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Küstenschutz und Tourismus : Der Strand als Objekt der Begierde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Küstenschutz und Tourismus gehen nicht immer Hand in Hand. Wie das jedoch erreicht werden könnte, erklärte gestern des Klimabündnis Kieler Bucht im Ostsee Info-Center.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 06:48 Uhr

Tourismus und naturnahe Strände – im ersten Moment hört sich das nach einem Widerspruch an. Wo sich die Menschen im Sand räkeln, ist für das empfindliche Gleichgewicht von Flora und Fauna kein Platz. Dass es aber auch andere Ansätze gibt, hat gestern das Klimabündnis Kieler Bucht vor Touristikern, Vertretern von Verwaltungen und Naturschutzverbänden im Ostsee Info-Center erläutert. Der Ansatz des Klimabündnisses: Der Klimawandel ist eine Tatsache, also muss sich auch der Tourismus darauf einstellen und entsprechende Angebote erarbeiten – vom klimabewussten Reisen bis zu Öko-Führungen zu unberührten Reservaten. Initiator dieser Küsteninitiative, die sich von der Schlei bis zur Hohwachter Bucht erstreckt, ist Prof. Dr. Horst Sterr von der Uni Kiel.

„Wirklich natürliche Strände gibt es schon in ganz Europa nicht mehr“, sagt Ulrich Irmler vom Institut für Ökosystemforschung. Überall habe der Mensch seine Hand im Spiel, weshalb es nur noch um „naturnahe“ Strände gehen kann, deren Tier- und Pflanzenwelt möglichst wenig durch den Menschen gestört werden. Der Spagat, den es zu meistern gilt, ist, die Bedürfnisse von Natur und wirtschaftlicher Notwendigkeit in Einklang zu bringen, denn beide haben ihre Daseinsberechtigung.

Ein Strand im naturnahen Zustand dient dem Küstenschutz. Angespültes Seegras dämpft den Wellenschlag und schützt den Sand davor, weggespült zu werden. Auf unbetretenem Terrain siedeln sich Pflanzen an, die mit ihren Wurzeln den Sand festhalten und so eine ähnliche Funktion ausüben. Und Mikroorganismen verkleben die Sandpartikel zu größeren Körnern. Andererseits locken gepflegte Strände viele Touristen an, die einen großen wirtschaftlichen Faktor darstellen.

„Es geht uns nicht darum, die Touristiker davon zu überzeugen, dass sie ihre Strände renaturieren sollen“, sagt Sandra Enderwitz vom Klimabündnis Kieler Bucht. Die touristisch voll genutzten Strände wolle niemand anfassen. „Aber man könnte wenig frequentierte Strandbereiche außerhalb von Ortschaften zu Ruhezonen für die Natur erklären und gleichzeitig für den Naturtourismus nutzen.“ Als Beispiel dient das Naturschutzgebiet Strandseelandschaft Schmoel bei Schönberg. Dort können Menschen direkt am Wassersaum spazieren gehen, während ihnen der Zugang zum oberen Strandabschnitt durch einen Zaun verwehrt ist. Trotzdem findet dort auch Tourismus statt: Auf Exkursionen wird den Menschen der Zusammenhang von Natur- und Küstenschutz deutlich gemacht. „Es geht darum, Synergien zwischen Gemeinden, Tourismus und Natur- und Küstenschutz zu schaffen“, so Sandra Enderwitz. Und für dieses Thema wolle man das Bewusstsein wecken.

Vor drei Wochen hatte das Klimabündnis Kieler Bucht seine Auftaktkonferenz in der Globetrotter Lodge auf dem Aschberg. In den kommenden Monaten sollen weitere Workshops zu unterschiedlichen Themen stattfinden.

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