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Ausstellung im Museum : Der „Nerv der Stadt“ im Wandel der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Museum Eckernförde zeigt beeindruckende Fotografien über die Kieler Straße. Die neue Ausstellung hat am Wochenende viele Besucher in der Sonderschau gelockt.

Die neue Ausstellung im Museum Eckernförde zum Thema „Die Kieler Straße - Nerv der Stadt“ zeigt wieder einmal hochinteressante Fotos von Eckernförde und lockte am Sonnabend eine Vielzahl von interessierten Besuchern an. Auf alten und neueren Fotos, zusammengestellt von Dr. Uwe Beitz, wird die Entwicklung der Kieler Straße und damit der zentralen Nord-Süd-Achse und Haupteinkaufsstraße durch die Stadt sichtbar.

Die Kieler Straße veränderte ihren Charakter mit den Jahrzehnten von einer von Handwerkern und Gastgewerbe dominierten Meile zu einer Geschäftsstraße. Die älteste Abbildung ist ein Kupferstich. Er datiert um das Jahr 1600 und zeigt eine Ansicht der Stadt von oben – gut erkennbar ihre Insellage zwischen Noor, Hafen und Ostsee, aber auch die Kirche, die noch heute existierende „Ritterburg“, die früher direkt am Stadttor lag, und die umliegenden Straßen. Schöne Erkenntnis am Rande: Trotz diverser Abbrüche und Bausünden existieren noch eine Menge der abgebildeten Gebäude. Man muss nur einen Schritt zurücktreten: Die Giebel und die ersten Stockwerke lassen ihre Schönheit noch erkennen, Erdgeschossfenster- und Türen fielen leider großen Glasfronten zum Opfer.

Als herausragendes Beispiel für schöne, historische Substanz sei vielleicht das Eckhaus von Juwelier Jacobsen genannt, trotz seiner Schaufenster. Schon von weitem sichtbar und für die Ecke zum Rathausmarkt sehr prägend, steht es noch da, das Haus mit der Nummer 24. Jacobsen kaufte zwei Häuser nebeneinander, riss sie ab und baute 1896 dafür dieses Gebäude. Auch die Willers-Jessen-Schule am anderen Ende gibt es noch. Zwar ohne Kaiser-Wilhelm-Denkmal davor, aber immer noch in ganzer Pracht.

Bernd und Karin Kunze aus Eckernförde studieren ausgiebig die Fotos der Schule, die in den Jahren 1975 bis 1987 als Museum diente. Bernd Kunze ist dort noch zur Schule gegangen und erinnert sich: „Es gab noch Schulspeisung. Jeder brachte ein Essgeschirr oder ein Schälchen mit, darin bekamen wir unser Essen. Meist so Suppen mit Einlage. Das hat geschmeckt. Nur einmal nicht, da gab es Fischsuppe, die mochten wir nicht.“ Auch den Domkrug gibt es noch. Holperig-liebenswerter Anzeigentext aus vergangenen Zeiten: „Altdeutsche Bierstube, Ausschank vorzüglicher, gut temperierter Biere, Weine und Getränke in großer Auswahl. Bekannt gute Küche. (...) Beliebter Treffpunkt des bürgerlichen Publikums aus Stadt und Land.“

1973 erfuhr die Kieler Straße eine der größten sichtbaren Veränderungen: Sie wurde zur Fußgängerzone umgestaltet. Ein Foto zeigt wahre Menschenmengen dort flanieren. Eine der längerfristigen Folgen: Stück für Stück weniger Handwerk, dafür mehr Einzelhandel in der Kieler Straße. Ein Trend, der nun seine Fortsetzung offensichtlich in dieser Version findet: Weniger lokale Einzelhändler, mehr Ketten. Aber sehr schön ist es, durch die Ausstellung zu lernen, dass es Unternehmen wie den Schuhladen Krohn schon seit 1925 gibt, die Eckernförder Firma Klünder 1838 gegründet wurde und Juwelier Jacobsen bereits seit 1896 in der Stadt existiert. Auch Cafés und Bäckereien zum Ausruhen und Kraft tanken gibt es schon lange und noch zuhauf in der Kieler Straße. In der Eckernförder Zeitung annoncierte die damalige Bäckerei Schütt, später Sehestedter Backstube, schon 1902 verlockend und werbetechnisch auf zack: „Meine Räume sind auf das Komfortabelste eingerichtet.“

Stillstand gibt es nicht in einer Stadt. Man darf gespannt bleiben ....

 

>„Kieler Straße – Nerv der Stadt“,

9. November bis 11. Januar 2015





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erstellt am 10.Nov.2014 | 06:00 Uhr

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