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Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 05:02 Uhr

Deeskalation

vom

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wenn Waffen sprechen, dann schweigt die Vernunft. Die Krise auf der koreanischen Halbinsel zeigt, dass nicht erst der Einsatz von Waffengewalt unvernünftig ist, sondern bereits die Ankündigung. Durch wechselseitige Drohungen kann eine Situation eskalieren, wo bei vernünftiger Betrachtung alle Beteiligten an einer Deeskalation interessiert sein müssten.

Nordkoreas Regierungschef Kim Jong Un setzt die fatale Politik seiner Vorgänger fort und bedroht die Welt mit einem Atomschlag. Vieles spricht dafür spricht, dass seine Motive eher innenpolitischer Art sind. Von außen lässt sich dies jedoch kaum sicher beurteilen.

Die Situation in Nordkorea braucht eine Politik, die dem Land einerseits deutlich Grenzen aufzeigt und vor allem aber auf Deeskalation statt Muskelspiele setzt. Daher ist es unvernünftig, dass ausgerechnet jetzt, wo sich die Lage langsam zu entspannen schien, die USA gemeinsam mit Südkorea eine Militärübung starten und Kriegsschiffe in Position bringen. Kim Jong Un bekommt damit die passende Begründung für weitere Drohungen auf dem Silbertablett serviert.

So wie auch Nordkorea lernen muss, dass sich Probleme nicht militärisch lösen lassen und dass man sich mit Drohungen auch in einen Krieg hineinreden kann, müssen der Westen und Südkorea lernen, auf Augenhöhe mit Nordkorea zu verhandeln und ihrerseits auf Drohungen zu verzichten.

China beispielsweise kann - bei aller berechtigter Kritik an dessen Außenpolitik - derzeit als einzige Großmacht, die überhaupt einen relevanten Einfluss in Nordkorea geltend machen. Die unmissverständliche und nachdrückliche Forderung Chinas an Kim Jong Un, das Kriegsgerede zu beenden, hatte ebenso Wirkung gezeigt, wie der einmütige Beschluss von Sanktionen im UN-Sicherheitsrat.

Das war ein erster Schritt. Im Mittelpunkt muss jedoch die baldige Aufnahme von Verhandlungen über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel stehen. Die Bundesregierung könnte als sinnvollen Beitrag chinesische Aktivitäten zur Deeskalation zwischen den Konfliktparteien in Korea unterstützen. Dem Frieden wäre damit jedenfalls mehr gedient als mit dem Auffahren von Kriegsgerät.

Die Situation in Korea zeigt aber auch, wie wichtig es ist, Atomwaffen generell zu ächten - nicht nur in Nordkorea, sondern überall auf der Welt. Objektiv sind die Atomarsenale der USA, Frankreichs oder Großbritanniens ebenso bedrohlich wie das Nordkoreas. Auch sie könnten die Erde tausendfach zerstören. Die Logik "Wir dürfen Atomraketen haben, ihr nicht" ist eine Hypothek, die jeden Kompromiss schon vor dem Beginn von Verhandlungen belastet.

Käme aus dem Westen eine plausible Initiative zur Verschrottung aller Atomwaffen, ließe sich auch mit der nordkoreanischen Regierung besser über Frieden verhandeln. Dies wäre mit Sicherheit vernünftig.

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