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Führungswechsel : Der Lotse geht, der Kapitän kommt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Stiftungsvorstand stellt Dr. Peter Rösner als neuen Schulleiter in Louisenlund vor. Vorgänger Prof. Dr. Werner Esser wird verabschiedet.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Güby | Er wollte nie der Kapitän sein, sagte Prof. Dr. Werner Esser am Sonnabend bei seiner Verabschiedung in der Kunst- und Kulturhalle. Er habe sich vielmehr als jemanden begriffen, der ein in turbulenten Zeiten in Schieflage geratenes Boot wieder auf Kurs bringen sollte. Für den 64-Jährigen war klar: „Ein langer Aufenthalt an Bord sollte es nicht werden.“ Das Bild vom Lotsen, der das Schiff durch schwierige Gewässer geführt hat, hatte schon Schülerpräsident Paul Gerdes in seiner Rede aufgegriffen. Gerdes und Mitschüler Ferdinand Brüger zollten dem scheidenden Schulleiter viel Lob für die vergangenen fünfeinhalb Jahr. Gerne erinnerten sich sich an den Deutschunterricht bei Esser, in dem den Schülern stets Wissen über das eigentliche Fach hinaus vermittelt wurde. „Sie haben Allgemeinbildung unterrichtet“, sagte Gerdes und bilanzierte auch, dass Esser der war, der verwöhnten Schülern das Samtkissen unter dem Hintern weggezogen habe.

Humorvoll auch die Worte von Lehrer Kenneth Caskie. Er beschrieb Esser als den „Heilige-Kuh-Schreck“. Jede Institution, auch Louisenlund, habe ihre Heiligen Kühle, an denen nicht gerüttelt werden sollte. Esser habe es aber verstanden, Einrichtungen auf ihre Sinnhaftigkeit zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Insbesondere erinnerte der Brite an das Bekanntwerden um die Missbräuche an der Odenthal-Schule. Für viele Schulen ein Tabuthema, doch Esser ließ unverzüglich alle Akten und Dokumente Louisenlunds juristisch prüfen, um sicher zu gehen, dass es hier keine ähnliche Vorfälle gegeben hat– es wurde nichts gefunden. „Werner Esser wollte bewahren und schützen“, betonte Caskie.

Als ein erfahrener Internatsleiter und Reformpädagoge sei Werner Esser 2008 aus dem sächsischen Internat St. Afra nach Louisenlund gekommen, sagte die Vorstandsvorsitzende Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein. Sein Auftrag: die behutsame Erneuerung Louisenlunds und es fit machen für das 21. Jahrhundert. Sie erinnerte an die Etablierung des Internationalen Abiturs, den hervorragenden Abi-Schnitt der letzten Jahre, den gesteigerten Leistungswillen der Schüler, eine Professionalisierung des Unterrichts und auch den Wahrnehmungswechsel Louisenlunds in der Elternschaft und in der Öffentlichkeit, die während Essers Amtszeit festzustellen waren. Dass die Umsetzung seiner Vorstellung nicht immer ohne Konflikte verlief, blieb auch nicht unausgesprochen. „Wenn ich jemanden während des harten Seegangs angerempelt, auf die Füße getreten oder verletzt haben sollte, bitte ich um Verzeihung“, es sei nie um die Person gegangen, so Esser. Seinem Nachfolger Dr. Peter Rösner wünschte ereine glückliche Hand und Akzeptanz.

Als einen „Glücksfall für die Schule“ bezeichnete Prinzessin Ingeborg die Wahl Rösners für Louisenlund. Sie sei froh, dass der Wechsel keine Unruhe in die Schule gebracht habe. Bei der Suche nach einem Nachfolger habe man jemanden gesucht, der ein Unternehmerherz und Führungsqualitäten habe, ein Visionär sei, weltoffen, Familienmensch und warmherzig. Die Entscheidung der fünfköpfigen Findungskommission für Dr. Rösner sei einstimmig gewesen, berichtete die Vorstandsvorsitzende.

Der promovierte Physiker Rösner war zuletzt Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ in Berlin. Kindern bereits im frühen Alter naturwissenschaftliche Phänomene nahe zu bringen, das ist das erklärte Ziel der Stiftung, der mittlerweile 27 000 Krippen, Kitas und Grundschule angehören. In den weiterführenden Schulen blieb die Umsetzung bisher aus. In Louisenlund soll daher der Hof mit den Fünft- bis Achtklässlern zu einer Modellschule dieses Bildungskonzeptes werden. „Wir ermutigen unsere Schüler Fragen zu stellen“, sagte der 41-Jährige. Die Sinnhaftigkeit vielen Wissens solle deutlich gemacht werden. So spiele beispielsweise der Satz des Pythagoras eine große Bedeutung beim Segeln.

Doch Naturwissenschaft ist nicht alles: „Wir wollen unsere Louisenlunder Schüler regional verwurzeln und weltweit beflügeln“, fasst Rösner die Ausrichtung der Internatsstiftung zusammen.

Dass das Bildungssystem vor großen Herausforderungen stehe, erläuterte der Gastredner, der 75-jährige Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios Fthenakis – gerade in einer sich verändernden Welt, die sozial komplex und unvorhersehbar geworden ist. Das Bildungssystem könne nicht allein eine optimale Entwicklung des Kindes garantieren. Alle Bildungsorte müssten miteinbezogen werden, damit die Kompetenzen optimal für jedes Kind und von Anfang an gestärkt werden. Das gehe nur mit der Familie.

 

 

 

 

 

 

 

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