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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 20:20 Uhr

Den Papst als Brieffreund

vom

Jochen-Uwe Kallauch malt Papst Franziskus eine Ikone

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Franziskus - den Namen, den sich der neue Papst gab, hat Jochen-Uwe Kallauch beflügelt. Der Eckernförder malte eine Ikone und schickte sie in den Vatikan - und bekam prompt eine Antwort.

Zum ersten Mal ist mit dem Argentinier Jorge Mario Bergoglio ein Südamerikaner zum Papst gewählt worden. Benannt nach dem heiligen Franz von Assisi, gilt der neue Papst als volksnah, Statussymbole sollen ihm nicht wichtig sein. Der heilige Franziskus lebte in freiwilliger Armut und lehnte große Besitztümer ab. An den neuen Papst hängen viele Menschen große Hoffnungen auf eine Belebung und Öffnung der Kirche - auch Jochen-Uwe Kallauch aus Eckernförde.

Der ehemalige evangelische Pastor malt seit 15 Jahren Ikonen - eigentlich Heiligenbilder der Ostkirche. Über ein Seminar in einem christlichen Einkehrhaus, in dem seine Tochter arbeitete, geriet er vor 25 Jahren in Kontakt mit der Malerei und fing gleich Feuer. 150 Ikonen hat er seitdem gemalt, eine davon hängt unter anderem in der St.-Nicolai-Kirche.

"Der Name des neuen Papstes hat mich sehr angesprochen", sagt der 75-Jährige. "Mit Franziskus kann man große Hoffnungen verknüpfen." Deshalb beschloss Jochen-Uwe Kallauch, eine Franziskus-Ikone zu malen und sie dem Papst zu schicken. "Ich wollte aber weder den Franz von Assisi als Prediger der Vögel noch den Mönch mit den Wundmalen Christi malen, sondern einen, der zum Ausdruck bringt, was der Papst durch seine Namenswahl und sein Auftreten für einen Eindruck auf mich gemacht hat." So fand er nach einigem Suchen eine Abbildung eines Freskos von Giotto die Bonbone, das er zwischen 1296 und 1300 in der Kirche S. Francesco in Assisi malte. Das diente Jochen-Uwe Kallauch als Vorlage.

Warum ein evangelisch-lutherischer ehemaliger Pastor dem Papst eine Ikone malt? "Der Papst hat eine wichtige Aufgabe für die ganze Kirche in der Welt", sagt Kallauch, der in der Bedeutung des Glaubens keine zu enge Grenze zieht. "Ich bin auch mit unserem ehemaligen katholischen Pfarrer Koffner gut befreundet."

Etwa 60 Stunden saß Jochen-Uwe Kallauch an der 28 mal 30 Zentimeter großen Ikone, die er mit Kasein-Farben auf Holz gemalt hat, nachdem er eine Vorlage mit Nadeln in das Holz geritzt hatte. Seine Enkeltochter suchte über das Internet die Adresse des Vatikans heraus - am 2. Mai ging die Ikone mit einem kurzen Brief per Post auf die Reise. Schon am 11. Mai dann die Antwort mit dem Absender "Aus dem Vatikan": "Mit Freude hat Seine Heiligkeit Ihre guten Worte und diese aufmerksame Gabe entgegengenommen. Der Heilige Vater sagt Ihnen für diesen Ausdruck Ihrer Verbundenheit herzlichen Dank und bittet Sie, seinen Hirtendienst weiterhin durch Ihr Gebet zu begleiten." Für Jochen-Uwe Kallauch eine große Freude. Dass der Brief von einem Assessor geschrieben und in Berlin statt im Vatikan abgestempelt wurde, stört ihn nicht weiter: "Ich bin jetzt mit dem Papst befreundet", scherzt er und weiß genau, dass seine Ikone nicht gerade über dem Schreibtisch des Papstes hängen, sondern wohl eher in einem Archiv verschwinden wird.

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