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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 00:20 Uhr

Klimaschutz : Der Ozean als Müllkippe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Erster Wissenschaftssalon der PES-Stiftung in Louisenlund / Klimaforscher Mojib Latif spricht über „Das Ende der Ozeane“

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 06:25 Uhr

Güby | Faszinierende Geschöpfe mit unvorstellbaren Fähigkeiten leben in den Ozeanen, manche sogar in mehreren tausend Meter Tiefe. Vier dieser Arten stellte Mojib Latif am Donnerstagabend im Kutterschuppen der Internatsstiftung Louisenlund den knapp 100 geladenen Gästen vor: die Lederrückenschildkröte, die unechte Karettschildkröte und den Tiefseeanglerfisch. Arten, die, sollte der Mensch nicht schleunigst der Verschmutzung der Meere Einhalt gebieten, eines Tages nicht mehr existieren werden. Schon bei kleinsten Eingriffen würde das Ökosystem Ozean empfindlich reagieren.

Eingeladen zu dem ersten Wissenschaftssalon hatte die Peter-und Erika-Stoffers-Stiftung (PES). Die Aufmerksamkeit der im August 2016 gegründeten Stiftung gilt der Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Schleswig-Holstein. So hat sie sich zum Ziel gesetzt, innovative Forschungsvorhaben zu fördern, Stipendien und Preise auszuloben sowie wichtige Konferenzen zu unterstützen. „Wir wollen Brücken bauen zwischen den Bürgern und der Wissenschaft“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Klaus Sälzer aus Eckernförde. Der Wissenschaftssalon solle dabei ein eigenes Format der Stiftung sein, bei dem alle gesellschaftlichen Gruppen auf Augenhöhe diskutieren.

Für die Premiere konnte der Stiftungsvorstand den Hamburger Klimaforscher und „Anwalt des blauen Planeten“, Prof. Dr. Mojib Latif gewinnen. Im Mittelpunkt seines Vortrages stand die Sorge um die Zukunft der Meere und die Feststellung, dass die Zukunft der Menschen von intakten Weltmeeren abhängig ist. Latif erinnerte an die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon 2010, bei der über Monate rund eine Million Liter Erdöl in den Golf von Mexiko flossen und an die Reaktorkatastrophe ein Jahr später in Fukushima. Auch hier wurde der Pazifik durch das kontaminierte Löschwasser nachhaltig geschädigt. „Wir überschätzen uns“, sagte Latif, „wenn wir glauben, wir können die Natur beherrschen und kontrollieren. Die Natur kann immer noch einen oben drauf setzen“, so Latif. Dem Menschen fehle einfach der Respekt für die Natur. Und dann erzählte der Professor von beeindruckenden Meeresbewohnern wie den Lederrückenschildkröten, die unglaubliche Schwimmleistungen auf ihrem Weg von Kanada in die Karibik zeigten. Ebenso die Unechten Karettschildkröten, die an den Stränden Floridas schlüpfen und bis zu den Azoren schwimmen. Dabei folgen sie dem warmen Golfstrom. Sind sie ausgewachsen, schwimmen sie zur Eiablage wieder zurück. „Was passiert mit ihnen, wenn der Golfstrom eines Tages durch den Klimawandel schwächer wird?“, fragte Latif. Diese weiten Wanderungen wären dann nicht mehr möglich.

„In der Tiefsee geht es nicht um Schönheit“, sagte Mojib, „sondern ums Überleben.“ Eine besondere Jagdstrategie hat sich der Tiefseeangelfisch angeeignet. Das nicht gerade ansehnliche Tier besitzt an seinem Körper eine „Angel“ mit einem Leuchtkörper, der die Aufmerksamkeit kleinerer Fische auf sich zieht und die dann gefressen werden. Das Streben der Menschen, Rohstoffe aus der Tiefsee zu bergen, würde das prekäre Gleichgewicht zwischen den Tierarten gefährden.

Zum Schmunzeln, aber mit ernstem Hintergrund, ist die Geschichte des 1992 havarierten Frachtschiffs Ever Laurel, bei dem rund 30  000 Plastik-Schwimmtierchen in den Westpazifik gelangten. Noch Jahrzehnte später wurden sie an verschiedenen Küsten angespült. So verhalte es sich auch mit anderem Plastik. Bis zu 450 Jahre würde es dauern, bis sich Plastikmüll zersetze. Rund 100 Millionen Tonnen Plastik vermuten Fachleute in den Weltmeeren. „Bei einem gestrandeten Pottwal wurden 18 Kilogramm Plastik im Magen gefunden“, erzählte Latif.

Die Spuren von Plastikmüll seien mittlerweile in allen Ozeanen und an allen Küsten nachweisbar. Kleintiere, die am Anfang der Nahrungskette stehen, sehen die Partikel als vermeintliches Futter an. Mikroplastikpartikel können leicht von ihnen geschluckt und über den Verdauungstrakt aufgenommen werden. Darüber hinaus können sich im Meer zahlreiche Gifte an die Mikroplastikpartikel anlagern. Im Magen der Tiere lösen sich die Gifte vom Plastik wieder und reichern sich in deren Körpern an. Auf diese Weise gelangen die giftigen Stoffe in die Nahrungskette und können so schließlich auch dem Menschen gefährlich werden. Der Verursacher wird also zum Opfer. So schließt sich der Kreis.

 


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