Das Seniorensofa

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Spontaner „Körnchen“-Kauf am Rande des Polenmarkts in Swinemünde

shz.de von
17. Januar 2018, 17:30 Uhr

Ulla meldet sich. Der Osten ist wieder mit dem Bereisen dran. Letztes Jahr war`s Eiderstedt, das wir Zwei unsicher machten! Immer mit viel Kultur, Natur und Sport. Diesmal auch mit Hungern. Ulla ist mit ihren achtzig Jahren auf dem Schönheitstripp, obwohl sie von Hause aus schon so schön ist!

Da wir im Urlaub immer in einer Ferienwohnung wohnen und meine Freundin immer das Kochen übernimmt, war für mich auch Schmalhans Küchenmeister. Na, mir tat`s auch gut! Aber ich konnte das Versprechen, das ich ihren Töchtern gegeben hatte, nicht einhalten: Jeden Tag einen großen Eisbecher mit Sahne zu verzehren. Sie sorgen sich um ihre Mutter.

Ulla ist nicht nur dünn sondern zäh wie Leder. Denn auf der wunderschönen Insel Usedom gibt es auch Berge und auch mal acht Prozent Gefälle! Unsere Räder und wir versagten nie, manchmal dauerte eine Tour sieben Stunden. Wir waren so dankbar, noch alles so gut und vergnügt zu meistern, wie die Jungen!

In Bansin war unsere Bleibe, direkt an der Seebrücke. Stundenlang wateten wir durch das kalte Wasser, genossen Wind und Weite. Auch nachts hörten wir die grimmige Ostsee rauschen.

Aber einmal musste doch das Auto bewegt werden, es ging über die Grenze zu den Polen, nach Swinemünde. Ulla kennt sich da bestens aus, erstaunlich, ich trottete immer hinterher. Sie war auf der Suche nach einem Vogelhaus und, das muss ich leider sagen, auch nach solcher Chemie, die es bei uns im Westen gar nicht mehr gibt. Aber ihr Garten in Satow ist riesig, und der Kanister war es auch, wir schleppten! Abraten meinerseits, aussichtslos, Ossis sind stur und praktisch und tüchtig, wir erleben es fast täglich bei Mutti Merkel.

Am Rande des Polenmarktes gab es altes Handwerk zu bewundern, Korbmacher. Mir fiel spontan mein lieber, alter Hund zu Hause ein, mit seinem ebenso ältlichen und abgewetzten Lager. Wie dekorativ und gemütlich sähe er, mein Jack- Russel, zum Beispiel in diesem großen, außergewöhnlichen Hundesofa aus, mit vier Beinen! Und welche Polsterung. Die Polin sagte: „Rrott fir Sonntag, andere Seit (grau), fir andere Tag“. Das wollte ich gern beherzigen.

Wir verstauten zuerst das Riesen-Vogelhaus mit drei Pfählen in den Kofferraum, daneben den Giftkanister. Der Rücksitz war komplett ausgefüllt mit dem Riesen-Hundesofa. Und was wird aus unseren Koffern und Taschen in Bansin? Der tolle Ossi an meiner Seite verpackte und verzurrte alles bestens, auch unfallsicher. Es war von Geschossen die Rede, die bei einem Zusammenstoß durchs Auto rasen. Ja, Ulla dachte an alles, ein toller Kumpel.

In Satow wurde dann wieder ausgepackt und in mein Auto eingepackt. Und ich düste bei Starkregen los gen Heimat. Die Autobahn, ein düsteres, gefährliches, nervenaufreibendes Nebelmeer. Ich hab’s aber geschafft.

Und mein Hundesofa? Nach zwei Sekunden lag Flecki auf seinen polnischen Polstern, attraktiv und selbstsicher, als wäre es immer so gewesen. Lachend standen wir um ihn herum, um ihn und das tolle Möbelstück.


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