Den Kastanien geht der Saft aus

Baumpfleger Isaak Bertsch zeigt Astrid Kuhr von der Stadtgärtnerei den Pseudomonas-Bakterienbefall an einem abgesägten Ast aus der Krone der Kastanie. Betroffen ist die gesamte Krone. Fotos: Kühl
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Baumpfleger Isaak Bertsch zeigt Astrid Kuhr von der Stadtgärtnerei den Pseudomonas-Bakterienbefall an einem abgesägten Ast aus der Krone der Kastanie. Betroffen ist die gesamte Krone. Fotos: Kühl

Stadtgärtnerei befürchtet flächendeckenden Gefährdung des Bestandes wegen Pseudomonas-Befall / Brand-Kastanie wohl nicht zu retten

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16. Mai 2019, 17:13 Uhr

Eckernförde | „Exitus!“ Für Baumpfleger Isaak Bertsch aus Hütten ist der Fall klar. Die bei der Brandstiftung am 29. Juni 2018 am denkmalgeschützten Reetdach-Kiosk am Vogelsang mit angebrannte Kastanie im Borbyer Park an der Uferpromenade hat keine Überlebenschance mehr. Bertsch hat gestern die gesamte Krone des geschädigten Baumes untersucht und dabei einen flächendeckenden Befall der Äste und Zweige mit Pseudomonas-Bakterien festgestellt. „Die Rinde platzt, die Pilze dringen ein, das ist ein Zeichen, das der Baum stirbt“, sagt Bertsch. Ein bis zwei Jahre könne der Baum noch von den eingelagerten Reserven leben und Blätter austreiben, doch der Absterbungsprozess sei nicht mehr aufzuhalten. Nur starke und vollkommen gesunde Kastanien könnten den Kampf gegen den Pseudomonas-Befall überleben, die Kastanie am Borbyer Ufer jedoch nicht. Zur Brandschädigung des Kambiums (Wachstumsschicht unter der Baumrinde) und des gesamten Kronengehölzes kämen ein ungünstiger Standort mit einer teilversiegelten Promenadenfläche sowie das extrem trockene vergangene Jahr als Negativeinflüsse hinzu. Und auch in diesem Jahr setzt die Trockenheit den Bäumen und Pflanzen bereits mächtig zu.

Da von der Kastanie aber keine akute Gefährdung ausgeht und das Totholz herausgeschnitten wurde, soll der Baum frühestens im Herbst mit Beginn der Bauarbeiten zum Wiederaufbau des abgebrannten Kiosks und des daneben geplanten, separaten Neubaus mit WC und Lager gefällt werden, sagte der Baumpfleger.

Eine abschließende Entscheidung gibt es allerdings noch nicht. Nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises soll die Kastanie den Sommer über beobachtet und danach entschieden werden, wie mit ihr weiterverfahren werde. Die Leiterin der Stadtgärtnerei, Sylvia Bent, wies allerdings auf den sehr schlechten Zustand der circa 60 Jahre alten Kastanie hin. Der Baum werde wie auch die übrigen allesamt geschädigten Kastanien im Borbyer Park und ihm gesamten Stadtgebiet genau beobachtet und gepflegt, um so viele wie möglich zu erhalten. „Die Kastanien haben alle was und kämpfen ums Überleben“, sagt Bent. Die Miniermotte, der Trockenstress und vor allem der Pseudomonas-Bakterienbefall mit anschließendem Pilzbefall setzten den Bäumen stark zu. Sobald es Statikprobleme gebe, sich Risse zeigten und ein vorzeitiger Blattfall einsetze und der Baum umzustürzen drohe, sei Gefahr im Verzug und müsse schnell reagiert und gefällt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, erklärte Bent.

Die anhaltende Trockenheit setzte den Bäumen und Pflanzen stark zu, sagte die Leiterin der Stadtgärtnerei. „Es sieht zwar noch alles schick aus, es wird aber sehr eng. Wie brauchen jetzt Dauerregen über mehrere Tage.“ Man versuche mit Bewässerungssonderschichten dagegenzuhalten. Sylvia Bent bittet die Bürger, beim Bewässern ihrer Pflanzen auch an die städtischem Bäume und Pflanzen zu denken und diese mitzuversorgen.

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