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99 Jahre alt : Das treueste Mitglied im Sozialverband

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Henny Fischer feierte am 16. Dezember ihren 99. Geburtstag. Sie war eines der ersten Mitglieder im Reichsbund Eckernförde und ist heute immer noch dabei.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 20:24 Uhr

Eckernförde | Zwei Jahre noch, dann feiert der Sozialverband Deutschland sein hundertjähriges Bestehen. 1917 wurde er unter der Bezeichnung „Reichsbund“ in Berlin gegründet und trat für die Interessen der Kriegsopfer ein. Eine, die davon profitierte, ist Henny Fischer. Die Eckernförderin ist sogar ein Jahr älter als der Verband und feierte gestern ihren 99. Geburtstag. Immer noch ist sie Mitglied im Sozialverband.

Wer Henny Fischer sieht, glaubt nicht, dass sie schon fast 100 Jahre alt ist. Sie gibt Acht auf ihr Äußeres, wirkt adrett. Mit wachen Augen beobachtet sie ihre Umwelt und weiß genau, was um sie herum geschieht. Nur mit dem Laufen will es nicht mehr so richtig klappen. Bis vor drei Jahren wohnte sie noch allein in ihrem Haus in Borby. Jetzt lebt sie im Awo-Service-Haus in der Reeperbahn.

Geboren wurde sie am 16. Dezember 1916 auf dem Gut des Herzogs von Grünholz, wo die Eltern gearbeitet haben. Auch später sollte es adlig weitergehen: Als junges Mädchen arbeitete Henny Fischer als Hausangestellte bei Prinzessin Irene, der Ehefrau von Prinz Heinrich, auf Gut Hemmelmark. „Sie war die Schwägerin des russischen Zaren“, sagt Henny Fischer und schwärmt von ihr. Bis heute hat sie nur gute Erinnerungen an die Familie, die Prinzessin habe sie öfter in den Arm genommen. „Sie war eine ganz Liebe, die Irene.“

Auf dem Gut lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen, dessen Großvater auf dem Gut ebenfalls angestellt war. Der gelernte Schriftsetzer bei der Eckernförder Zeitung arbeitete später bei der Torpedoversuchsanstalt und wurde schließlich für den Kriegsdienst eingezogen. „Er kam nicht zurück“, sagt Henny Fischer, die als Kriegerwitwe von da an ihren Sohn allein großziehen musste.

Da begann ihre Mitgliedschaft im Reichsbund. „Am 1. Oktober 1946 ist Henny Fischer eingetreten und gehört mit der Mitgliedsnummer 104 zu den Gründungsmitgliedern der Eckernförder Ortsgruppe“, sagt deren Vorsitzender Bernd Wiese. Er hat Henny Fischer als treuestem Mitglied gestern zusammen mit Kassenwart Dietmar Woyth persönlich zum Geburtstag gratuliert, denn noch immer ist sie in dem Verein verbunden, mittlerweile als Ehrenmitglied. Vom Reichsbund habe sie sehr profitiert. „Viel Hilfe“ habe sie erhalten, allein schon bei der Beantragung ihrer Rentenansprüche. Gut erinnern kann sie sich an den damaligen Vorsitzenden Hermann Beltermann.

In dem Haus in der Siemensstraße, in dem sie mit ihrem Mann wohnte, verbrachte sie bis vor drei Jahren ihr Leben. Gern denkt sie an ihre Kindheit zurück. „Wir haben viel draußen gespielt, Schlagball zum Beispiel.“ Direkt an dem Garten ihrer Eltern in Vogelsang-Grünholz führte die Kleinbahnlinie zwischen Eckernförde und Kappeln entlang. „Wir sind immer mitgelaufen“, erinnert sie sich und sagt verschmitzt: „Blumen pflücken während der Fahrt verboten.“ Mit der Bahn zu fahren, sei ein Erlebnis gewesen, denn fast alles habe man zu Fuß erreichen müssen. Zu Fuß ging es von Vogelsang nach Damp zum Baden, zu Fuß ging es nach Börentwedt in Thumby zur Schule. „Und wenn wir mal zu spät kamen, mussten wir eine Stunde nachsitzen“, erinnert sich Henny Fischer. Ein Geheimrezept für ein langes Leben hat sie nicht. Sie hatte ein Haus und einen großen Garten, war immer in Bewegung. „Und in Borby ist gesunde Luft.“

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