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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 04:14 Uhr

Der Aufpasser in tiefschwarzer Nacht

vom

Letzter Teil unserer 24-Stunden-Reportage: Unterwegs mit Wachmann Jürgen Peters von 23 bis 24 Uhr

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Wie enttäuschend. Das Auto ist winzig, kein Geländewagen, mit dem man Eindruck schindet. Ein Chrysler Spark steht Jürgen Peters zur Verfügung, wenn er nachts als Wachmann auf Streife geht. Zweitürig. Nichts, womit man angeben kann. Doch das hat der 50-Jährige auch nicht nötig. Stattdessen sind Wendigkeit und eine schmale Hüfte gefordert, wenn der Wagen durch enge Auffahrten fahren soll.

Es ist 23 Uhr abends. Für Jürgen Peters läuft der Arbeits"tag" schon seit vier Stunden. Der gelernte Heizungsbauer ist beim Eckernförder Wach- und Sicherheitsdienst Inter-Safe angestellt - seit 18 Jahren. "Ich war lange im Erziehungsurlaub und habe schon auf geringfügiger Basis hier gearbeitet", sagt er. "Irgendwann war ich zu lange aus meinem Job raus und bin hier geblieben."

Die 50 Jahre sieht man ihm trotz der grauen Haare nicht an, das Gesicht mit dem dünnen Schnurrbart wirkt jünger. Schlank ist er, redegewandt, ein freundlicher Typ. Die komplett schwarze Kleidung will gar nicht recht zu seinem Wesen passen.

Im Dunkeln geht es in die Innenstadt. Ein Restaurant in der Fußgängerzone ist der erste Kunde in dieser Stunde. "Verschlusskontrolle" heißt das Rütteln an der Tür und den Fenstern. So hat es der Kunde bestellt. Dreimal in der Nacht zu unregelmäßigen Zeiten von außen nachsehen, ob alles in Ordnung ist.

Jürgen Peters hat einen forschen Schritt drauf. Raus aus dem Auto, Kontrolle, rein ins Auto "Pro Nacht steige ich 2- bis 300-mal ein und aus", sagt er. Jedesmal wird der Wagen abgeschlossen. "Allein schon, damit niemand die Schlüssel stiehlt."

Die Tür des nächsten Geschäftes ist günstig gelegen. Hier kann Jürgen Peters den Rütteltest durchs Autofenster erledigen. Alles verschlossen - weiter gehts. Geschäft nach Geschäft wird kontrolliert. Sind die Gitter unten? Alle Fenster geschlossen? "Es geht nicht immer darum, unbedingt nur Einbrecher zu ertappen, sondern auch zum Beispiel Vandalen abzuschrecken", sagt der Wachmann. "Unsere Aufgabe ist es, zu beobachten und die Polizei zu rufen, wenn etwas passiert."

Das ist auch schon öfter vorgekommen. Zum Beispiel, als er nachts an einer Tankstelle eine eingeschlagene Scheibe bemerkte. Der Einbrecher versteckte sich hinter dem Tresen. "So war mir die Situation ganz recht", sagt Jürgen Peters. "Der Einbrecher drin, ich draußen davor." Er rief die Polizei, die den Kriminellen abführte. Ein anderes Mal wurde der Alarm im Wellenbad ausgelöst. Als der Wachmann ankam, planschten drei Jugendliche im Becken. Auch hier kam die Polizei.

Mittlerweile geht es zu einem Geschäft, das von innen kontrolliert werden muss. Jürgen Peters läuft mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die Räume, kontrolliert links ein Fenster, rechts eine Tür. Die Schlüssel an den großen Metallringen erkennt er zielsicher. Außer Atem kommt er nicht, obwohl er ein Tempo vorlegt, bei dem andere auf Dauer nicht mithalten könnten. "Ich habe mal nachgerechnet", sagt er. "Ungefähr 30 Kilometer laufe ich pro Nacht." Das erklärt seine schlanke Statur.

Weiter geht es zu einem Autohaus, wo er bei jedem Fahrzeug auf dem Hof überprüft, ob es verschlossen ist. Da fällt ihm wieder eine Geschichte ein: Einst erwischte er einen Einbrecher, der gerade einen Firmensafe knackte und sich nach einer Verfolgungsjagd ergab. Während der Fahrt zur Polizei wollte er wissen, wie lange denn die Personalienaufnahme in Eckernförde so dauere. Schließlich müsse er noch seinen Zug zurück nach Hamburg bekommen.

Mittlerweile ist Jürgen Peters bei den Stadtwerken angekommen, wo beim Rundgang ums Haus auch die Taschenlampe zum Einsatz kommt. Sie ist seine einzige Waffe, zusammen mit Pfefferspray, das aber noch nie zum Einsatz gekommen ist. Die beste Selbstverteidigung ist seine Menschenkenntnis. "Wenn man nachts Leute auf frischer Tat ertappt, weiß man nach zwei Sätzen, mit was für einem Typen man es zu tun hat, und stellt sich drauf ein." Zwar hat er eine Ausbildung in Selbstverteidigung - anwenden musste er seine Kenntnisse jedoch noch nicht. Und wenn mal jemand pöbelt? "Einfach wegstecken. Es ist weder ratsam noch intelligent, darauf zu reagieren."

Mittlerweile ist es Mitternacht. Die Zeit hat sich seinem Tempo angepasst und ist im Eilschritt zerronnen. 14 Objekte hat er überprüft und hat noch sechs Stunden vor sich. Bei vielen wird er noch ein- oder zweimal in dieser Nacht vorbeischauen und vielleicht einen Einbrecher abschrecken, bevor er morgens um 6 Uhr in den Feierabend gehen kann.

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