Manfred Liedtke : Der Herr der Kühler

In seiner Werkstatt arbeitet Manfred Liedtke auch heute noch täglich über acht Stunden.
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In seiner Werkstatt arbeitet Manfred Liedtke auch heute noch täglich über acht Stunden.

Der Eckernförder Manfred Liedtke (81) ist einer der wenigen Spezialisten in Schleswig-Holstein, die noch Motorkühler bauen.

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08. Februar 2018, 05:24 Uhr

Eckernförde | Diesem Handwerk gehen nur noch wenige Menschen nach – und Manfred Liedtke ist einer von ihnen: Der 81 Jahre alte Eckernförder baut und repariert Motorkühler.

Gerade für Oldtimer gibt es oftmals keine Ersatzteile mehr, und da ist Handarbeit gefragt. „Früher wurden Kühler noch aus Kupfer und Messing hergestellt“, sagt Manfred Liedtke. „Sie wurden weich verlötet und nicht geschweißt.“ Dafür benötigt man Fingerspitzengefühl – und Erfahrung, die heute kaum noch jemand hat. Liedtke: „Man kann einen undichten Kühler nämlich auch kaputt löten, wenn er zu heiß wird.“

Er kennt sie alle, die Wasser-Luft-Kühler und Öl-Luft-Kühler, die Netzkühler und Rohrbündelkühler. Oft baut der Kfz-Mechaniker-Meister die Kältemaschinen, die den Motor kühlen, von Grund auf neu. Leistung, Kraftstoffverbrauch, Wärmebedarf, Verdampfung – alles muss zuvor berechnet werden. Zurzeit arbeitet Manfred Liedtke an einem Kühler für einen Zettlmeyer-Trecker aus den 40er-Jahren, ebenso an dem Kühler für einen Fiat 500 Topolino, der bis in die 50er-Jahre gebaut wurde.

Nur drei Werkstätten kennt der 81-Jährige in Schleswig-Holstein, die ebenfalls diese Dienste anbieten. Entsprechend gefragt ist seine Arbeit, der er seit über 40 Jahren nachgeht. In dieser Zeit hat er schon so manche Spezialanfertigung gebaut, zum Beispiel Kühler für die Radlader, die in den Stollen des Atommüll-Lagers in Gorleben eingesetzt wurden. „Die Dieselfahrzeuge wurden auf Gas umgerüstet und wiesen so eine höhere Wärmeerzeugung auf.“ Und so wurde Manfred Liedtke beauftragt, neue und an die geänderten Bedingungen angepasste Kühler zu bauen. Auch hat er Kühler von Nutzfahrzeugen in Papierfabriken aufgrund des hohen Rußaufkommens umgebaut und ebenfalls die Rohrbündelkühler der Fähren der Wyker Dampfschiffreederei repariert.

Das ist eine Spezialarbeit, für die man eine entsprechende Werkstatt benötigt. „Ich habe Werkzeug, mit dem wohl sonst niemand etwas anzufangen weiß“, sagt Manfred Liedtke, der aus Düsseldorf stammt und seine Firma „Liedtke Kühlerservice“ vor 40 Jahren im Rosseer Weg gegründet hat. Bis heute kann er nicht über Auftragsmangel klagen. „Das ging schon von Anfang an los. Ich hatte gar keine Werbung gemacht, das Geschäft hat mich einfach überrollt.“ Deshalb nimmt er auch keine neuen Kunden mehr an. „Das schaffe ich zeitlich nicht.“ Und das, obwohl er noch immer über acht Stunden täglich arbeitet. Nötig hat er das nicht, aber einfach Lust auf seine Arbeit. „Ich habe zu meinem 80. Geburtstag einen Zehn-Jahres-Plan aufgestellt“, so der Mann, der bis vor einigen Jahren noch regelmäßig joggen ging. Und der besagt, dass er erst einmal weitermacht.

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