Dauerregen : Den Bauern steht die Gülle bis zum Hals

Der Güllebehälter am neuen Kuhstall ist schon gut gefüllt. Er hat ein Fassungsvermögen von 3000 Kubikmetern.
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Der Güllebehälter am neuen Kuhstall ist schon gut gefüllt. Er hat ein Fassungsvermögen von 3000 Kubikmetern.

Die Güllebehälter sind randvoll, weil die Bauern den Dünger wegen der Regenmassen nicht auf die Felder bringen konnten.

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06. Januar 2018, 06:16 Uhr

Friedenstahl | Mit einem Kontrollgang in den Stall zu den Kühen und Kälbern fängt für Dennis Anders jeder Morgen an. Danach folgt aber gleich der Blick in den Wetterbericht. Denn seit Wochen schaut der junge Landwirt aus Friedensthal fassungslos auf die Seenlandschaft, in die sich seine Felder verwandelt haben. Ihm und seinen Kollegen steht die Gülle so langsam bis zum Hals. Die Landwirte sind Kummer gewohnt, die Preiskrise am Milchmarkt und jetzt die Ernteausfälle und überfüllte Güllebehälter.

Aufgrund der anhaltenden Niederschläge konnten die Landwirte seit Monaten keine Gülle fahren. Die schweren Trecker-Güllefass-Gespanne hätten den Äckern und Wiesen tiefe Schäden zugefügt oder sich festgefahren, und in den nächsten Wochen könnten Frost oder Schnee der Gülleaufbringung einen Riegel vorschieben.

Einige Landwirte sparen bei den Lagerkapazitäten

Dennis Anders, der gemeinsam mit Vater Jörg und Großvater Klaus den Hof bewirtschaftet, nutzt schon seit Jahren die Möglichkeit einer Fristverschiebung bei der Gülleaufbringung. Dafür stoppt der 24-Jährige im Herbst diese zwei Wochen früher, um schon Mitte Januar wieder damit anzufangen. Doch das nützt ihm in diesem Jahr vermutlich nichts.

Während viele seiner Kollegen schon jetzt keinerlei Kapazitäten mehr für ihre Gülle haben, hat die Familie Anders in ihrem Betrieb in der Langen Linie vorgesorgt. 1980 wurde der erste Güllebehälter mit einem Fassungsvermögen von 750 Kubikmetern errichtet, 1996 kam ein zweiter dazu, der weitere 1000 Kubikmeter lagern kann. „Als wir 2011 den dritten Kuhstall gebaut haben, wurde ein drittes Becken für 3000 Kubikmeter gleich mit beantragt“, berichtet Anders. Damit sei man jetzt für die Gülle der rund 160 Kühe gut gewappnet.

Dennis Anders: „Jedes Jahr werden es weniger Landwirte, da muss man zusammenhalten.“
Foto: Achim Messerschmidt

Dennis Anders: „Jedes Jahr werden es weniger Landwirte, da muss man zusammenhalten.“

 

Seit einigen Jahren nimmt der Anders’sche Betrieb auch die Gülle von Landwirten aus der Region auf. Dass Dennis Anders seinen Kollegen aus der Patsche hilft, ist für ihn selbstverständlich. „Jedes Jahr werden es weniger Landwirte“, sagt er, da müsse man zusammenhalten, erklärt er seine Solidarität mit der Branche. Dennis Anders weiß aber auch, dass einige Landwirte bei den Lagerkapazitäten bewusst gespart haben. Denn Geld lasse sich eben nur mit dem Milchviehbestand machen.

Noch viel länger kann aber auch Dennis Anders nicht auf einen Wetterumschwung hoffen. „Bis Ende Februar habe ich noch Kapazitäten“, sagt er, dann müsse auch er sehen, wie er die Gülle loswird. Ein Wust an Richtlinien und Paragrafen würde den Landwirten das Leben schwer machen. Daher ist er froh, dass das Landwirtschaftsministerium den Bau von Gülle-Lagunen ermöglicht hat (wir berichteten). Und das mit einem vergleichsweise geringen bürokratischen Aufwand.

Neue Verordnung fordert Umrüstung von Güllefahrzeugen

15 Landwirte im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben diese Notlösung schon beantragt. Die Erdgrube muss mit Kies und einer Folie ausgekleidet werden. Die Größe darf 1000 Kubikmeter nicht überschreiten. Diese Güllelager dürfen zu 80 Prozent befüllt werden. Bei der Wahl des Standorts sind Mindestabstände zu Gewässern und die Höhe des Grundwasserspiegels zu beachten. Die Nutzung ist auf sechs Monate begrenzt, dann muss der Rückbau erfolgen.

Rund 160 Milchkühe leben auf dem Hof der Familie Anders in Friedensthal. Hinzu kommen etwa 200 Kälber pro Jahr.
Foto: Achim Messerschmidt
Rund 160 Milchkühe leben auf dem Hof der Familie Anders in Friedensthal. Hinzu kommen etwa 200 Kälber pro Jahr.
 

Und wenn sich Dennis Anders nicht gerade über das Wetter ärgert, dann macht er sich bereits Gedanken über die Gülleaufbringung in den nächsten Jahren. Denn es steht eine Reform ins Haus, die die Landwirte vor große Herausforderungen stellt. Die neue Verordnung erfordert eine neue Technik bei der Gülleausbringung. Ab 2020 muss die Gülle auf Ackerland und 2025 auf Grünland bodennah ausgebracht werden. Das bringt eine Umrüstung der Güllefahrzeuge oder eine Erweiterung des Fuhrparks mit sich. Für kleine Betriebe sei das kaum zu stemmen, meint Dennis Anders. Schon jetzt führe er deshalb Gespräche mit Unternehmen, die diese Technik vorhalten. So ist es also nicht nur das Tagesgeschäft, sondern zur Zeit auch Gesetze, Novellen und Reformen und das damit verbundene Mehr an Bürokratie, die bei den Landwirten zu Stimmungsschwankungen führen.


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