Müllvermeidung : Der gelbe Sack und sein blauer Bruder

Manfred Liedtke hat noch über 1000 blaue Säcke in der Garage. Sie darf er weiterhin als Alternative zum gelben Sack verwenden.
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Manfred Liedtke hat noch über 1000 blaue Säcke in der Garage. Sie darf er weiterhin als Alternative zum gelben Sack verwenden.

Die Müllabfuhr akzeptiert für die Wertstoffsammlung auch Restbestände an blauen, durchsichtigen Säcken für die ehemalige Papierabholung.

shz.de von
20. Januar 2018, 06:07 Uhr

Eckernförde | Manfred Liedtke ist reich – reich an Säcken. Der 81-Jährige führt schon lange im Rosseer Weg einen Ein-Mann-Handwerksbetrieb. Und weil er viele Einzelteile bestellen musste, hatte er stets viel Pappe und Verpackungsmaterial zu entsorgen. Pappe und Papier füllte er zur Abholung in die damals vorgegebenen blauen Säcke. Erst, als die blaue Tonne eingeführt wurde, hatte es ein Ende damit. Doch weil er sich sicherheitshalber mit blauen Säcken bevorratet hatte, stehen in seiner Garage noch zwei Kartons mit Dutzenden der blauen Rollen.

„Die blauen Säcke zur Entsorgung in die gelben Säcke zu stecken, wäre doch Verschwendung“, sagt er und rechnet vor, dass es über 1000 Stück sein müssen. „Es wird doch so viel geredet von Müllvermeidung, gerade bei Plastikmüll.“ Deshalb verwendet er die blauen statt der gelben Säcke. Meistens werden sie auch bei der Abfuhr mitgenommen – aber eben nicht immer. Schon öfter wurden seine Säcke ignoriert. „Als ich beim Entsorgungsunternehmen Remondis angerufen habe, wurde mir gesagt, dass die blauen Säcke nicht durchsichtig genug seien und die Mitarbeiter nicht sehen könnten, ob sich vielleicht Müll darin befindet, der dort nichts zu suchen hat.“ Doch das akzeptierte er nicht. „Durch die blauen Säcke lässt sich sogar besser erkennen, was darin ist als durch die gelben Säcke.“

Manfred Liedtke ist nicht der einzige Eckernförder, der ab und zu noch einen der alten blauen Säcke für den Kunststoffmüll verwendet. Auch andere Einwohner finden manchmal in entlegenen Winkeln von Keller und Garage die alten Säcke.

Und die dürfen sie auch sehr wohl für die Wertstoffsammlung verwenden.

Das zumindest sagt Michael Karg, Remondis-Niederlassungsleiter in Schleswig und ebenfalls zuständig für den Bereich Eckernförde. „Ob ein blauer Sack bei der Abfuhr mitgenommen wird, liegt im Ermessen des Fahrers“, sagt er auf Anfrage der Eckernförder Zeitung und scherzt, dass der Blaue Sack kein „offizieller Sack“ sei. Der Fahrer mache also nichts falsch, wenn er ihn ignoriere, doch im Zuge der Müllvermeidung erachte Michael Karg es ebenfalls als sinnvoll, die Restbestände des blauen Sacks als Äquivalent zu seinem gelben Bruder aufzubrauchen.

Wichtig sei allerdings, dass es sich tatsächlich um die ehemaligen, durchsichtigen Säcke für die Papierentsorgung handele. „Eine Sichtkontrolle muss möglich sein.“ Dicke, blaue Müllsäcke würden für die Wertstoffsammlung nicht akzeptiert, da eventuelle Fehlbefüllungen nicht kontrolliert werden könnten. Michael Karg versprach, eine entsprechende Information an alle Fahrer herauszugeben.

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