Gelbe Westengilde : Der prachtvolle Papagoyenvogel hat nur ein kurzes Leben

Die Mitglieder der Gelben Westengilde nehmen den Papagoyenvogel ab (v. l.): Claus Stapelfeldt, Schützenmeister Stephan Möller, Kelvin Stapelfeldt, Majestät Rüdiger Ivers „Der Financier“, Krischan Stapelfeldt und Gilde-Herzog Gunter Niemann.
Die Mitglieder der Gelben Westengilde nehmen den Papagoyenvogel ab (v. l.): Claus Stapelfeldt, Schützenmeister Stephan Möller, Kelvin Stapelfeldt, Majestät Rüdiger Ivers „Der Financier“, Krischan Stapelfeldt und Gilde-Herzog Gunter Niemann.

Das wichtigste Requisit für das Fest der Gelben Westengilde ist seit Sonnabend fertig. Der Papagoy kann im Schaufenster der Reinigung Tetzner besichtigt werden.

shz.de von
14. Mai 2018, 05:58 Uhr

Eckernförde | Er ist der König der Vögel, der Adler. Zur Eckernförder Bürgerschützengilde von 1570 gehört er, wie Wind, Wasser und Wellen zur Ostseestadt. Der hölzerne Papagoyenvogel wird traditionell zum Gildefest gebaut und bemalt. Durch den Abschuss der einzelnen Teile des Vogels wird nach einem bestimmten System die neue Majestät ermittelt. Noch steht der prachtvolle Papagoy im Garten seines Schöpfers Kelvin Stapelfeldt. Majestätisch, frei und stark präsentiert er sich in seinen Farben. Das Adlerauge blickt naturgetreu nachgemacht kritisch in die Natur.

Die Erle, aus deren Holz der Vogel hergestellt wurde, wurde eigenhändig von Kelvin Stapelfeldt und seinem sechsköpfigen Team auf Gut Marienthal geschlagen. Sie ist eine Spende der Familie Klages. Rund 40 Arbeitsstunden hat die Herstellung des Vogels – vom Schlagen der Erle, dem Drechseln der einzelnen Teile, die fachmännisch von einem spezialisierten Drechsler gefertigt werden, bis hin zum Bohren, Zapfen und Einpassen – gebraucht.

Der 1,65 Meter hohe Vogel besitzt eine Spannweite von 1,63 Meter und weist ein Gewicht von rund 35 Kilogramm auf. Die 15 Abschussteile bestehen aus 71 Einzelteilen, inklusive Befestigungsmittel und Metallteile. Damit der hölzerne Vogel zum majestätischen Blickfang wird, wird das nackte Holz kunstvoll in Handarbeit bemalt. Iris und Kelvin Stapelfeldt haben gute Arbeit geleistet: Neben den traditionellen Vorgaben, wie den Stadtfarben und den Schleswig-Holstein-Farben, den in diesen Farben abgestimmten Bändern an Zepter und Reichsapfel, ist ein schönes Unikat entstanden.

König Rüdiger Ivers „Der Financier“, Schützenmeister Stephan Möller, sein Stellvertreter Krischan Stapelfeldt und Herzog Gunter Niemann sind beeindruckt von der sorgfältigen Arbeit: „ Die Arbeiten an dem Papagoyenvogel werden seit vielen Jahren ehrenamtlich von Gildebrüdern ausgeführt. Es ist eine ehrenvolle, aber auch sehr aufwendige Arbeitsleistung, den Gildevogel für seinen Abschuss zu präparieren“.

Schon in der Gildesatzung von 1648 ist der Papagoy aufgeführt, eine alte Tradition, die sich bis heute bewahrt hat. Ein kurzes Leben ist dem edlem Vogel gegeben, am Pfingstmontag um 16 Uhr wird er feierlich geschmückt mit einem Umzug vom Rathausmarkt bis zum Richtplatz am Strand an der Stadthalle geleitet. Am Pfingstdienstag wird sein stolzes Vogelleben ein Ende finden. Mit den Traditionswaffen der Gilde, Büchsen und Karabinern, werden die Schützen aus 50 Meter Entfernung mit schwacher Munition, die eine geringe Treibladung hat, in festgelegter und traditioneller Reihenfolge Teile des Papagoyenvogels abschießen und so die neue Majestät ermitteln.

Bis dahin kann der König der Vögel im Schaufenster von Gilde-Mitglied Jan Haufe, Firma Textilpflege Tetzner, Kieler Straße 4, besichtigt werden.

Die Abschussfolge des Papagoyenvogels ist streng geregelt und sieht wie folgt aus: 1. Zepter, 2. Reichsapfel, 3. Fahne/Stadt, 4.Fahne/Süd, 5. Krone, 6. Ring, 7. Kopf, 8. Außenklaue/Stadt, 9. Außenklaue/Süd, 10. Innenklaue/Stadt, 11. Innenklaue/Süd, 12. Flügel/Stadt, 13. Flügel/Süd, 14. Schwanz, 15. Rumpf.

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Alles zur Gilde und dem Gildefest unter www.gelbe-westengilde.de



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