Der "Schatz" in der Scheune

Der Margarethenschrank Nummer 231 kommt im Zimmer von Catherine Donovan (r.) sehr gut zur Geltung. Edith Grünauer ist froh, dass der Schrank wieder aufgetaucht ist. Foto: ame
Der Margarethenschrank Nummer 231 kommt im Zimmer von Catherine Donovan (r.) sehr gut zur Geltung. Edith Grünauer ist froh, dass der Schrank wieder aufgetaucht ist. Foto: ame

Koselerin Edith Grünauer entdeckt Margarethenschrank in Louisenlunder Scheune / Nur fünf von 20 Exemplaren sind noch vorhanden

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06. April 2011, 08:17 Uhr

Louisenlund | Auf der Rückseite des Eichenschrankes steht die Zahl 231 - das ist für Edith Grünauer der Beweis, dass es sich beim Möbelstück um den bislang vermissten zweiten Koseler Margarethenschrank handelt. Damit hatte sich auch ihre Vermutung bestätigt, dass der rund 100 Jahre alte Schrank irgendwo in Louisenlund zu finden sein müsste. Und tatsächlich: In einer Scheune hat er jahrelang gestanden, diente als Aufbewahrung für allerlei Gesellschaftsspiele. Mittlerweile hat das historische Stück einen würdigeren Platz gefunden und steht nun als Blickfang im Empfangsraum von Juniorenstufenleiterin Catherine Donovan.

"Hier kann er auch bleiben", sagt Edith Grünauer, der froh ist, dass der Koseler Margarethenschrank wieder aufgetaucht ist und sich auch in einem hervorragenden Zustand befindet. Denn das sei nicht immer so gewesen. "Manchen Schränke würden übergemalt oder landeten als Brennholz im Ofen", sagt sie. Dabei haben die Schränke eine interessante Geschichte.

Der Margarethenschrank wurde von Johannes Jacobsen begründet und von ihm von Norderbrarup aus in Deutschland vertrieben. Um 1880 erkrankte seine Tochter Margarethe an Tuberkulose. Sie starb drei Jahre später. Während eines Kuraufenthalts in Davos lernte er eine Krankenversorgung mit unterschiedlichen Geräten kennen, wonach ihm die mangelhafte Ausstattung der Krankenpflege in seiner Heimat deutlich wurde. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1886 begann er, die in seinem Haushalt vorhandene Pflegeutensilien an Kranke in der Nachbarschaft zu verleihen. Dann entschloss er sich einen mit Pflegeartikeln ausgestatteten Schrank zu stiften. Den ersten erhielt 1893 die Gemeinde Norderbrarup als Spende. Zur Erinnerung an seine Tochter nannte Jacobsen diese private Wohlfahrtseinrichtung zur Hilfe kranker Menschen "Margarethenspende". Der Schrank" war mit verschiedenen Geräten zur Krankenpflege ausgestattet, die damals in einem ländlichen Haushalt nicht vorhanden waren. Die Einrichtung konnte jedes Gemeindemitglied im Krankheitsfall kostenlos nutzen. Die Margarethenspende breitete sich im Laufe der Jahre über ganz Deutschland aus. In Schleswig-Holstein sollen es 457 gewesen sein, im Altkreis Eckernförde 20. Anhand von Nummern lassen sich die Schränke alle chronologisch zuordnen.

Edith Grünauer ist vom Jagdfieber gepackt, sagt sie und hat sich auf Spurensuche begeben, um die Schränke zu finden. Im vergangenen Jahr fand sie auf dem Dachboden des Koseler Pastorats die Nummer 160. Doch sie wusste, dass es für Kosel einen zweiten Schrank gegeben haben muss, einen Schrank mit der Nummer 231. Die ehemalige Gemeindeschwester aus Fleckeby gab ihr den Tipp, in Louisenlund zu suchen. Denn dort hätte ihre Vorgängerin, Schwester Marie, gearbeitet. Mit ihren Nachforschungen hatte Edith Grünauer schließlich Erfolg, der zweite Koseler Margarethenschrank war gefunden. "Damit sind es im Altkreis Eckernförde bislang noch fünf erhaltene Exemplare", sagt sie, dass es noch mehr werden bezweifelt sie allerdings. Denn viele seien aufgrund von Unwissenheit über deren Bedeutung einfach entsorgt worden. "Mir ist es ein großes Anliegen, dass ,alter Kram nicht weggeworfen wird", betont sie. Vor allem die jüngeren Generation wolle diese Koselerin sensibilisieren, nicht voreilig das zu entsorgen, was in einem Dorfmuseum noch einen Platz finden könnte.

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