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Rollator fit : Der Rollator – mehr als eine Gehhilfe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gettorfer TV und Kreissportverband bieten Führerschein für die Alltagshilfe an. Ein Fortlaufender Kursus soll folgen.

von
erstellt am 22.Aug.2015 | 06:00 Uhr

Gettorf | Er ist weit mehr als Stütze, Sitzgelegenheit und Einkaufskorb in einem – ein Rollator kann auch Sportgerät und Tanzpartner sein. Wie das funktioniert, zeigte Michael Lindner vom SV Tungendorf Freitag im Workshop in der Fußgängerzone, zu dem Kreissportverband (KSV) und Gettorfer TV eingeladen hatten.

Der Arm ist leicht gebeugt, wenn der Rollator richtig auf den Nutzer eingestellt ist.
Der Arm ist leicht gebeugt, wenn der Rollator richtig auf den Nutzer eingestellt ist. Foto: Meise
 

„Am Anfang steht die Einstellung“, machte Michael Lindner gleich zu Beginn deutlich und meinte damit nicht nur die korrekte Position der Handgriffe am Rollator. Viele Menschen, die von der Alltagshilfe profitieren könnten, reagierten anfangs meist zögerlich und ablehnend, weiß er aus eigener Erfahrung. Als seine Schwiegermutter vor sechs Jahren nach einem Schlaganfall einen Rollator nutzen sollte, zog sich die bis dahin unternehmungslustige und sportliche Frau in ihre vier Wände zurück. Weil sie fürchtete, die Menschen könnten denken, sie sei behindert, wollte sie nicht mit Rollator vor die Tür – und ohne ging es nicht. Das war für Michael Lindner der Auslöser, sich Gedanken zu machen, wie diese Haltung, mit der seine Schwiegermutter nicht allein war, verändert werden könnte.

Als langjährigem Übungsleiter kamen ihm schnell Ideen, was man mit einem Rollator alles machen könnte. „Walking, Gymnastik uns sogar tanzen“, zählt Lindner auf und führt einen langsamen Walzer vor. „Der Rollator wird zum Tanzpartner. Und er ist ein guter dazu“, sagt der Übungsleiter. So könnten die Nutzer zum einen etwas für ihre Beweglichkeit und Fitness tun, zum anderen könnten sie in der Gemeinschaft entweder ihren zuvor ausgeübten Sport weiter betreiben oder etwas Neues anfangen mit anderen Rollator-Fahrern. Beides trage dazu bei, dass sie nicht isoliert sind.

Mit Rollator den Bordstein hoch – Michael Lindner zeigt Rosita Jöhnk, wie es richtig geht.
Mit Rollator den Bordstein hoch – Michael Lindner zeigt Rosita Jöhnk, wie es richtig geht. Foto: Meise
 

Wie viel Spaß so eine Gruppe haben kann, zeigte sich gestern im Workshop. Unter viel Gelächter wurde vorwärts und rückwärts gerollt, bergauf und bergab, im Slalom und auf verschiedenen Untergründen. Wie die Nutzer mühelos einen Bordstein hinaufkommen, sich auf dem Rollator oder auf einer Bank hinsetzen, ihre Alltagshilfe abbremsen und sicher abstellen – all das stand auf dem Programm, für dessen Bewältigung es am Ende den Rollatorführerschein gab. Sogar die mit 101 Jahren älteste Bürgerin Gettorfs, Käte Naumann, machte mit. Nach einem Sturz vor acht Wochen ist sie froh, sich in ihrem neuen Zuhause eigenständig mit dem Rollator fortbewegen zu können. „Das waren gute Anregungen“, sagte Rosita Jöhnk (79), die nach einer Rücken-OP nicht mehr auf ihren Rollator verzichten möchte. „Der Handstock reicht nicht aus“, gestand sie und holte sich von Michael Lindner noch einen Tipp, wo sie sich am besten einen leichten Rollator kauft, auf den sie zurückgreift, wenn sie mit dem Auto unterwegs ist. Von Internetkäufen riet Lindner ab. „Beim Sanitätshaus vor Ort zahlen sie vielleicht ein paar Euro mehr. Aber sie haben da auch Beratung und Service“, erklärte er.

Mit 101 Jahren die älteste Teilnehmerin: Käte Naumann in Begleitung von Karin Buchheim.
Mit 101 Jahren die älteste Teilnehmerin: Käte Naumann in Begleitung von Karin Buchheim. Foto: Meise
 

Mit seiner Frau Heidi und der Ärztin Dr. Renate Richter aus Neumünster hat er seine Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst: „Rollator-fit“ erscheint zur Buchmesse Mitte Oktober und richtet sich vor allem an Übungsleiter in Sportvereinen, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten. Der Kreissportverband Rendsburg-Eckernförde ist bisher der einzige, der Kursleiter in diesem Bereich ausbildet, hat Lindner festgestellt. Das nächste Seminar wird am 17. Oktober in Timmaspe angeboten, und Lindner hofft, dass noch viele Verbände dem Beispiel des KSV Rendsburg-Eckernförde folgen werden.

Die Seniorensportbeauftragte im KSV, Gitta Polzin, zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf das kostenfreie Angebot. „Ich hatte befürchtet, es kommen nur vier bis fünf, aber es waren 14 Leute da“, teilte sie erfreut mit. Mit dem GTV soll nun geklärt werden, wie schnell ein Kursus „Fit mit dem Rollator“ angeboten werden kann.

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