Gebrauchtes am Hafen : Der Flohmarkt lebt

Ausgefallenes Einzelstück: Einen „George Michael“ zum Frisieren bot Peter Schönemann in Form eines Friseur-Modellkopfes an.
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Ausgefallenes Einzelstück: Einen „George Michael“ zum Frisieren bot Peter Schönemann in Form eines Friseur-Modellkopfes an.

Gewöhnliche Trödelware und ausgefallene Einzelstücke – der Floh- und Trödelmarkt am Hafen enttäuscht nie.

shz.de von
17. April 2018, 05:45 Uhr

Eckernförde | Wer kennt das nicht: Die Sommersaison steht an, neue Gartenmöbel müssen her, der Urlaub soll geplant werden. Nur: Das nötige Kleingeld fehlt. Was tun? Richtig: Haus und Hof nach Flohmarktutensilien durchforsten und gewinnbringend verkaufen. In Zeiten der virtuellen Welt sind Online-Verkaufsplattformen zu diesem Zweck eine Lösung, doch so richtig mag das „Flohmarkt-Feeling“, der Reiz des Stöberns und Entdeckens nicht aufkommen. Zu abstrakt wirkt die Präsentation, und mögliche Fehlkäufe sind nicht ausgeschlossen, denn ob der antike Überseekoffer von 1930 nach muffigem Keller riecht, können auch Bilder und ausführliche Beschreibungen nicht ausschließen.

Aber es gibt sie noch, die guten alten Flohmärkte. Marina Täubner von „Täubner-Veranstaltungen“ aus Eckernförde hält an diesem Verkaufskonzept mit ihrem „Floh- und Trödelmarkt“ schon seit 20 Jahren fest. Seit 1998 organisieren sie und ihre Helfer im Sommerhalbjahr insgesamt sechs Flohmarkttermine im Abstand von jeweils einem Monat rund um die Hafenspitze. Seit 2014 ergänzt ein stimmungsvoller Laternenmarkt in den Abendstunden das Verkaufs- und Einkaufserlebnis.

Und der stets gute Verkäufer- und Besucherandrang gibt ihr Recht. Manche Verkäufer, insbesondere jene, die ausgefallenen Trödel und Kunsthandwerk anbieten, reisen vom anderen Ende der Republik an und legen sogar ihren Sommerurlaub so, dass sie ihre Waren auf Täubners Markt anbieten können.

„Das ist eigentlich das größte Kompliment für meinen Markt, das man mir machen kann“, sagt Marina Täubner. Die quirlige Frau erkennt man im Marktgetümmel immer an dem breitkrempigen Filzhut, den sie trägt, um sich vor der Sonne, aber auch vor Regengüssen zu schützen.

So auch beim Saisonauftakt am vergangenem Sonnabendmorgen. Trotz des kühlen und grauen Aprilwetters mit vereinzeltem Nieselregen waren 40 private Verkäufer gekommen, um ihre Kassen aufzubessern. Neben altbekannten Flohmarktwaren wie Porzellan- und Gläserkonvoluten, antikem Schmuck oder Büchersammlungen gab es auch Kuriositäten zu entdecken.

Peter Schönemann bot zum Beispiel mit seinem Friseur-Modellkopf mit dem wohlklingenden Namen „Amigo (ohne Bart)“ die Büste eines alterslosen Mannes an, der starke Ähnlichkeiten zum ehemaligen „Wham“-Frontmann George Michael aufweist. Ursula Berg aus Kiel hatte von ihrem dreijährigen Aufenthalt auf der indonesischen Insel Java ein handgearbeitetes Figurenpaar aus Holz mitgebracht, das nach alter, indonesischer Tradition als Glücksbringer für ein frischverheiratetes Ehepaar dienen soll. „Jedes Paar sieht anders aus“, erklärt Berg, die sich mit den Figuren bestens auskennt. Die auf Java unter anderem als Deutschlehrerin tätige Flohmarktverkäuferin hat zu Hause noch insgesamt 13 solcher Glücksbringer, allesamt aus Indonesien nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Container mitgebracht. „Manche sitzen bei mir im Fenster, andere stehen auf der Treppe. Gerade da, wo Platz für sie ist.“ Dass nun ausgerechnet jenes Paar auf den Verkaufstisch kam, lag daran, dass es im vollgestopften Keller nahe an der Tür stand. Ein Schicksal, das viele Flohmarktartikel mit dem hölzernen Paar teilen.

So auch der kleine, schmiedeeiserne Ofen, den Monika Henkens aus Husum an ihrem Stand anbot. Sie hat ihn von einem älteren Herrn erstanden, der damit seine Gartenlaube beheizt hat. „Wahrscheinlich hat er ihn auch selbst entworfen und gebaut“, mutmaßt Henkens. Sie selbst hat ihn nur zur Dekoration benutzt, nun soll er eine neue Bleibe finden, „denn heizen, das kann er noch“.

Also: Ob gewöhnliche Trödelware oder ausgefallene Einzelstücke – auf den guten alten Flohmarkt ist am Eckernförder Hafen nach wie vor Verlass.

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