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Der andere Arbeitsmarkt: Wiedereinstieg in den Beruf wird schwieriger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eckernförde tickt anders – nicht nur im Tourismus. Auch die Agentur für Arbeit in Neumünster, zu der die Eckernförder Geschäftsstelle seit einem Jahr gehört, hat festgestellt, dass das Ostseebad mit seinem Tourismus in seiner Arbeitsstruktur anders geprägt ist als der Rest des Bezirks. In Eckernförde liegt die Arbeitslosenquote mit sechs Prozent über dem Durchschnitt des Kreises Rendsburg-Eckernförde (5,4 Prozent), aber unter dem Landesschnitt von 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat August (6,2 Prozent) ist die Arbeitslosenquote leicht gesunken, im Vergleich zum Vorjahr (5,7 Prozent) leicht gestiegen.

Bei näherer Betrachtung ist die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld I, also die Zahl der Menschen, die weniger als ein Jahr arbeitslos sind, im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent gestiegen. Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II – größtenteils Langzeitarbeitslose – ist dagegen sogar um 8,6 Prozent gestiegen. „Das Risiko arbeitslos zu werden, ist nicht größer geworden“, sagte gestern der Leiter der Agentur für Arbeit in Neumünster, Carsten Ludwig. „Die Menschen, die arbeitslos sind, haben es aber schwerer, wieder eine Stelle zu finden.“

Die Gründe sind vielfältig. Besonders der gewerblich-technische Bereich ist vom Weltmarkt abhängig und leidet unter der ungewissen Zukunft auf dem Finanzmarkt. Diese unsicheren Aussichten sind wohl auch dafür verantwortlich, dass die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt nachgelassen hat. „Wir verzeichnen 26 Prozent weniger offene Stellen als noch vor einem Jahr“, sagt Carsten Ludwig, der eine ganz bestimmte Kundengruppe in den Fokus gerückt hat: „Von den arbeitslos gemeldeten Menschen haben 39 Prozent keinen Berufsabschluss, bei den Langzeitarbeitslosen sind es sogar 50 Prozent.“ Und genau hier setzt die Agentur für Arbeit an. „Es geht um die Gruppe, die noch 30 oder 40 Jahre Berufsleben vor sich hat, das kann auch der 35-Jährige sein.“ Durch eine intensive Betreuung mit Beratungsgesprächen durch Berufspsychologen, Testverfahren und Praktika wird genau geprüft, wer das Potenzial für eine Berufsausbildung mitbringt. Diesen Leuten versucht die Agentur oder das Job-Center eine zukunftsträchtige Ausbildung zu ermöglichen.

Generell gelte, dass Betriebe immer mehr bereit sind, auch ältere Arbeitnehmer einzustellen, was aber auch von der Flexibilität der Bewerber abhängt. „Der Markt wird immer mehr zu einem Arbeitnehmermarkt. Man darf aber nicht darauf warten, dass der passende Job von selbst auf einen zukommt.“ Gefragt seien in Eckernförde Berufe aus den Bereichen, Bauen, Gewerbe und Technik, Gesundheit und Tourismus. „Besonders Altenpfleger und Elektriker haben gute Chancen“, sagt Enrique Ruiz-Hampel, Leiter der Eckernförder Geschäftsstelle.

Auf seine und Ludwigs Einladung waren gestern rund 30 Arbeitgeber zu einem gemeinsamen Frühstück in Carls Showpalast gekommen. Die Gespräche außerhalb konkreter Problemlagen wurden gut angenommen.

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erstellt am 02.Okt.2013 | 05:48 Uhr

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