zur Navigation springen

Ein Buch über eine schwere Zeit : Demenz – ein langer Abschied

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach dem Tod ihres Vaters schreibt Bettina Tietjen ein Buch über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit Demenz. Titel “Unter Tränen gelacht“. Darin schildert Tietjen ihren langen Abschied von ihrem erkrankten Vater.

Strande | Ein Thema, das uns alle betrifft irgendwie: Demenz. Radio- und Fernsehmoderatorin Bettina Tietjen aus Hamburg hat gerade ein sehr persönliches Buch mit dem Titel „Unter Tränen gelacht - Mein Vater, die Demenz und ich“ zum Thema geschrieben. Darin erzählt sie die Geschichte eines schweren aber auch schönen Abschieds von ihrem an Demenz erkrankten Vater. Eine Zeit, die sie, wie sie sagt, auch als Bereicherung empfunden hat.

Am Sonntag stellte sie als Ehrengast beim dritten Ladies Lunch des FDP-Ortsverbands Strande im Hotel Acqua den knapp 60 weiblichen Gästen sich und das Buch vor. Für die FDP-Ortsverbandsvorsitzende Annette Marberth-Kubicki auch persönlich eine Freude. „Wir kennen uns“, verriet sie. Bettina Tietjen habe ein Wochenendhaus hier in der Gegend. Sie seien fast Nachbarn. Gut gelaunt begrüßte Bettina Tietjen die Frauen. „Genau meine klassische Zielgruppe“, stellte sie sofort fest. Frauen seien die, die sich kümmern, während Männer da mehr Berührungsängste hätten. Das sei ihre Erfahrung, auch aus ihren Lesungen. 80 Prozent der Zuhörer seien Frauen zwischen 40 und 60. Sie erzählte flott etwas aus ihrem Leben. 1960 in Wuppertal geboren, studierte sie Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Münster und Paris, sei eher zufällig zu Radio und Fernsehen gekommen. Sie verdiente das Geld, ihr Mann blieb zu Hause und kümmerte sich um ihre mittlerweile erwachsenen Kinder. Ihren Beruf liebt sie, sieht es als Herausforderung, das Liebenswerte in den Menschen zu entdecken. Beruflich privilegiert, ist soziales Engagement für sie selbstverständlich. Sie setzt sich als Schirmherrin des Ronald McDonald Hauses Kiel und des Hospizes für Hamburgs Süden für Familien schwerkranker Kinder ein und moderiert Wohltätigkeitsveranstaltungen. Mit ihrem Buch möchte sie das Thema Demenz noch mehr in die Öffentlichkeit bringen. „Man sollte mehr darüber reden“, ist sie überzeugt. „Es ist eine Welt, die viele gar nicht kennen.“ Es ist ein sehr persönliches Buch, in dem sie von der Demenzerkrankung ihres Vaters erzählt. Vom ersten Tüdeln bis zur totalen Orientierungslosigkeit. Offen und liebevoll beschreibt sie die Achterbahn ihrer Gefühle, einen geliebten Menschen zu verlieren, aber auch ganz neu kennenzulernen, und die vielen komischen Momente, in denen sie trotz allem herzhaft zu-sammen lachen konnten. Eine Zeit, in der sie lernen musste, dass Demenz ein Zustand ist, der ganz allmählich von einem vertrauten Menschen Besitz ergreift. Zuerst merkt man es nicht, dann will man es nicht wahrhaben. Schließlich muss man lernen, es zu akzeptieren. „Durch diese Demenz bin ich meinem Vater viel näher gekommen“, sagte sie. Er habe in der Krankheit mehr Emotionalität entwickelt, sei offener und fröh-licher geworden. „Wir haben so viel Spaß gehabt, wie in den 30, 40 Jahren zuvor nicht.“

Das Buch hat sie erst nach dem Tod des Vaters geschrieben. Aber während der Zeit hat sie Notizen gemacht, Zeichnungen und Fotos aufbewahrt. Dann las sie den Prolog. Schildert darin die tragische aber auch komische Szene, wie sie den 86-jährigen Vater aus der Obhut seiner betrunkenen, lettischen Pflegerin von Wuppertal in ein Pflegeheim nach Hamburg holte. „Ein Aufbruch ins Unbekannte“, schreibt sie. „Ein langer Abschied beginnt. Für zwei Jahre und sieben Monate…“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 06:24 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen