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Premiere : Der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Theatergilde des Internats Louisenlund bringt Bruckners „Die Verbrecher“ auf die Bühne

Fleckeby | Die Theatergilde des Internats Louisenlund stellte am Freitagabend das Schauspiel „Die Verbrecher“ von Ferdinand Bruckner (1891-1958) vor. Unter der Regie von Susanne Berg und Dr. Helmut Mauch hatten fünfzehn Schülerinnen und Schüler – unter ihnen sechs Abiturienten – seit Monaten auf diese Premiere zugearbeitet. Es entstand dabei eine besonders intensive Interpretation des einst so umstrittenen Stücks. In der Kunst-und Kulturhalle erlebte das Publikum nun eine Aufführung, die alle sicher noch länger beschäftigen wird.

Der Inhalt reflektiert einen Stoff, aus dem Albträume gemacht sind. Er stammt aus der Zeit, in der mit dem berühmt-berüchtigten „§ 175 StGb“ die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern noch unter Strafe stand. Betroffene „Verbrecher“ mussten sich mit dem möglichen Verlust bürgerlicher Ehrenrechte, mit Ausgrenzung, möglicher Erpressung, sogar mit Selbstmordgedanken auseinandersetzen.

Der § 175 wurde in Deutschland erst 1969 abgeschafft. In anderen Teilen der Welt ist gleichgeschlechtliche Liebe nach wie vor ein gefährliches Thema. Die Louisenlunder rütteln mit ihrer Inszenierung auf und werben mit Nachdruck für Toleranz.
Mehrere Handlungsstränge laufen zunächst parallel, bis sie sich miteinander verknoten, und man sich fragt: Viele sind hier Verbrecher – aber wie ergeht es denen ohne Schuld?

Olga und ihr Freund erwarten ein Kind, sie sind aber bettelarm. Köchin Puschek verliebt sich hemmungslos in den arbeitslosen Kellner, den gewissenlosen Schlawiner Gustav Tunichtgut. Ihn will sie halten, gibt darum vor, von ihm schwanger zu sein. Sie will Olga das Baby abhandeln und als ihr eigenes dem Gustav erpresserisch „unterjubeln“. Gustav hat aber fünf Frauen gleichzeitig und lässt sich – vor allem von der Schankwirtin Karla Kudelka – aushalten. Der noch sehr junge Alfred verliebt sich in die Mutter seines Freundes …
Eine besonders schwere Last schleppt jedoch Frank mit sich herum: Er ist homosexuell, wird erpresst, schwört Meineide. Das alles kann kein gutes Ende nehmen.

Alle Darsteller sind – jeder auf seine Weise – absolut überzeugend. Besonders aber macht Frank – alias Lukas Dittmer deutlich, wie sehr ihn sein „Verbrechen“ quält und psychisch zerstört. Man leidet mit – wie man sicher auch die eifersüchtige, eiskalte Puschek und das stille Unglück der sanften Olga nicht so schnell vergessen wird.

Wiederholung der großartigen Inszenierung am 9.,10.,13. März, 20 Uhr.

 

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