schwer auftaut und eine Schneeräumung in schmalen Straßen durch parkende Fahrzeuge stark erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht wird. Das kollidiert jedoch mit dem verbreiteten Anspruch von Anwohnern in Tempo-30-Zonen oder in Wohn- und Spielstraßen, dass Anliegerstraßen schwarz geräumt und gestreut werden müssen. Die Umsetzung dieser Vorstellung, soweit technisch überhaupt möglich, würde eine erhebliche Menge an Streusalz und ein mehrmaliges Durchfahren der Straßen erfordern. Das ist unter den Rahmenbedingungen weder personell, zeitlich noch finanziell darstellbar. Die Räumung in solchen Straßen führt zudem zu erheblichen Problemen mit den Anwohnern, da die anfallenden Schneemengen zwangsläufig auf gerade geräumte , begehbare Seitenstreifen und Gehwege geschoben werden müssen, was den berechtigten Unmut der Betroffenen hervorruft.

Aus technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gründen wurde daher der differenzierte Winterdienst am 14. Dezember 2010 durch die Ratsversammlung beschlossen. Die Schnee- und Glättebeseitigung erfolgt seit dem 1. Januar 2011 nur noch auf verkehrswichtigen und gefährlichen Straßenabschnitten wie Hauptstraßen, Buslinien, Schulwegen, Hauptsammlern (Straßen, die ohne die abgehenden Stichstraßen geräumt werden, wie z. B. Richard-Vosgerau-Straße, Westerrade oder Geschwister-Scholl-Straße) und Straßen mit Steigungen. Alle anderen Straßen werden nur bei extremen Wetterlagen geräumt und gestreut, zum Beispiel bei Eisregen oder ungewöhnlich großen Schneemengen. Der Winterdienst auf Rad- und Gehwegen wird weiter durchgeführt. Zunächst werden die Hauptstraßen geräumt, dann die Buslinien wie die Bergstraße, Bystedtredder oder Cäcilienstraße, dann Verbindungsstraßen, Hauptsammler, Gewerbezubringer wie Am Exer, Frau-Clara-Straße, Ochsenkopf oder Gartenstraße sowie Straßen mit Steigungen wie Holweg, Am Eichberg und Bertha-von-Suttner-Weg. Und dann haben wir die vom Winterdienst ausgenommenen Straßen.

Es gibt also Straßen, die gar nicht geräumt werden?

Ja, es sind vornehmlich die Wohnstraßen mit geringer Verkehrsbedeutung, in denen aufgrund des beschriebenen differenzierten Winterdienstes keine Räum- und Streutätigkeit erfolgt.

Von den Bürgern wird andererseits aber verlangt, dass sie ihre Gehwege zu räumen haben. Wie sieht es da mit der Vorbildfunktion der Stadt aus?

Wir arbeiten mit unseren Ressourcen und setzen die beschlossenen Vorgaben, die ich eben dargestellt habe, um. Der Bauhof, die Stadtgärtnerei und ein beauftragtes Privatunternehmen arbeiten den Plan entsprechend der Vorgaben ab.

Während gewisse Straßen also nicht geräumt werden, wurde aber der städtische Parkplatz am Schulweg geräumt. Da fragt man sich, warum wird dort für parkende Fahrzeuge geräumt, nicht aber die Wohnstraßen, in denen die Leute sehen müssen, wie sie klar kommen?

Ich muss wieder auf den beschlossenen differenzierten Winterdienst verweisen. Streusand und Salz würden in diesen Straßen mit wenig Fahrzeugverkehr eben kaum einen sinnvollen Einsatz zulassen. Die Schneedecke taut kaum auf, hinzu kommen die Probleme mit parkenden Fahrzeugen. Deshalb ist es aus unserer Sicht sinnvoll – übrigens nicht nur in Eckernförde – diesen differenzierten Winterdienst umzusetzen und dort nicht zu räumen. Was aber nicht bedeutet, dass wir nicht in diese Straßen gehen. Wir sind mit unseren Mitarbeitern regelmäßig vor Ort, wenn uns darüber hinaus Probleme mitgeteilt werden, schauen wir uns das vor Ort an. Bei Handlungsbedarf werden wir sofort tätig.

Könnte man dann nicht in den verkehrsberuhigten Bereichen Streusandkisten für die Anwohner aufzustellen?

Die Streusandkisten sind in der gesamten Stadt verteilt. Eine größere Streusandkiste befindet sich vor dem städtischen Bauhof im Holm, jeder Bürger kann sich dort kostenlos Streusand abholen.

Von auswärtigen Autofahrern hört man immer wieder, dass die Straßen im Umland gut geräumt sind und die Probleme im Stadtgebiet beginnen, weil dort keine adäquate Räumung erfolgt. Wie verhält es sich damit?

Das kann ich nicht bestätigen. Die Straßen sind befahrbar, die Situation ist entspannt, es gibt keine Probleme. Die Mitarbeiter sind seit Donnerstagmorgen um 6 Uhr bis abends im Einsatz, Freitag wurde um 4 Uhr begonnen. Wenn es am Nachmittag kälter wird, werden wir die Hauptstraßen erneut räumen. Am Sonnabend beginnt der Winterdienst wieder um 6 Uhr. Schneematsch ist zwar auf den Straßen, das ist richtig. Aber Eisschichten müssen erst mit Salz abgestreut werden. Sie können aber nicht abgetragen werden. Dazu fehlen die Ressourcen. Das 80 Straßenkilometer nicht sofort geräumt werden können, muss klar sein. Wir versuchen es step-by-step und arbeiten so schnell wie möglich, damit die Verkehrsteilnehmer Straßen, Fußwege und Radwege nutzen können.

Foto: 

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen