Kultur : Der Maler Emil Nolde – ein Freigeist

Kulturelle Bereicherung für Fleckeby: Dr. Reiner Herzog, Alf Hermann und Sergej Leipson (v.l.).
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Kulturelle Bereicherung für Fleckeby: Dr. Reiner Herzog, Alf Hermann und Sergej Leipson (v.l.).

„Kulturfleck“ und Dr. Alf Hermann präsentieren musikalischen Bildervortrag über den norddeutschen Expressionisten Emil Nolde

shz.de von
19. November 2013, 05:24 Uhr

Die Kulturinitiative Fleckeby – nun unter neuem Namen „Kulturfleck“ - zeigte wieder Hochkarätiges aus ihrem Programm. Der Vorsitzende Dr. Reiner Herzog hatte den Kunsthistoriker Dr. Alf Hermann zu einem Vortrag über Emil Nolde und das Religiöse in dessen Bildern eingeladen. Ergänzend und vertiefend spielte Pianist Sergej Leipson Beethovens letzte Sonate, Opus 110.

Der gesamte Abend stand unter dem Motto „In memoriam Monique Geest“, die einst gemeinsam mit Dr. Reiner Herzog die Kulturinitiative ins Leben gerufen, sich danach – als langjährige Vorsitzende – stets einen Abend über Nolde gewünscht hatte und letzteres dann selbst nicht mehr erleben konnte.

Viele kamen nach Fleckeby, und in der Kreuzkirche war bald kein Platz mehr. Schließlich waren vorangegangene Vorträge über - zum Beispiel - Picasso oder Michelangelo vielen noch in lebendiger Erinnerung.

Man hatte mit Sicherheit auch diesmal nicht zu viel erwartet, denn Dr. Alf Hermann zeigte auf der großen Leinwand von drei mal vier Metern über 50 Reproduktionen von Noldes Bildern aus mehreren Jahrzehnten.

So sah man als Einführung und wie als Erinnerung an Noldes bekannteste Werke Blumen und nordfriesische Landschaften. Der Schwerpunkt des Abends lag jedoch auf seinen religiösen Bildern, den öffentlichen Sehgewohnheiten nicht ganz so vertraut. Ein Blick auf das Leben des bekannten Künstlers (1867- 1956) zeigte: Er war kein Intellektueller, er war ein Maler aus Leidenschaft. „Er schuf aus dem Herzen heraus“ (A.Hermann), richtete sich nicht nach dem Geschmack oder den Erwartungen des Publikums, verkaufte nie oder nur selten etwas – und man fühlte sich bald an das Leben von Vincent van Gogh erinnert. Van Gogh war in vielerlei Hinsicht auch in der Tat sein Vorbild, manche Farben und Maltechniken Noldes erinnern daran.

Und dann kamen die Bilder, die in Noldes Gesamtwerk das Religiöse zeigen: farbig, ausdrucksstark, voll gemalter Emotionen. Von der Geburt in Bethlehem wurde „erzählt“, von Jesus‘ jungen Jahren, vom letzten Abendmahl, der Kreuzigung, der Auferstehung.

Dabei soll nach Alf Hermanns Ausführungen Emil Nolde gar kein frommer Christ, kein Kirchgänger gewesen sein: „In der Natur sah er den Ursprung der Religion, der Kirche stand er skeptisch gegenüber.“ Ihm sei es gleich gewesen, ob ein Mensch Jude, Christ oder Moslem ist, es käme lediglich darauf an, wie gut sein Charakter sei. „Wir alle sind Menschen und nackt geboren,“ so Nolde. Konfessionsübergreifend lebte er in innerer Isolation, ein Freigeist, begleitet und stets gestärkt durch seine Frau Ada.

Zum Ende des Abends wies Dr. Reiner Herzog auf eine weitere Kunst- und Musikveranstaltung mit Dr. Alf Hermann (Vortrag und Bildprojektionen) und Sergej Leipson (Klavier) hin:

Am 19. November, 19.30 Uhr, im Musiksaal Hof Louisenlund, stellt der Kunsthistoriker den russischen Marinemaler Ivan Aivasovsky vor.

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