Daniel Günther besucht Katastrophenhelfer : Der Ministerpräsident im THW-Praxistest

Alles eine Sache der Übung: Ministerpräsident Daniel Günther (r.) knüpft mit der THW-Jugend den „Mastwurf“-Spezialknoten. Fotos: Kühl
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Alles eine Sache der Übung: Ministerpräsident Daniel Günther (r.) knüpft mit der THW-Jugend den „Mastwurf“-Spezialknoten. Fotos: Kühl

Antrittsbesuch von Ministerpräsident Daniel Günther beim THW-Ortsverband Eckernförde. Das THW braucht Platz und sucht ein Baugrundstück.

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06. Januar 2018, 06:48 Uhr

Eckernförde | Daniel Günther kennt das Technische Hilfswerk Eckernförde. Zuletzt hatte er den THW-Ortsverband im Horn 6 im April 2015 zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Johann Wadephul besucht. Als schleswig-holsteinischer Ministerpräsident war es am Freitag aber tatsächlich sein Antrittsbesuch beim THW Eckernförde, und die Katastrophenhelfer können sogar behaupten, dass sie den amtierenden Bundespräsidenten zu Gast hatten, denn bis Freitag war Daniel Günther offizieller Stellvertreter von Frank-Walter Steinmeier.

Der prominente Gast informierte sich zunächst in einem internen Gespräch mit der Führungsspitze des THW-Landesverbandes mit dem Landesbeauftragten Dierk Hansen und dem Eckernförder Ortsbeauftragten Michael Marszalek an der Spitze. Beim anschließenden Rundgang über das Gelände ließ es sich der Ministerpräsident nicht nehmen, die aktiven Helfer und den THW-Nachwuchs kennenzulernen und sein technisches und handwerkliches Geschick bei mehreren Übungen unter Beweis zu stellen.

Der Ministerpräsident trägt blaue THW-Jacke und gelben Helm mit LED-Leuchte

Abschließend erörterte Günther mit den führenden Vertretern des THW sowie den Führungsspitzen der Polizei und Freiwilligen Feuerwehr Eckernförde und dem Kreisfeuerwehrverband die Zusammenarbeit von Behörden und Hilfeleistungsorganisationen am Beispiel des Kreises Rendsburg-Eckernförde.

Fast wie an der heimischen Spielkonsole: Daniel Günther (l.) hievt mit Unterstützung von Gruppenführer Frank Schubert den Sandsack mit einem ferngesteuerten Kran in die Tonne.
Fast wie an der heimischen Spielkonsole: Daniel Günther (l.) hievt mit Unterstützung von Gruppenführer Frank Schubert den Sandsack mit einem ferngesteuerten Kran in die Tonne.

Der Ministerpräsident war in seiner blauen THW-Jacke und dem gelben Helm mit LED-Leuchte auf den ersten Blick kaum von den Einsatzkräften zu unterscheiden. Und auch an dem Steuergerät des Kranwagens deutete nichts auf einen Politiker mit womöglich zwei linken Händen hin: Günther bugsierte unter Anleitung des Gruppenführers „Wassergefahren“, Frank Schubert, einen kleinen Sandsack zielgenau in eine Kunststofftonne. Nachdem ihn THW-Fachmann für Unterwasserrobotik, Falko Hohmann, in das Einsatzszenario eines Tauchroboters zur Identifizierung unbekannter Unterwasserobjekte eingewiesen hatte, widmete er sich der angetretenen THW-Jugendgruppe, die zusammen mit dem Ministerpräsidenten eine sogenannte Leonardo-Brücke aus Holzlatten ohne Hilfsmittel wie Nägel, Schrauben oder Seile zusammenbaute – es klappte tatsächlich.

Derartig notdürftige Brücken werden vor allem auf morastigem Grund zum Transport leichter Gegenstände verwendet. Zusammen mit den Jugendlichen übte sich Günther dann im Knoten eines „Mastwurfs“, der dem bei Seglern und Anglern geläufigen Palstek entspricht. „Das muss auch bei Dunkelheit und mit Handschuhen klappen“, sagte Sarah (15), die über ihren Bruder zum THW gekommen ist. Zwölf Jugendliche gehören der Gruppe an, Sarah K. ist mit 10 Jahren die Jüngste, Il Hinz (17) zählt mit sechseinhalb Dienstjahren bereits zum Nachwuchs mit großer Erfahrung. Zum Abschluss der kleinen Praxisrunde instruierte ihn THW-Gruppenführer Dietmar Steffens über den Einsatz eines Hebekissens zur Bergung verletzter Personen aus Fahrzeugen. Fahrzeuge bis zu 20 und 40 Tonnen können diese aufblasbaren Kissen in die Schräglage hieven und den Zugriff der Helfer ermöglichen.

THW in Eckernförde sucht neues Grundstück – Günther will helfen

Daniel Günther zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Helfer und den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des THW. Der THW-Ortsverein sei ein „Vorzeigeverband“ und pflege eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr. Günther sagte dem THW seine Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Standort in Eckernförde zu. „Wir suchen dringend ein Grundstück von 3500 bis 4000 Quadratmeter , wir möchten möglichst in Eckernförde Süd neu bauen“, sagte der Eckernförder THW-Pressesprecher Stephan Suhr.

Grund: Die Liegenschaft im Horn platzt wegen der stetig gewachsenen Zahl der aktiven Helfer – derzeit sind es 63 –, den zwölf Jugendlichen und dem notwendigen Fahrzeug- und Gerätepark aus allen Nähten. Neun angehende Helfer befinden sich in der Ausbildung. Sehr gute Erfahrungen hat das THW mit fünf Syrern zwischen 19 und 40 Jahren gemacht, die sich engagieren möchten. Einer von ihnen habe die Prüfung bereits bestanden, sagte Suhr.

Teil des THW Eckernförde ist auch die einzige Tiereinsatzgruppe an der schleswig-holsteinischen Ostküste, die zum Beispiel ölverklebte Enten, Gänse oder Seehunde retten kann. Die Zusammenarbeit zwischen Technischem Hilfswerk und der Feuerwehr in Eckernförde gilt als vorbildlich, was nicht zuletzt durch die interne Bezeichnung „Feuerwerk“ dokumentiert wird.

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