Statistikamt Kiel : Der Norden - Rentner-Paradies mit Meerblick

Den Lebensabend am Meer verbringen: Viele Rentner zieht es nach Schleswig-Holstein. Foto: grafikfoto.de
Den Lebensabend am Meer verbringen: Viele Rentner zieht es nach Schleswig-Holstein. Foto: grafikfoto.de

Altert das Land zwischen den Meeren zu schnell? In Schleswig-Holstein gibt es prozentual mehr Senioren-Haushalte als im Bundesschnitt. Besonders die Gutbetuchten zieht es im Alter in den hohen Norden.

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15. März 2012, 11:07 Uhr

Kiel/Hamburg | Altert das Land zwischen den Meeren zu schnell? In Schleswig-Holstein gibt es prozentual mehr Senioren-Haushalte als im Bundesschnitt. In 455.000 Haushalten und damit fast einem Drittel deckten 2010 Renten- oder Pensionszahlungen den Lebensunterhalt, genau sind es 32,5 Prozent. Diese Zahlen hat das Statistikamt in Kiel am Dienstag veröffentlicht.
Im benachbarten Hamburg sind Renten und Pensionen in nur 26,8 Prozent aller Haushalte die Haupteinnahmequelle, deutschlandweit liegt die Zahl bei 31,6 Prozent. "Wir bemerken, dass viele Gutbetuchte nach Schleswig-Holstein ziehen, um hier ihren Lebensabend zu verbringen", begründet Anke Pawlik (69), Vorsitzende des Landesseniorenrates die Zahlen. Bevorzugt würden als Wohnorte die Holsteinische Schweiz und die Inseln.
Sorge um bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum
Von 1991 bis 2009 hat Schleswig-Holstein 93.000 neue Einwohner gewonnen. Damit ist es die große Ausnahme unter den nördlichen Bundesländern. Dort packten viele ihre Koffer, darunter oft gut ausgebildete junge Frauen. Sie zieht es in den dynamischen Süden. So verlor Mecklenburg-Vorpommern im gleichen Zeitraum 419.000 Bürger, Niedersachsen sogar 468.000 Einwohner. Nicht so Schleswig-Holstein. Auch hier gingen junge Menschen, aber dafür kamen Senioren. "Nun sind nicht alle Rentner im Land wohlhabend", sagt Anke Pawlik. "Unsere größte Sorge ist deshalb der bezahlbare, barrierefreie Wohnraum für unsere Generation." Beim Landesseniorenrat kümmere sich eigens die Fachgruppe "Wohnen im Alter" um diese Probleme, kämpfe gegen die Kürzungen von Fördergeldern und halte Kontakt zu Wohnungsbaugesellschaften. "Leider sind besonders im Speckgürtel von Hamburg die Grundstückspreise schon so hoch, dass es nicht leicht ist, günstigen Wohnraum zu schaffen."
Die Wirtschaft nutzt die wachsende Zahl der Senioren. Einen Mangel an Alten- und Pflegeheimen gibt es nach Kenntnis des Landesseniorenrates nicht. "Und es gibt auch keinen Ärztemangel", sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest. Mit 155 Ärzten pro 100.000 Einwohner sei 2011 ein neuer Höchststand erreicht worden. "Die absolute Zahl der niedergelassenen Vertragsärzte beträgt 4395 und ist im Zeitraum von 1993 bis 2010 um 17 Prozent angestiegen."
Neben den Senioren-Haushalten gibt es im Norden 775.000 Haushalte mit Erwerbseinkommen (55 Prozent) und 104.000 Haushalte (7,4 Prozent), die Hartz IV beziehen.

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