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Zukunft : „Der demographische Wandel ist schon da“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Dorfentwicklungsgruppe Rieseby stellt erste Zwischenergebnisse vor. Ziel der vierköpfigen Gruppe und Planerin Camilla Grätsch ist, ein Leitfaden für die weitere Entwicklung bis wenigstens 2025 angesichts des demographischen Wandels zu erstellen.

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erstellt am 04.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Rieseby | Rieseby ist eine junge Gemeinde mit einem hohen Anteil junger Menschen, die gut aufgestellt ist, aber es gibt Potenzial, das entweder noch nicht ausgeschöpft ist oder noch entwickelt werden kann. Ungeachtet dessen wird Rieseby aber nicht an den Auswirkungen des demographischen Wandels vorbeikommen und mit Auswirkungen auf die Bevölkerung und den Wohnungsbedarf, den Einzelhandel/Gewerbe sowie auf die sozialen Strukturen rechnen müssen. Wie sieht es 2025 in Rieseby aus, ist daher die Zielfrage, mit der sich die Arbeitsgruppe Dorfentwicklung befasst hat. Erste Ergebnisse wurden Mittwochabend in der Gemeindevertretung vorgestellt.

In Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Plewa haben Bernd Mordhorst, Thomas Puphal, Frank Dreves und Enrique Ruiz Hampel in den zurückliegenden Monaten intensiv Datenmaterial zu den oben genannten Kriterien erfasst, um eine Basis für eine weitere Zukunftsbetrachtung zu haben, so Mordhorst als Sprecher der Gruppe. So wurde festgestellt, dass die Einwohnerzahl von jetzt 2661 im Jahr 2025 auf rund 2400 sinkt, die Belegungsdichte der Wohneinheiten von 2,73 im Jahr 1987 auf 2,19 in 2011 sank. Die Bevölkerung wird älter, wobei Camilla Grätsch vom Büro Plewa, die die Gruppe professionell begleitet, im Falle Riesebys von einer verzögerten Alterung spricht. Es gebe jetzt sehr viel mehr Kinder und Jugendliche in Folge von neuen Wohngebieten, so dass der demographische Faktor geringer oder später zum Tragen kommen. „An dem Trend wird Rieseby aber nicht vorbeikommen“. Der Anteil der über 65-Jährigen könnte nach Berechnungen von 18,6 Prozent 2011 auf 27,5 Prozent 2025 steigen.

Diese Veränderungen wirken sich auf den Wohnungsbestand aus. Der Bedarf an kleinen und seniorengerechten Wohnungen wird steigen. Auswirkungen hat die Bevölkerungsveränderung aber auch auf die Geschäfte und Betriebe im Ort. Ein externes Einzelhandelsgutachten wurde erstellt, um eine Basis zu haben. In Gesprächen mit Unternehmern und Betrieben waren die Ergebnisse beraten worden. Grob seien zwei getrennte kleine Einkaufsbereiche ermittelt worden, so Grätsch. Als vorläufiges Ergebnis war die Verkaufsfläche mit rund 1300 Quadratmetern ermittelt worden. In Folge der Demographie wird die Käufernachfrage, auch der aus dem Umland, sinken. Im Einzelhandelsgutachten wird als vorläufiges Ergebnis mit einer Abnahme um 2,1 Millionen Euro auf 18,7 Millionen Euro in 2025 gerechnet.

Mit Auswirkungen ist auch bei den gemeindeeigenen Einrichtungen und Gebäuden zu rechnen. „Schule, Kitas und Sporthalle bilden eine Ortsmitte“, eine Aufgabe könnte sein, wie sie zu erhalten ist und für den künftigen Bedarf zu entwickeln ist, so Grätsch. Ganz klares „Ziel der Arbeitsgruppe ist, für Rieseby einen Leitfaden für die weitere Entwicklung bis wenigstens 2025 zu erstellen.“ Es sollen nur Ideen und Ansätze sein, auf die bei künftigen Vorhaben oder Entwicklungen im Ort zurückgegriffen werden könne, so Mordhorst. Als Schwerpunkte gelten die Stärkung des Ortskerns, die Sicherung des Schulstandortes und der Umgang mit den Auswirkungen des demographischen Wandels.

Die Bestandsaufnahme ist abgeschlossen. Im April werden Stärken-Schwächen-Analysen erfolgen, bevor am 14. Juni zum Zukunftsworkshop eingeladen wird. Geplant sei, Vertreter von allen Vereinen und Verbänden und Interessengruppen, soweit bekannt, einzuladen, erklärte Gruppensprecher Mordhorst. Dort sollen weitere Ideen gesammelt werden.

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, sieht man daran, dass alleine im Amt Schlei-Ostsee von 2008 bis zur aktuellen Zensusberechnung die Zahl der Einwohner um 700 gesunken ist „der demographische Wandel ist schon da“, so Mordhorst. Die Gemeindevertretung unter Leitung von Bürgermeister Kolls lobte die Arbeit der Gruppe und sah angesichts der Entwicklungsszenarien die Notwendigkeit etwas zu tun.

 

Standpunkt

Zukunft gestalten fängt heute an

Ja, der demographische Wandel ist schon da, damit traf Bernd Mordhorst als Sprecher der Dorfentwicklungsgruppe den Nagel auf den Kopf. An vielen Stellen fällt es schon auf, dass die Zahl der Kinder sinkt, die der Senioren steigt. Viele Grund- und weiterführenden Schulen wurden im ländlichen Raum schon geschlossen. Die Auswirkungen einer geringeren Bevölkerung auf alles Lebensbereiche sind gewaltig. Richtig bewusst werden sie dem Betrachter, wenn sie sachlich erfasst und nebeneinander stehen. Daher ist der erste Schritte Riesebys zur Bildung der Arbeitsgruppe Dorfentwicklung sehr zu begrüßen. Je früher absehbare Veränderungen erfasst werden, desto eher besteht noch die Chance, etwas dagegen zu tun oder aber die künftigen Entwicklungen bewusst zusteuern und zu begleiten. Aufgabe der Arbeitsgruppe, die wirklich viel ehrenamtliche Zeit in die Zukunft der Gemeinde investiert hat, kann nur das Aufzeigen von Entwicklungen sein. In Ansätzen können und wird sie Ideen und Denkanstöße geben, was zu tun ist. Die Umsetzung aber erfordert die Gemeinschaft des ganzen Ortes. Mehr denn je wird dabei persönliches Engagement und auch Kooperationsbereitschaft nötig sein, damit die gemeinsame Zukunft besser wird als die prognostizierte. Hut ab vor der großen Aufgabe, die, Rieseby jetzt angepackt hat.

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