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Körpermusik : Der Körper als Instrument: Gewagte Performance vor dem Altar

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

"Hommage an die Bessenheit"- In der Reihe Neue Musik sorgten Jonathan Shapiro, Beatrix Wagner und Gerald Eckert für ungewohnte Musik, bei der der Körper als Instrument eingesetzt wird.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2014 | 14:22 Uhr

Eckernförde | „Hommage an die Besessenheit“, unter diesem provokanten Titel steht die Reihe Neue Musik 2014. Und schöne „besessene“ Werke ertönten gleich beim ersten Konzert am Freitag in der St. Nicolai-Kirche. Im Mittelpunkt stand als Instrument das Schlagzeug, das von Jonathan Shapiro mit Inbrunst, Präzision und Leidenschaft gespielt oder besser „performt“ wurde. Musik und ihre Darstellung brachte er unterhaltsam auf einen klingenden Punkt. Ergänzt wurde das diesmal kleine Ensemble Reflexion K von Beatrix Wagner mit ihren vielseitigen Flöten und Gerald Eckert am Cello. Am komponierten Klanggeschehen waren die in Deutschland lebende Russin Maria Boulgakova, Gerald Eckert und Vinko Globokar beteiligt.

Eckert war mit seinen Werken „nor“ (2008) für Schlagzeug solo, „Nôéma“ (1993) für Cello und dem bereits aus einer CD-Veröffentlichung bekannten „Schwebe, verlöschend“ (2001) für Flöte und Schlagzeug vertreten. Letztere Komposition gab den fulminanten Abschluss des Abends. Kontrastierend dazu wurden die zwei Werke des 80-jährigen Vinko Globokar aufgeführt. Im Eckernförder Konzert des in Frankreich geborenen Komponisten slowenischer Abstammung waren „Monolith“ (1976) für eine Flötistin und „?Corporel“ (1984) für einen Schlagzeuger zu erleben. Bei Monloith musst sich die Flötistin in zwei Klangräumen bewegen: Zwei verschiedene Partituren, eine für Gesang die andere für Flöte galt es gleichzeitig zu bewältigen. Musikalisch wie akustisch durchaus zwiespältig.

Als optische Höhepunkt des Abends war die Performances „?Corporel“ zu erleben. Auf einer extra aufgebauten Bühne präsentierte Jonathan Shapiro seinen wenig bekleideten Körper und ein dramatisches Klanggeschehen, das aus und mit diesem entwickelt wurde. Dabei teilten sich schauspielerische Inszenierung und gezielt dargebrachte Tonerlebnisse den Auftritt und bestätigten den Eindruck aus der Musikreihe, das der Schlagzeuger auch für special effects zuständig ist. Die Darstellung dieses Stückes war eher geprägt von dem humoristischen Ausdruck denn von nachhaltigen musikalischen Eindrücken. Diese konnte in dem langen Werk von Eckert „Schwebe, verlöschend“ um so nachhaltiger mitgenommen werden. Schlagzeug und Flöte gestalteten einen tief empfindbaren Raum, der zwischen Dramatik und Nachklang viele Möglichkeiten der Auseinandersetzung bot.

Das nächste Konzert der Reihe „Neue Musik“ wird am Sonntag, 6. April um 18 Uhr in der St. Nicolai-Kirche stattfinden. Zu hören sind Werken von Veltman, Sciaririno, Scelsi, Sarwas und Eckert. Von Gerald Eckert ist derzeit auch seine Ausstellung von Tuschezeichnung im Museum zu sehen.



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