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Militärübung : Das UN-Mandat vor der Haustür

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

3600 Soldaten aus 16 Nationen nehmen an der Großübung „Northern Coasts“ teil. Dabei ist Eckernförde ein wesentlicher Teil des Szenarios.

Eckernförde | Die Lage zwischen Congeria und seinen Nachbarstaaten spitzt sich zu: Die politischen Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen in der Region wachsen, das Land beansprucht eine Meerenge für sich, um Bodenschätze und den Handel zu kontrollieren. Die Sicherheitslage verschlechtert sich. Deshalb hat die UNO ein Mandat erteilt, die Konfliktparteien zu trennen und die Seewege zu sichern. Multinationale Truppen sind in den Nachbarländern gelandet, müssen nun für Ordnung sorgen. Unter anderem in Eckernförde.

Es ist ein fiktives Szenario, das sich seit Sonntag in und an der Ostsee abspielt: Northern Coasts heißt die Militärübung, an der 16 Nationen mit 3600 Soldaten und 36 Schiffen teilnehmen. Seit 2007 üben deutsche, dänische, schwedische und finnische Soldaten ihre Einsatzfähigkeit im internationalen Verbund. Mit dabei sind jedes Jahr auch befreundete Streitkräfte: Esten, Letten und Finnen sieht man hier, aber auch Franzosen, Engländer, Amerikaner und Kanadier. Die Übung findet unter möglichst authentischen Bedingungen statt, heißt: Niemand weiß, was passiert. Die Nachrichten kommen im Minutentakt aus dem Marine-Operations-Center in Glücksburg, wo die Kollegen die einzelnen Szenarien vorgeben. Die Einheiten vor Ort müssen entscheiden, wie sie vorgehen und wie sie sich mit ihren Verbündeten koordinieren.

Eckernförde liegt im Land Arbolia, die Bucht ist strategisch wichtig und von Soldaten aus Congeria vermint worden. Minentaucher aus verschiedenen Nationen suchen hier mit Sonargeräten den Meeresgrund ab, inspizieren von Kanus aus Schiffe und Hafenanlagen. Haben sie etwas Verdächtiges gefunden, muss zunächst festgestellt werden, um welche Art von Sprengbombe es sich handelt. „Und da gibt es Tausende Varianten“, erklärt Kapitänleutnant Burkhard Stobbe, „von der Mine wie sie Streitkräfte benutzen bis zur per Handysignal ausgelösten selbstgebauten Sprengfalle in einer Rettungsinsel“.

Wer hier Explosionen und das Knattern von Maschinengewehren erwartet, wird eines Besseren belehrt: Stille herrscht vor, Minen entschärft man am besten mit einem ruhigen Gemüt – auch wenn sich statt Sprengstoff nur Sand in ihnen befindet.

Ähnlich ruhig sieht es auf der Christianshöhe in Kochendorf aus. Dort wurden laut Angaben aus Glücksburg in den vergangenen Tagen verdächtige Personen beobachtet. Ein Raketenabschuss durch eine terroristische Organisation könnte von hier vorbereitet werden. Kampfmittelabwehrkräfte der Luftwaffe sind hier gefragt, abgesichert durch Schutzkräfte des Eckernförder Seebataillons. Denn: Auch hier sind die Straßen und Wege vermint, muss der Weg zum Ziel mühsam abgesucht und der Sprengstoff entschärft werden.

Auch wenn das Szenario fiktiv ist: „So oder ähnlich könnte ein multinationaler Einsatz durchaus aussehen“, erklärt Korvettenkapitän Mario Fink, der Leiter des Ausbildungszentrums Seebataillon und im Szenario Kommandeur der in Eckernförde stationierten Truppen. Vor einigen Tagen gab es sogar einen Aufstand: Die Bevölkerung hat sich gegen die Soldaten aufgelehnt und vor dem Stützpunkt demonstriert. Dafür mussten einige Soldaten als Schauspieler fungieren. „Auch da gilt es, richtig zu reagieren“, so Fink. In allen Fällen komme es auf die Zusammenarbeit an, auf Absprachen, Taktik und nicht zuletzt die Verständigung auf Englisch.

Und das nicht nur in Eckernförde: Das Trainingsgebiet erstreckt sich über die mittlere und westliche Ostsee, die Meeresengen zur Nordsee bei Dänemark sowie über Kattegat und Skagerrak. Dort haben es die Soldaten nicht leichter, stoßen sie mit ihren Schiffen doch als „Gute“ und „Böse“ direkt aufeinander. Seit Sonntag läuft der operative Teil der Übung, heute findet sie ihr Ende. Zumindest für die meisten Soldaten. Im Hintergrund beginnt dagegen erst die Auswertung.

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