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Der Große Kurfürst als Sinnbild für die alte Heimat

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Ostpreußen tauschen beim Heimattreffen in Pillaus Patenstadt Eckernförde Erinnerungen aus

Eckernförde | Den Blick fest auf die Seestadt Pillau - dem heutigen russischen Baltisjk - steht er am Borbyer Ufer inmitten des Parks am Vogelsang. In diesem Jahr wird das Denkmal des großen "Kurfürsten" Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) 100 Jahre alt. 1955 hatte das Denkmal in Eckernförde eine neue Heimat gefunden, nachdem es zuvor 1913 in Pillau aufgestellt worden war. Eckernförde war für viele Heimatvertriebene auch aus Ostpreußen erster Anlaufpunkt. Seit 1950 ist Eckernförde auch Patenstadt von Pillau. Beim Heimattreffen der Pillauer am Wochenende stand der Große Kurfürst daher ganz besonders im Blickpunkt. Die Vorsitzende der Heimatgemeinschaft Seestadt Pillau, Gabriele Schildknecht-Lindenberg, freute sich über die Teilnahme der rund 100 Besucher und hob in ihrer Festansprache die Verbundenheit der beiden Ostseestädte Pillau und Eckernförde hervor. Für den festlichen Rahmen sorgte das Blasorchester der TuS Eckernförde, dass den Geburtstagstusch das Pillauer- und das Schleswig-Holstein Lied sowie die Nationalhymne spielte.

Anke Göttsch, stellvertretende Bürgervorsteherin, überbrachte im Namen der Stadt nicht nur Grüße, sie erntete für ihre bewegende Rede starken Applaus. "Eckernförde hat - so ist mir berichtet worden - Ähnlichkeiten mit der Stadt, die gut 650 Kilometer östlich von hier an der Ostsee liegt. Eckernförde ist aufgrund des starken Flüchtlingszustroms im und nach dem zweiten Weltkrieg in besonderer Weise mit Ostpreußen verbunden. Beide Städte liegen an der Ostsee, sind Ort eines Marinestützpunktes. Hier wie dort war die Fischerei und die Fischverwertung ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Die Stadt Eckernförde und ihre Bürgerinnen und Bürger bemühen sich seit fast 60 Jahren, Ihnen ein Stück Heimat zu ersetzen."

Ernst Petscheleit (80) aus Celle, Pastor im Ruhestand, hielt im gemeinsamen Gottesdienst in der Borbyer Kirche die Predigt mit dem Thema: "Wir haben hier eine bleibende Statt, die zukünftige suchen wir…" Seit 1999 hält er die Predigten zum Heimattreffen: "Im kommenden Jahr feiern wir das 60. Zusammenkommen. Leider ist zu merken, dass die Zeit ihren Tribut fordert." Auch Werner Dudde (70) aus Hannover, bedauert, dass viele seiner vertriebenen Angehörigen aus Altersgrünen nicht mehr teilnehmen können: "Sie freuen sich jedes Mal über eine Postkarte aus Eckernförde. Leider fehlt die Verbundenheit, nirgends gibt es einen Hinweis auf die Partnerstadt Pillau. Wie leicht wäre es, zum Beispiel eine Postkarte mit beiden Wappen zu gestalten. Vielleicht ja ein Vorschlag, der aufgegriffen werden kann." Für die Vertriebenen aus Pillau ist der Große Kurfürst ein Stück greifbare Heimat, ein Stück Erinnerung, sagen Wilhelm Wilkens (73) und seine Frau Hildegard (79). Seit 1998 sind die Hamburger treue Besucher der Heimattreffen. Einige Teilnehmer konnten sich noch an das imposante Kurfürstendenkmal erinnern, und auch daran, wie sie ihm in der Kinderzeit so manchen Schabernack getrieben haben.

Eingeweiht wurde das Denkmal am 19. Juli 1913 in Pillau. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal nach Hamburg zum Einschmelzen gebracht. Doch es entging der Verschrottung, wurde später auf einem Schrottplatz entdeckt und fand 1955 einen neuen Platz in der Patenstadt Eckernförde - Pillau war inzwischen russischer Marinehafen geworden.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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