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LESUNG MIT HANNES NYGAARD : Das Verbrechen vor der eigenen Tür

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Nordfriese las am Freitag aus seinem neuen Krimi „Nacht über den Deichen“ in der Buchhandlung Liesegang. Das Publikum freute sich über eine spannende Unterhaltung.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 05:23 Uhr

Premierenstimmung herrschte im Liesegang. Mehr Krimifans als erwartet waren am Freitagabend in die Buchhandlung gekommen, um bei der Vorstellung von Hannes Nygaards („Tod in der Marsch“) Jubiläumskrimi dabei zu sein. Zum 30. Mal lässt Nygaard, der wie sein kriminalistisches Ermittlerteam Johannes und Große Jäger auch „hinterm Deich“ auf der Insel Nordstrand lebt und arbeitet , in „Nacht über den Deichen“ die Region zum literarischen Schauplatz seiner erfolgreichen Reihe „Hinterm Deich Krimi“ werden.

Beliebt ist diese Krimiserie bei ihrer Leserschaft vor allem wegen ihres authentischen Regionalbezugs und ihrer inhaltlichen Raffinesse, dass Nygaards Fälle die scheinbare ländlich-nordfriesische Idylle stören, indem sie sich direkt vor der eigenen Haustür ereignen und somit jedermann jederzeit widerfahren können.

Der Autor Nygaard hat literarisch und auch im wahren Leben Freude daran, die Erwartungshaltung zu unterlaufen, und so begrüßte er das auf seinen neuen Fall gespannte Publikum auch zunächst mit einem kräftig sonoren „Grüß Gott“. Stille im Saal. Weil prompt keine Entgegnung aus dem dichtbesetzten Publikumsraum zurückkommt, versucht er es erneut mit dem eher gängigen „Moin“ und wird diesmal nicht enttäuscht. „Moin“ kommt es deutlich zurück, und die Stimmung für den bevorstehenden Lesungsabend ist da. Trotz des ernsthaften Krimi-Themas Einbruchsdiebstahl, das, so Nygaard, „uns allen auf der Seele liegt“, lässt es sich der Autor, der eigentlich Rainer Dissars-Nygaard heißt, nicht nehmen, die Lesung aus seinem jüngsten Kriminalfall immer wieder kurz zu unterbrechen, um entweder aus dem motivischen Nähkästchen zu plaudern, Hinweise zum sozio-kulturellen Kontext der Nordfriesen zu geben oder von seiner Recherchearbeit zu erzählen. Und dies alles mit einem guten Nerv für Humor und Unterhaltung, so dass es nicht lange dauert und die ersten herzhaften Lacher aus dem Publikum zu hören sind. Nygaard eröffnet seine gut zweistündige Lesung, die von einer Pause mit Sekt und Knabbereien unterbrochen wird, mit der rhetorischen Frage, ob nicht jeder das Gefühl in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus kennt, das etwas plötzlich nicht mehr stimmt. Man sich irgendwie unwohl, ja beobachtet fühlt. „Der Bürger fühlt sich in seinem Haus ja sicher. Es ist seine Burg“, skizziert Nygaard treffsicher, wie sehr das persönliche Wohlsein mit der Unversehrtheit der Privatsphäre verknüpft ist. „Wer schon einmal Opfer war, wird sensibler, was Geräusche, Tritte oder das Knacken in den eigenen vier Wänden anbelangt“, erläutert Nygaard. Das beliebte Husumer Ermittlungsteam bekommt es in „Nacht über den Deichen“ also mit einer beängstigenden Einbruchsserie zu tun. Als bei einem Überfall eine Frau vergewaltigt wird, beschließen die aufgebrachten Bürger, sich selbst zu wehren. Zeit für Große Jäger und Johannes, das Heft des Handelns zu übernehmen.

Das Publikum liebt Hannes Nygaard für seine sympathische Gegenwarts- und Alltagsbezogenheit. Auch in seinem Krimiromanen. So ist es beinah selbstverständlich, dass er das beraubte und vergewaltigte Opfer Hildegard Lüttschwager im Husumer Krankhaus von dem syrischen Oberarzt Bassam al Shami behandeln lässt und damit zeigt, dass globale Veränderungen auch in Nordfriesland Einzug gehalten haben.

Dabei legt Nygaard großen Wert auf die Korrektheit der Fakten, wie zum Beispiel Ermittlungsverfahren oder Krankheitsbildern. Immer wieder lässt er sich bei sachkundigen Themen von Fachleuten unterstützen und holt Expertenmeinungen ein. Wie im Fall des Vergewaltigungsopfers Hildegard Lüttschwager, dass nach der Tat an dissoziativer Amnesie leidet und damit bei ihren Angehörigen große Sorgen auslöst.

Mit einer spannenden Story, überzeugend dargestellten Charakteren und messerscharfen, dem Ermittlungsmilieu authentisch entnommenen Dialogen schafft es Nygaard auch diesmal, die richtige Atmosphäre und Spannung aufkommen zu lassen. „Heute habe ich Ihnen schwere Kost serviert, wo wir nicht nach kurzer Zeit die Leiche vorliegen haben“ erläutert Nygaard das Ausbleiben eines Tatgegenstandes. „Sie sehen, vor Ihnen sitzt Hannes Nygaard und nicht Rosamunde Pilcher“ entschuldigt sich Nygaard mit einem Augenzwinkern und rhetorischen Seitenhieb auf die bekannte britische Beststeller-Autorin bei seinem Publikum. Just in diesem Moment fährt vor der Buchhandlung die Polizeistreife vorbei und Nygaard jubelt spontan auf: „Das war so mit der Eckernförder Polizei abgesprochen.“





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