Ausstellung zu Arthur Götting : Der Mann des Goldenen Buches

Das Goldene Buch der Stadt Eckernförde - unter anderem mit zwei Hakenkreuz-Motiven - ist eine der Arbeiten Arthur Göttings. Foto: smz
Das Goldene Buch der Stadt Eckernförde - unter anderem mit zwei Hakenkreuz-Motiven - ist eine der Arbeiten Arthur Göttings. Foto: smz

Zur falschen Zeit am falschen Ort: Museum zeigt Arbeiten des Zeichenlehrers und Künstlers Arthur Götting.

shz.de von
30. April 2013, 06:57 Uhr

Eckernförde | Am Sonntag hat Dr. Uwe Beitz eine außergewöhnliche Ausstellung im Museum Eckernförde eröffnet. Das Besondere an der aktuellen Werkschau besteht gleich in mehreren Aspekten: Zum einen hat Arthur Götting (1899 - 1975) mehrere Jahre in Eckernförde gelebt und als Werk- und Zeichenlehrer am Reform-Realgymnasium, der heutigen Jungmannschule, unterrichtet (1929 - 1937). Wilhelm Lehmann beschreibt ihn in "Der Provinzlärm" als einen seiner Kollegen. Zum anderen hat er zwar mit öffentlichen Aufträgen für die Stadt gearbeitet, selbst einen Fundus von gemalten und gezeichneten Bildern geschaffen. Die "große Karriere" blieb ihm allerdings aus Gründen des damaligen "Zeitgeistes" verwehrt.

Bürgervorsteherin Karin Himstedt begründete den Wechsel der Ausstellungsfolge in diesem Jahr damit, dass Arbeiten von Arthur Götting - nur noch wenigen Eckernfördern ein Begriff - auf den Aufruf des Museumsvereins hin als Nachlass aus Hamburger Privatbesitz auftauchten. Himstedt: "Die Ausstellung mit Zeichnungen und Entwürfen von Arthur Götting wurde deshalb kurzfristig ins Programm aufgenommen, um die Erwerbung … möglichst rasch dem Eckernförder Publikum vorzustellen." Die ursprünglich geplante Ausstellung "Studio Capricornus" wird auf den 23. Juni verschoben.

Museumsleiter Dr. Uwe Beitz war auf Spurensuche gegangen und förderte dabei Erstaunliches zu Tage. Mit seiner Einführung in die Ausstellung nahm er die Zuhörer mit auf eine Zeitreise, die für Götting 1899 in Preetz begann. 1927 legte er in Kiel die Prüfung als Zeichenlehrer ab, unterrichtete in Eckernförde und heiratete 1929 Klara Kaufmann aus Göttingen, eine Jüdin. 1936 entwarf er das "Goldene Buch" der Stadt Eckernförde, bei dem Hakenkreuze zwischen maritimen Symbolen auf dem Buchdeckel auszumachen sind. Heute fehlen nachweislich einige Seiten. Auch ein Entwurf für den Gefion-Brunnen im Eckernförder Kurpark sowie die Titelseite eines Stadtprospekts und Reklame-"Flyer" für ortsansässige Geschäfte gehen auf Götting zurück.

Die Vermutung liege nahe, so Dr. Beitz, dass Götting 1937 aus dem Schuldienst entlassen wurde, weil er zu seiner jüdischen Frau stand. Umzug nach Göttingen - das Ehepaar Götting überlebte dort Holocaust und Krieg nur unter schwierigen Umständen. Klara Götting gehörte schließlich zu den ganz wenigen Göttinger Juden, die nicht noch kurz vor Kriegsende in ein KZ abtransportiert wurden. Klaras Mutter war nicht verschont worden: Tod 1942 im KZ Theresienstadt. Klara starb 1972, Arthur Götting 1975 - 2012 wurde deren Grabstelle auf dem Göttinger Stadtfriedhof eingeebnet.

Der gesamte künstlerische Nachlass passte in einen Holzkoffer, den Hans-Gerhard Meyer aus Hamburg nach Eckernförde brachte. Sehr unterschiedliche Blätter sind zu sehen - eine düstere Landschaft zum Beispiel, gezeichnet mit Kohle und Kreiden, Entwürfe für ein Bühnenbild - und verschiedene Portraits von "älteren" Frauen, Kopfstudien in Bleistift, Aquarell und Pastell - alle recht eigenwillig. Göttings Selbstportrait schaut verdrossen und introvertiert von der Wand. Aber auch Leichteres: Gefäße mit floraler Oberflächengestaltung.

Führungen mit Dr. Beitz am 16. Mai um 15 Uhr, am 9. Juni um 15.30 Uhr

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen