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URALTES SIEDLUNGSGEBIET : Das Windebyer Noor – Schauplatz der Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die AG Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft bringt eine neue Dokumentation des Naturraums heraus. Das Archäologische Landesamt signalisiert Interesse an der Grundlagenarbeit.

von
erstellt am 15.Jun.2016 | 06:37 Uhr

Eckernförde | „Nach zwei Jahren Schreibtischarchäologie juckt es in den Fingern, wieder rauszugehen“, sagt Norbert Biermann. Der Hobby-Archäologe und ehrenamtlicher Vertrauensmann für archäologische Kulturdenkmale sucht am liebsten gezielt im Erdreiche nach den Spuren der Vergangenheit. Diese Leidenschaft teilt er mit Jutta Fenske und Joachim Sebastian, zusammen bilden sie die Arbeitsgruppe Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft. Zwei Jahre lang hat die kleine, aber feine Arbeitsgruppe wichtige Vorarbeiten für mögliche künftige Forschungsarbeiten rund um das Windebyer Noor geleistet. Die Wissenschaftler des Archäologischen Landesamt und die Ur- und Frühgeschichtlicher haben bereits reges Interesse an der Grundlagenarbeit der Eckernförder signalisiert, sagte AG-Chef Sebastian jetzt bei der Übergabe des ersten Exemplars der 68-seitigen Erklärschrift „Hintergründe und Wissenswertes der Landschaft und Kultur am Windebyer Noor“ an Bürgermeister Jörg Sibbel. Die Broschüre wird in etwa 14 Tagen gegen eine geringe Schutzgebühr bei der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG) erhältlich sein.

Motiviert, kompetent, produktiv – so könnte man die dreiköpfige Arbeitsgruppe der Heimatgemeinschaft Eckernförde beschreiben. Nach der Vorstellung von neun Rad- und Wandertouren rund ums Windebyer Noor (siehe EZ v. 27. Mai) und einer professionell aufbereiteten und von Grafikerin Katharina Mahrt gestaltete Broschüre über die 15 am Noor aufgestellten Motivtafeln liegt nun in Kürze ein kleiner Noor-Brockhaus vor, in dem Interessierte noch viel mehr über die Entstehung, Besiedlung und Entwicklung der früheren Meeresbucht, die heute nur noch über die Süderhake mit der Ostsee verbunden ist, erfahren. Diese auch optisch attraktive Aufarbeitung fußt auf den Forschungen und Aufzeichnungen des Eckernförder Gymnasiallehrers Hans Jockisch, der mit seinen Schülern 30 große Muschelhaufen gefunden und kartiert hat. Es gibt noch weit mehr davon, sagt Joachim Sebastian, die 2000 Jahre alte Siedlungsbeweise liegen mittlerweile bis mehrere Meter tief im Erdreich. Sebastian, Biermann und Fenske geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie kenntnisreich über die Besonderheiten des Windebyer Noores berichten. Da ist von „Großstrukturen“ wie dem Osterwall als Grenzwall des Danewerks zur Sicherung der Halbinsel Schwansen die Rede, von Nebenwällen auf Christianshöh, jeder Menge Hügelgräber aus der Bronzezeit und Schlagplätze zur Gewinnung von Flintsteinen rund um den Hof Schnaap, wo bis 1920 auch eine alte Wassermühle betrieben wurde. Das alles zeigt, dass das Gebiet zwischen der Großen Breite der Schlei und dem Noor „seit mindestens 5000 Jahren ein uraltes Siedlungsgebiet ist“, sagt Norbert Biermann. Sogar 7500 Jahre alt ist eine Geweih-Ritzfigur, die Hobby-Archäologe Jockisch im Baggergut des Kranzfelder Hafens fand und die den ersten Eckernförder zeigt. Gefunden wurden auch ein Einbaum und ein mittelalterlicher Kugeltopf zum Kochen. Für Norbert Biermann verfügt der Naturraum Windebyer Noor über drei Alleinstellungsmerkmale: die 60 dokumentierten Moorleichen im Altkreis Eckernförde, die Vielzahl der Muschelhaufen und der Osterwall als Teil des Danewerks. „Das sind drei archäologische Diamanten, die es nur hier gibt“, so Biermann.

Auch Dr. Telse Stoy, Vorsitzende der Heimatgemeinschaft, scheut keinen Vergleich mit einem Schmuckstück. Für sie ist das Noor „die Perle von Eckernförde“. Durch die Arbeit der Projektgruppe werde dieser Naturraum wirkungsvoll „in Wert gesetzt“.

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