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Erhöhung der Flüchtlingsquote im amt schlei-ostsee : Das Ziel bleibt: Integration im Wohnumfeld

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Statt bisher 197 wird eine Zuweisung von 357 Flüchtlingen bis Ende 2015 erwartet. Das Amt bekräftigt, die Qualität der Betreuung und der Unterbringung weiterhin zu gewährleisten sowie die enge Zusammenarbeit mit den Willkommenskreisen zu intensivieren.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 04:13 Uhr

Angesichts der zu erwartenden steigenden Flüchtlingszahlen für das Land hat der Kreis gestern die Quote auf 5000 Asylbewerber bis Ende des Jahres erhöht. Das bedeutet, dass auch im Amtsbereich mehr Personen untergebracht werden. Statt für bisher 197 müssen jetzt für 357 Flüchtlinge Wohnraum und Betreuung gewährleistet sein. „Ja, das ist eine Aufgabe, die äußerst schwer zu schaffen ist“, räumt René Kinza, Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes, auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Fügt aber sofort hinzu, dass er sicher sei, dass diese Herausforderung im Amtsgebiet in enger Zusammenarbeit seiner Behörde mit den Willkommenskreisen in den Gemeinden zu bewältigen sei.

Seit gestern leben 139 Flüchtlinge in den amtsangehörigen Gemeinden. Das bedeutet, dass das Amt noch mit der Zuweisung von 218 Personen rechnen muss. Einschließlich freier Wohnungen und neu angemieteter Wohnungen in Winnemark, Waabs, Dörphof verfügt das Amt jetzt über Wohnungen für 115 Flüchtlinge. Der Umbau des ehemaligen Amtsgebäudes in Vogelsang-Grünholz werde bereits um den 20. Oktober fertig sein, so dass dort neuer Wohnraum für 16 Asylsuchende entsteht. „Es besteht ein Restbedarf an Wohnungen für 103 Personen“, so Kinzas Rechnung.

Das Arbeit arbeitet mit Hochdruck daran, neue Unterkünfte zu finden. Dabei bleibt es seiner Linie der dezentralen Unterbringung treu. „Trotz der erhöhten Aufnahmequote ist es das ausgesprochene Ziel der Verantwortlichen der Amtsverwaltung, die Qualität der Unterbringung und die Betreuung nicht zu verringen“, erklärte Uwe Satriep, erster stellvertretender Amtsdirektor.

Knapp 19  000 Menschen leben in den Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee. „Wenn wir die Flüchtlinge vernünftig in der Fläche verteilen, fällt das gar nicht auf“, ist sich Kinza sicher, „wenn wir sie geballt unterbringen, fällt uns das auf die Füße.“ Aus diesem Grund könne man gar nicht genug die ehrenamtliche Arbeit der Willkommenskreise schätzen. Denn die Arbeit beginne in dem Moment, in dem die Neuankömmlinge ihr Quartier beziehen. „Uns geht es um die Integration im Wohnumfeld“, bekräftigt der Sachgebietsleiter, und dieses sei nur über Sprachkenntnisse möglich. Aus diesem Grund wird das Angebot an Deutschkursen in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen in Kürze vergrößert, damit die Flüchtlinge rechtzeitig mit dem Erlernen der Sprache beginnen können. Die Steigerung der Zuweisungsquote bedeutet auch die Erhöhung der Stunden für die Sozialarbeiter, „um eine enge Betreuung gewährleisten zu können“, erklärt René Kinza.

Für den Fall, dass es Probleme in der Wohnraumbeschaffung gibt, hat das Amt mit dem Ostsee resort Damp einen Rahmenvertrag geschlossen, um kurzfristig Personen in leer stehenden Personalappartements unterbringen zu können. „Aber das ist wirklich nur eine Notlösung“, stellte Kinza klar.

Dem kursierenden Gerücht, der Behauptung, das Amt zahle überhöhte Mieten, erteilte er eine entschiedene Absage. Man zahle den ortsüblichen Mietpreis. Es gebe eine einmalige Betreuungspauschale von 900 Euro, die das Amt unter anderem für die Intensivierung der Deutschkurse verwende. Die Kosten für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge regele das Asylbewerberleistungsgesetz. 70 Prozent zahle der Bund, 30 Prozent das Land. Zwar hätten Umbauvorhaben und Erstausstattungen von Wohnungen zunächst eine Mehrbelastung des Amtshaushaltes zur Folge, doch in zwei bis drei Jahren rechne er mit einem Ausgleich durch die Mieteinnahmen.

Letztendlich sei die Betreuung der Flüchtlinge eine Aufgabe, die nur in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung möglich sei. Aus diesem Grund lehnt Kinza jedes Vorhaben, das nach „Zwangsmaßnahme“ aussieht, wie Beschlagnahmung leer stehender Ferienhäuser oder -wohnungen, ab. Auch die aufkommende Meinung, dass die Kommunen ein Vorkaufsrecht für Wohneigentum erhalten sollten, teilt er nicht. Um den Bedarf an Wohnraum für 2016 zu decken, werde der Amtsausschuss sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema Neubau von Unterkünften beschäftigen müssen, so Kinza und Satriep. Er macht noch einmal deutlich, dass ohne eine „konsequente zeitnahe Rückführung von ausreisepflichtigen Personen“ eine Unterbringung neuer Flüchtlinge schwierig werde.

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