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Dem Himmel so nah: Ein erhebendes Konzerterlebnis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit John Rutter und Benjamin Britten auf musikalischem Höhenflug in der voll besetzten Nicolaikirche

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Am Nikolaustag hatte „Xaver“ diesem Konzert noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Sonnabend wurde Versäumtes in der St. Nicolai-Kirche nachgeholt – und wie. Das Konzert mit Werken von John Rutter und Benjamin Britten wurde zu einem der eindrucksvollsten Konzerte in diesem Gotteshaus. Gegen 17 Uhr war im Kirchenraum kein Platz mehr – so voll hatte man St. Nicolai wohl selten gesehen.

Allein die Sänger und Instrumentalisten waren so zahlreich vertreten, dass für die Gäste noch zusätzliche Stühle herbeigebracht werden mussten. Der heimische St.-Nicolai-Chor hatte Verstärkung aus Flensburg erhalten, es spielte das Ensemble Ars Musica (ebenfalls aus Flensburg), an der Orgel gastierte Sebastian Schwarze-Wunderlich aus Heide, für den erkrankten Tenor Nicholas Smith aus London war sehr kurzfristig Christoph Wittmann aus Mannheim angereist. Die Sopranistin Marret Winger aus Hamburg entsprach der Ankündigung, ebenso die Solistinnen auf der Empore: Kristin Baurmeister, Bettina Heesch, Marie Homrighausen, Almut Krause, Vivian Morrison, Iris Siegmanski und Eva Stenbach. So viele Stimmen, so viele Instrumente – und alles lag in den ruhigen Händen einer allem Anschein nach völlig gelassenen Kirchenmusikdirektorin: Katja Kanowski inspirierte die Musiker mit traumwandlerischer Sicherheit zu einem glanzvollen Gesamtkunstwerk.

Zunächst erklang das „Magnifikat“ (1990) von John Rutter (*1945 in London). Ein fröhliches Magnifikat, in Englisch und Latein gesungen, ein Spitzentuch für Ohr und Herz, eine Musik mit zumeist sanftem, melodischen Charakter, gern rhythmisch und sehr eingängig. Die musikalisch so gewinnende Geschichte der Gottesmutter Maria, „lovely rose“, die wunderbare Stimme der Solistin, die „Gloria Patri“ mit Orgel und Pauken, mit Gesamteinsatz aller verfügbaren Instrumente und Stimmen war überwältigend.

Die Pause mit Gesprächen, Schnittchen und Wein wurde mit drei massiven Orgelakkorden beendet. Die richtige Einstimmung für Teil zwei, der mit Akkorden aus Benjamin Brittens „Saint Nicolas Cantata“, begann. Britten ( * 1913, + 1976, UK), einer der größten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts, beschreibt das Leben des Heiligen Nikolaus in großer musikalischer Bandbreite: „Kammermusikalische Abschnitte, instrumentalkonzertante Andeutungen, englische Kirchenmusiktradition, aber auch opernhafte Theatralik,“ umriss es Organist Schwarze-Wunderlich so treffend. Sogar Dreivierteltakt und Volkstümliches begleiten Nikolaus auf seinem Lebensweg, der liebevoll über alle Stationen ausgebreitet wird.

Mit zwei Chorälen dürfen sich auch die Gäste stehend am Geschehen beteiligen, und die ganze Kirche bebte: So klanggewaltig, so viel von dem, was unter die Haut geht, was einen aufwühlt und über den Alltag hebt. Dem Himmel so nah, der Süße, der Dramatik und der akustischen Gewalt der Musik so ausgeliefert. Da soll man mit den Füßen erst mal wieder auf den Boden kommen.


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