Der Auftritt der Klassesänger

Aufgebot der ersten musikalischen Garde: Peter Orloffs Schwarzmeerkosaken  mit  musikalischer Begleitung. Foto: Flügel
Aufgebot der ersten musikalischen Garde: Peter Orloffs Schwarzmeerkosaken mit musikalischer Begleitung. Foto: Flügel

Peter Orloffs Schwarzmeerkosaken berühren und begeistern das Publikum in der Stadthalle / Großartige Solisten und Musiker

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13. August 2012, 08:26 Uhr

Eckernförde | "Genießen Sie, genau wie wir, jede Sekunde!" Peter Orloff, Entertainment-Profi mit großer Geste, Schlagersänger, Hitparadendauergast, aber auch Chorleiter der Schwarzmeer-Kosaken seit 1993, begrüßte sein Publikum am Sonnabend in der Stadthalle. Schlank, vornehm ergraut, würdevoll und dennoch fast jugendlich anmutend, stellte er die Mitglieder des Chors und das Programm des Abends vor, Raunen aus dem Saal begleitete die bekannteren Titel.

Gleich mit dem ersten Stück wogten sich die Stimmen der hoch dekorierten Sänger mitten in die Herzen der vielen Fans. Wie sanfter Nebel, der auf Wiesen steht, wie kühlende Frische, die aus Birkenwäldern aufsteigt, umhüllte der Gesang die Zuhörer. Er schwoll an, wie ein aufziehendes Sommergewitter, verebbte, ging über in warmen Sonnenschein. Er berührte die russische Seele des Publikums, das vielleicht noch nicht einmal wusste, dass es eine solche besitzt. Die Musik des Abends bot eine Auswahl russischer und georgischer Volkslieder, aber auch bekannte klassische Kompositionen von Verdi, Glinka oder Schubert. Bemerkenswert unter Vielem das "Ave Maria" von Schubert, einzigartig und berührend gesungen vom "jüngsten Stern am Kosakenhimmel, Igor Ishchak aus Kiev", wie Orloff den jungen Mann mit der betörend klaren und hohen Stimme vorstellte. Dreimal musste der männliche Sopran (bzw Countertenor) aus den Reihen seines Chors treten, um den begeisterten Dank entgegen zu nehmen. Da gab es ganz sicher die eine oder andere Träne im Augenwinkel im Parkett...

Aber auch die anderen Sänger boten Bemerkenswertes: Ob Stefan Arininsky mit seinem dröhnende Bass; der Tenor Oleg Kuleshov, der den Ton gefühlte zwanzig Minuten halten kann und bei "Kalinka" den Saal zum Brodeln brachte; oder der freundlich lachende Dirigent und Bariton Nasko Kirtscheff - hier standen Klassesänger auf der Bühne.

Dass der Chor von zwei Ausnahmemusikern begleitet wurde, darf nicht unerwähnt bleiben: Am Bajan, dem osteuropäischen Knopfakkordeon, wirbelte Ilya Kurtev, sicher einer der weltbesten Virtuosen an diesem anspruchsvollen und hinreißenden Instrument. Neben ihm, an der Domra-Laute, Irina Kripakova. Unglaublich auch hier, mit welcher Schnelligkeit und Präzision sie dem Instrument mit den drei Saiten Liebliches, Temperamentvolles und Leidenschaftliches entlockte.

Jutta Witt aus Groß Wittensee war begeistert. "Es ist wunderbar! Ich hab mich schon auf das Konzert gefreut, Peter Orloff kenne ich, seit er Schlager singt."

Allerspätestens nach der Pause haben die Schwarzmeer-Kosaken den Saal im Sack, da wird geklatscht, gejubelt, der Beifall kommt spontan, der Funke ist übergesprungen. Tenor Kuleshov könnte mit der Intensität seiner Stimme Vitrinen zum Springen bringen, Arininsky beweist Humor, als er den nächsten Solisten ansagt: "Ich." Und Kurtev bringt das Publikum erneut zum Staunen, als er vorne an der Bühne aus dem Bajan derwischgleiche Töne zaubert. Mit "Guten Abend, gute Nacht", einem summendem Saal und glücklichen Zuhörern geht das Konzert zu Ende. Beim Hinausgehen sagte eine Dame zur anderen: "Das hätte ruhig noch `ne Stunde gehen können, ne? "Von mir aus ja!"

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