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Pellets als Wärmespender : Deponie-Pläne spalten zwei Nachbardörfer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neu Duvenstedt gegen Lkw-Verkehr zur Pellet-Anlage auf Müllhalde

Alt Duvenstedt | Pellets werden sie genannt, die kleinen, länglich-runden Energielieferanten. Normalerweise werden sie aus Holz oder Nutzpflanzen, wie Mais, hergestellt. Auf dem ehemaligen Deponiegelände in Alt Duvenstedt könnte schon bald eine Anlage entstehen, die überschüssiges Grün zu den Wärmespendern verarbeitet. Die Kieler Firma „Bi.En“ plant den Bau einer modernen Verwertungsanlage für Grünabfälle. Ein möglicher Standort wäre das Deponiegelände in Alt Duvenstedt. Bis 2005 wurde hier Restmüll eingelagert. Die Gemeindevertretung stimmte einer etwaigen Nachnutzung durch „Bi.En“ bereits zu. Ein ausformulierter Antrag der Firma liegt den Gemeindevertretern aber noch nicht vor.

Das Unternehmen betreibt im Moment noch eine Pilotanlage auf dem AWR-Gelände in Borgstedt. Grünabfälle werden hier zu Biogas und Pellets weiterverarbeitet. Mit dem sogenannten BtE-Verfahren („Biomass to Energy“) können so aus überflüssigem Grün holzähnliche Pellets hergestellt werden, mit denen beispielsweise geheizt werden kann. „Ende des Jahres brauchen wir die Fläche, auf der Bi.En agiert, aber selbst“, sagte Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der AWR, so kam unter anderem Alt Duvenstedt ins Spiel. Die notwendige Infrastruktur sei auf dem Deponie-Gelände grundsätzlich vorhanden, sagte Peter Orda (SPD), Bürgermeister der Gemeinde, die bestehenden Gebäude könnten von „Bi.En“ weiterhin genutzt werden. Auch die Bodenwaage auf dem Gelände könnte in Gebrauch genommen werden. Neu hinzukommen sollen laut Orda eventuell zwei große Lagertürme. „Was auf der Deponie lagert wird aber nicht angefasst. Der Sackungsprozess wird nicht gestört werden“, so das Gemeindeoberhaupt. Wann die Renaturierung auf der Deponie selbst abgeschlossen sein wird, könne man nicht genau sagen.

„Wir haben den Weg für einen Antrag der Firma frei gemacht, da es ein zukunftsträchtiges Projekt ist“, erklärte Orda den Entschluss. Alles weitere liege nun aber in den Händen der Firma. Auch die Alt Duvenstedter Wählergemeinschaft (ADW) sprach sich grundsätzlich für das Projekt aus. „Diese Art der Nachnutzung ist aus ökologischen Gründen zu begrüßen“, so Ernst Brune von der ADW.

Die CDU-Fraktion nahm in der Gemeindevertretersitzung hingegen Abstand von der Idee. „Wir vertreten die Meinung, dass das Unternehmen in einem Gewerbegebiet besser angesiedelt wäre“, sagte die Fraktionsvorsitzende, Elke Tiedemann. Das Unternehmenskonzept sei auch im Sinne der CDU, lediglich der Standort störe. Da der Grünschnitt von Straßenrändern und anderen Flächen aus 25 bis 50 Kilometer Umkreis nach Alt Duvenstedt gebracht werden soll, sei mit einem zunehmenden Verkehrsaufkommen im Dorf zu rechnen. Bereits jetzt passieren an Spitzentagen rund 240 Lastwagen täglich die Gemeinde. Durch die neue Anlage könnten es pro Tag rund 20 große Gespanne mehr werden. Kleinanlieferer solle es laut Tiedemann nicht geben. Mehrere Dorfbewohner seien schon auf sie zugekommen, sie könnten nicht nachvollziehen, wieso schon wieder dieser Standort gewählt wurde. Einer der Anwohner habe gegen den Beschluss der Alt Duvenestedter Gemeindevertretung bereits Klage eingereicht. „Wir wollen versuchen, den Verkehr umzuleiten“, sagte Orda. So könnte ein Teil der Lastwagen durch Neu Duvenstedt fahren, um Alt Duvenstedts Dorfstraße zu entlasten. An der möglichen Ausweichstrecke seien nur rund zehn Häuser betroffen, erheblich weniger als in Alt Duvenstedt. Gegen dieses geplante Vorhaben hat die Gemeinde Neu Duvenstedt bereits vorsorglich einen Antrag gestellt.

Laut Tiedemann sei das Verkehrsaufkommen aber nicht das einzige Problem. „Durch die Errichtung der Anlage könnten die Bürger erneut mit einer Geruchsbelästigung konfrontiert werden“, sagte die Fraktionsvorsitzende. Orda gab zu bedenken, dass die eventuellen Gerüche mit der einer Mülldeponie wohl kaum vergleichbar sein werden.

In trockenen Tüchern ist das Geschäft mit der Deponienachnutzung in Alt Duvenstedt noch nicht. „Falls ein Antrag vom Unternehmen gestellt werden sollte, gehen wir davon aus, dass das in den kommenden Wochen passieren wird“, so Bürgermeister Orda.

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